
Bundesrat fordert Kurswechsel
Teilnehmerzahl bei Integrationskursen sinkt deutlich
Die Teilnehmerzahl an Integrationskursen sinkt. Neue Beschränkungen, die seit ein paar Monaten gelten, dürften das verstärken. Der Bundesrat fordert eine Kurskorrektur.
Sonntag, 10.05.2026, 10:44 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 10.05.2026, 10:22 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Im vergangenen Jahr haben deutlich weniger Menschen einen Integrationskurs in Deutschland begonnen, als in den Jahren davor. Wie eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion ergab, sank die Zahl der neuen Teilnehmer 2025 auf 307.000, nach jeweils gut 363.000 neuen Kursteilnehmern in den beiden Jahren davor.
Die Zahl der „erfolgreichen Kursaustritte“ lag bei knapp 158.000, nach rund 168.000 im Vorjahr und rund 155.000 im Jahr davor. Für eine erfolgreiche Teilnahme muss ein Deutsch-Test auf einem bestimmtem Level sowie eine Prüfung zu Politik, Geschichte, Gesellschaft und Rechtsordnung in Deutschland bestanden werden.
127.000 „Kursaustritte aufgrund von Inaktivität“ wurden den Angaben zufolge im vergangenen Jahr gezählt, nach 105.000 im Vorjahr und 90.000 im Jahr davor. Das können Kursabbrüche sein oder wenn Teilnehmer zwar den Kurs zu Ende besucht, aber Abschlussprüfungen nicht abgelegt haben.
Deutliche Kritik von Integrationsministerin Binz
Das Bundesinnenministerium unter Minister Alexander Dobrindt (CSU) hatte Einsparungen bei den Kursen beschlossen. Sie stehen nur noch Menschen zur Verfügung, die auch gute Chancen haben, im Land zu bleiben. Für andere, die etwa in Asylverfahren mit unsicherem Ausgang stecken, werden die Kurse nicht mehr finanziert. Begründet wurde das mit hohen Kosten von mehreren Tausend Euro pro Teilnehmer.
Aus den Ländern kommt Kritik. Die rheinland-pfälzische Integrationsministerin Katharina Binz etwa forderte die Rücknahme des Zulassungsstopps für die freiwillige Teilnahme an Integrationskursen. „Integration beginnt mit Sprache“, erklärte die Grünen-Politikerin im Bundesrat in Berlin. Der Zulassungsstopp sei integrationspolitisch ein völlig falsches Signal und verzögere Integration an entscheidender Stelle, kritisierte Binz.
Bundesrat fordert Rücknahme von Einsparungen bei Kursen
Der Bundesrat hat die Bundesregierung in einer Entschließung dazu aufgefordert, das rückgängig zu machen. Er sei kontraproduktiv. Menschen, die einen dauerhaften Aufenthalt anstrebten, seien auf den Erwerb der notwendigen Sprachkenntnisse angewiesen.
Auch der Deutsche Städtetag, der Deutsche Landkreistag und der Deutsche Städte- und Gemeindebund verabschiedeten zusammen ein entsprechendes Positionspapier.
Der sozialpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, René Springer, forderte dagegen, das gesamte Konzept der Integrationskurse auf den Prüfstand zu stellen. Spracherwerb sei eine Bringschuld, die Kosten seien grundsätzlich von Migranten selbst zu tragen. (dpa/epd/mig) Leitartikel Politik
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