Behörde, Amt, Verwaltung, Bürokratie, Menschen, Warten, Akte, Dokumente
Menschen in der Behörde (Symbolfoto)

Rassismus wird zur Bleibefrage

Sachsen-Anhalt meldet mehr Diskriminierung

In Sachsen-Anhalt haben Beratungsstellen 2025 insgesamt 322 Diskriminierungsfälle registriert, rund 50 mehr als im Vorjahr. Besonders häufig ging es um rassistische Zuschreibungen – für Migranten wird das Bleiben zunehmend zur Frage.

Donnerstag, 28.05.2026, 10:37 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 28.05.2026, 10:37 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |  

Die Antidiskriminierungsberatungsstellen in Sachsen-Anhalt haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Fälle registriert. 2025 seien insgesamt 322 Diskriminierungsfälle erfasst worden und damit rund 50 mehr als im Vorjahr, teilte das Sozialministerium in Magdeburg mit. Die Beratungsstellen warnten vor einer zunehmenden gesellschaftlichen Verrohung und einer „Normalisierung diskriminierender und menschenfeindlicher Aussagen“.

Sozialministerin Petra Grimm-Benne äußerte sich besorgt über die Entwicklung. „Diskriminierung ist Gift für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft, in der jeder Mensch gleiche Chancen haben soll“, sagte die SPD-Politikerin. Beratungsangebote stärkten Betroffene, gäben Orientierung und hälfen dabei, Rechte geltend zu machen.

___STEADY_PAYWALL___

Beratungsstellen warnen vor Verrohung

Die zentrale Antidiskriminierungsstelle Sachsen-Anhalt registrierte nach eigenen Angaben 168 Fälle und damit 35 mehr als im Vorjahr. Am häufigsten ging es um rassistische Zuschreibungen oder ethnische Herkunft, gefolgt von Mehrfachdiskriminierung und Benachteiligungen wegen einer Behinderung. Besonders häufig seien Diskriminierungserfahrungen bei Behörden, am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen gemeldet worden.

„Wir erleben derzeit eine rasante gesellschaftliche Verrohung, welche insbesondere die migrantisch wahrgenommenen Personen beängstigt, einschüchtert und bedroht“, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin des Landesnetzwerks Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt Mika Kaiyama. Für Menschen mit Migrationsgeschichte sei Rassismus zunehmend ein entscheidender Faktor bei der Frage, ob sie in Sachsen-Anhalt bleiben wollten.

Antisemitische Vorfälle im Alltag

Die Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung Sachsen-Anhalt (OFEK) betreute 31 Ratsuchende. Zwei Drittel der Fälle hätten verbale oder digitale antisemitische Gewalt betroffen. OFEK-Beraterin Elitsa Kirova erklärte, Antisemitismus präge den Alltag vieler Betroffener.

Die Beratungsstellen bieten Betroffenen vorjuristische Unterstützung an, etwa beim Verfassen von Beschwerden nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Ministerin Grimm-Benne forderte zudem eine langfristige Absicherung der Finanzierung entsprechender Angebote durch Bund und Länder. (dpa/mig) Aktuell Panorama

Zurück zur Startseite
MiGLETTER (mehr Informationen)

Verpasse nichts mehr. Bestelle jetzt den kostenlosen MiGAZIN-Newsletter:

UNTERSTÜTZE MiGAZIN! (mehr Informationen)

Wir informieren täglich über das Wichtigste zu Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Unterstüzte diese Arbeit und verpasse nichts mehr: Werde jetzt Mitglied.

MiGGLIED WERDEN
Auch interessant
MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)