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ZDF © MichaelGaida @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Lied gegen Nazis gestrichen

Angst des ZDF vor Danger Dans „Keine Angst“

Danger Dan sollte seinen neuen Song gegen Rechtsextremismus in der 100. Ausgabe der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ präsentieren. Nach einer internen Prüfung wurde die Performance gestrichen. Die „Anstalt“-Macher sehen darin ein falsches Signal angesichts wachsender rechtsextremer Gewalt.

Sonntag, 19.07.2026, 13:47 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 19.07.2026, 13:47 Uhr Lesedauer: 6 Minuten  |  

Wie weit darf ein Songtext gehen? In einer Jubiläumsausgabe der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ zum Thema politische Radikalisierung und Wehrhaftigkeit der Demokratie sollte der Rapper Danger Dan mit dem Starpianisten Igor Levit einen neuen Song präsentieren. Doch der Sender hält den Text für problematisch und strich den Auftritt kurzfristig aus dem Programm.

Was genau war geplant?

Danger Dan war für die Aufzeichnung der 100. Ausgabe der Sendung „Die Anstalt“ eingeladen, die am kommenden Dienstag (21. Juli) im ZDF gezeigt wird. Geplant war laut ZDF, dass der Rapper den Song „Keine Angst“ präsentiert, in dem es um das Thema „Widerstand gegen Rechtsextremismus“ gehe. Anschließend sollte darüber diskutiert werden. Doch es kam anders: Das ZDF strich den Auftritt auf den letzten Metern, ganz kurz vor der Aufzeichnung, wie es in einer Mitteilung der Promotion-Agentur Check Your Head hieß.

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Warum hat das ZDF das getan?

Der Liedtext könne als Aufruf zu Gewalt verstanden werden, erklärte der Sender. Ein solcher Aufruf stünde im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF. Bei der Vorbereitung der Sendung habe man sich intensiv damit beschäftigt, auch die Geschäftsleitung des Senders sei beteiligt gewesen. Letztlich sei man zu der Bewertung gekommen, dass dieser Widerspruch im Anschluss an die mehr als siebenminütige Live-Performance auf der Bühne nicht mehr aufzulösen gewesen wäre.

Das ZDF habe sich die Entscheidung der Absage nicht leicht gemacht, heißt es von dem Sender. Nach intensiver redaktioneller Bewertung sei man aber zu dem Schluss gekommen, dass der Text des Liedes als Anleitung zum politischen Extremismus verstanden werden könne, der Selbstjustiz propagiere und rechtswidrige Taten und Gewalt nicht ausschließe.

Worum geht es in dem Song „Keine Angst“?

Er ruft im Kern zum Kampf gegen Nazis und Faschisten auf. Der Text liest sich wie eine Art Anleitung, wie man sich dafür zusammenschließen kann, ohne ins Visier von Rechtsextremisten oder Sicherheitsbehörden zu geraten. Es brauche geheime Kommunikation, es gelte rechte Strukturen zu recherchieren, deren Aktionen zu dokumentieren, Nazis öffentlich bekannt zu machen.

„Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras“, heißt es an einer Stelle. „Nie ohne Handschuhe, nie ’nen Fingerabdruck hinterlassen“, an einer anderen. „Die seh’n gefährlich aus, aber wir legen sie lang“, singt Danger Dan und auch: „Wenn ihr zusammen kämpft, dann kann es funktionieren.“

Und am Ende schickt er „liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk“. Damit dürften die mutmaßliche Linksextremistin Lina E. und drei ihrer Mitstreiter gemeint sein, die 2023 vom Oberlandesgericht Dresden wegen mehrerer Angriffe auf Rechtsextreme zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden.

Genau auf diese Stelle verweist das ZDF. Die Namen seien identisch mit Vornamen einschlägig bekannter, zum Teil schon rechtskräftig verurteilter Linksextremisten.

Wer ist Danger Dan?

Er heißt mit bürgerlichem Namen Daniel Pongratz. Der 43-Jährige gehört zur Band Antilopen Gang („Mir kann nichts passieren“, „Pizza“). Vor fünf Jahren veröffentlichte er sein Soloalbum „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“. Der gleichnamige Titelsong machte Schlagzeilen. Danger Dan stellte ihn begleitet von Levit auch im „ZDF Magazin Royale“ von Jan Böhmermann vor.

In dem Stück griff der Rapper ebenfalls das Thema Faschismus auf und spielte diverse Szenarien durch. „Nein, ich wär‘ nicht wirklich Danger Dan / Wenn ich nicht Lust hätte auf ein Experiment / Mal die Grenzen auszuloten, was erlaubt und was verboten ist“, heißt es darin. Auf dem gefeierten Klavieralbum ging es aber auch um weniger politische Themen, etwa um Lebensentscheidungen und die Schulzeit.

Mit seiner Band setzt sich Danger Dan, der aus Aachen stammt, gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ein. Mit Levit trat er in der Vergangenheit auch beim Festival „Jamel rockt den Förster“ in Mecklenburg-Vorpommern auf, mit dem auf die Neonazi-Szene aufmerksam gemacht werden soll.

In der Ankündigung zum neuen Album und einer Tournee im Herbst 2026 heißt es mit Verweis auf wachsenden Antisemitismus, auf Neonazi-Gruppen, die gezielt Veranstaltungen zum Christopher Street Day attackierten und auf „eine erschreckend bröckelnde Solidarität“: „Was wir jetzt brauchen, ist bitte kein Plädoyer für die Liebe oder halbgares Gesülze über Gemeinschaft. Es ist Zeit für Antifaschismus, radikale Kunst, für den Protest und für eine schonungslose Auseinandersetzung mit der Gegenwart, der Welt und uns selbst.“

Wie reagierte Danger Dan auf die ZDF-Entscheidung?

Mit großem Unverständnis. „Immer Ärger mit dem ZDF, dieses Mal haben sie uns ernsthaft rausgeschmissen“, schrieb der Rapper auf Instagram. Er und Igor Levit hätten einen wunderschönen freien Tag in München gehabt, allerdings unverhofft, wegen der Absage. Eine offizielle schriftliche Begründung für die Ausladung habe man vom ZDF bislang nicht erhalten.

Das Lied habe dem Sender seit Wochen vorgelegen, schrieb Danger Dan weiter. Er sprach von einem Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit und sieht politische Gründe hinter der Entscheidung des Senders.

Auch auf „Spiegel“ online meldete sich der Musiker zu Wort. Dort sagte er, er rufe in dem Song niemanden auf, in den kriminellen Untergrund zu gehen. Er verabscheue Gewalt. „Aber das Problem ist: Sie ist schon längst politische Realität.“

Was sagen die Macher der „Anstalt“?

Sie nennen die Entscheidung des ZDF auf Instagram „mutlos“. „Wir hätten es als öffentlich-rechtliche Pflicht gesehen, das Lied zu präsentieren und danach zu diskutieren.“ – gerade in Zeiten, in denen rechtsextreme Gewalt wieder stark zunehme.

„Wir, „Die Anstalt“, distanzieren uns von dieser Entscheidung des ZDF“, schrieb das Team um die Moderatoren Claus von Wagner, Max Uthoff und Maike Kühl weiter. In ihrer Jubiläumssendung, die der Sender am Samstagabend vorab im Stream bereitstellte, haben die Macher ZDF erneut deutlich kritisiert.

„Wir verstehen, dass man über den Song geteilter Meinung sein kann, aber wir empfinden die Entscheidung des ZDF in einer Zeit, in der rechtsextreme Gewalt in der Geschichte der Bundesrepublik mal wieder einen Höchststand erreicht hat, einfach als mutlos“, sagte Moderator Claus von Wagner. Das Team las abwechselnd Passagen aus dem Song „Keine Angst“ vor und kommentierte sie. Darunter war etwa eine Stelle, in der es darum geht, Namen von Rechtsextremen zu recherchieren und zu veröffentlichen. Das könne strafbar sein, sagte Moderator Max Uthoff.

Was passiert, wenn Menschen ungeschützt sind vor Nazis?

Über die letzten Zeilen des Liedes, in dem vier Vornamen genannt werden, die identisch sind mit Vornamen einschlägig bekannter, zum Teil schon rechtskräftig verurteilter Linksextremisten, habe das Team viel diskutiert. Man verurteile Gewalt. Die Frage sei aber, was passiere, wenn der Staat sein Gewaltmonopol nicht durchsetze und Menschen ungeschützt seien vor Nazis, sagte Uthoff.

Die Debatte sei wichtig und das Team hätte sich sehr gewünscht, dass Danger Dan hätte auftreten dürfen, so dass man im Anschluss mit ihm hätte diskutieren können, sagte Moderatorin Maike Kühl.

Wie geht ZDF mit der Kritik um?

Zuvor war nach einem Sketch ein schwarzer Flügel gezeigt worden. Auf diesen waren zwar Scheinwerfer gerichtet, es saß aber niemand an dem Instrument. Davor stand ein einsames Mikrofon. Ursprünglich sollte Danger Dan den Song mit Starpianist Igor Levit in der 100. Ausgabe der Satiresendung präsentieren.

Das ZDF thematisierte den abgesagten Auftritt auch in einer „Aspekte“-Sendung am Samstagabend. Zahlreiche Experten wurden zu der Thematik befragt, die von verschiedenen Seiten beleuchtet wurde. Zu Wort kamen Juristen, Journalisten, Kabarettisten und Publizisten mit verschiedenen Einschätzungen.

Der Sender hatte erklärt, dass der Text des Liedes als Anleitung zum politischen Extremismus verstanden werden könne, der Selbstjustiz propagiere und rechtswidrige Taten und Gewalt nicht ausschließe. Der Leiter der ZDF-Hauptredaktion Show, Oliver Heidemann, unterstrich, man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Heidemann bedauerte, dass sie lange gedauert habe. Diesen Punkt verstehe er. (dpa/mig) Aktuell Feuilleton

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