
Sipri-Bericht
Mehr Waffen statt Kampf gegen Hunger
Weltweit haben die Waffentransfers zwischen Staaten zugenommen. Daten des Sipri-Instituts zeigen: Vor allem Europa rüstet auf. Die Welthungerhilfe äußert sich besorgt.
Von Almut Siefert und Moritz Elliesen Montag, 09.03.2026, 15:28 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 09.03.2026, 15:28 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Europäische Staaten haben ihre Waffenimporte laut dem Sipri-Institut mehr als verdreifacht und sind damit die weltweit größte Empfängerregion geworden. Das Gesamtvolumen der Importe von 2021 bis 2025 liege 210 Prozent über dem Wert der Jahre von 2016 bis 2020, teilten die Friedensforscher am Montag in Stockholm mit. Die europäischen Staaten importierten demnach in den vergangenen fünf Jahren 33 Prozent der weltweit gehandelten schweren Waffen.
Auch im globalen Durchschnitt registrierten die Fachleute einen Anstieg bei den Lieferungen von Waffen. Diese hätten in den vergangenen fünf Jahren gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016 bis 2020 um 9,2 Prozent zugenommen.
Kritik von Welthungerhilfe
Die Welthungerhilfe reagierte besorgt auf die Daten. Kriege und Konflikte gehörten zu den wichtigsten Hungertreibern weltweit, sagte der Generalsekretär der deutschen Hilfsorganisation, Mathias Mogge, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Allein im Jahr 2024 lösten sie 20 Ernährungskrisen aus, von denen fast 140 Millionen Menschen betroffen waren“, erläuterte er.
Hinter der Ukraine waren laut Sipri in den vergangenen fünf Jahren Polen und Großbritannien die größten Waffenimporteure in Europa. Fast die Hälfte der an europäische Staaten gelieferten Waffen stammte laut Sipri aus den USA (48 Prozent), gefolgt von Deutschland (7,1 Prozent) und Frankreich (6,2 Prozent).
Bedrohung durch Russland
Den sprunghaften Anstieg der Nachfrage in Europa begründen die Stockholmer Forscher mit der wahrgenommenen Bedrohung durch Russland. Dies werde durch Unsicherheiten hinsichtlich des Engagements der USA zur Verteidigung ihrer europäischen Verbündeten noch verstärkt.
Deutschland hat laut den Sipri-Daten China in der Liste der Waffenlieferanten überholt und steht nun auf Platz vier. 5,7 Prozent der weltweit in den vergangenen fünf Jahren gelieferten Waffen stammen demnach aus der Bundesrepublik. Rund ein Viertel der deutschen Waffen, 24 Prozent, gingen in die Ukraine, 17 Prozent in andere europäische Staaten.
Lieferungen an die Ukraine
Der weltweite Anstieg von mehr als neun Prozent ist laut Sipri der höchste seit dem Zeitraum von 2011 bis 2015. Die Forscher führen diesen vor allem auf den Anstieg der Waffenexporte in die Ukraine zurück. 9,7 Prozent aller Waffentransfers weltweit gingen in den vergangenen fünf Jahren in das von Russland angegriffene Land.
„Die Lieferungen an die Ukraine seit 2022 sind der offensichtlichste Faktor“, sagte Sipri-Forscher Mathew George. Aber auch die meisten anderen europäischen Staaten hätten begonnen, deutlich mehr Waffen zu importieren, „um ihre militärischen Fähigkeiten angesichts der wahrgenommenen wachsenden Bedrohung durch Russland zu stärken“.
USA bleiben größter Lieferant
Der weltweit größte Lieferant von Waffen bleiben die USA. Ihre Gesamtexporte stiegen um 27 Prozent. Frankreich landet vor Russland auf Platz zwei. Außer in Europa und Amerika gingen die Waffenimporte in allen anderen Regionen der Welt in den vergangenen fünf Jahren zurück.
Der Report zu den weltweiten Waffentransfers erscheint jährlich und nimmt einen Fünf-Jahres-Zeitraum in den Blick. Erfasst werden von Sipri schwere Waffen und Rüstungsgüter wie Kampfflugzeuge, Raketen, Artillerie oder auch Antriebssysteme für Militärflugzeuge und Kampfschiffe. Kleinwaffen fallen nicht darunter. (epd/mig) Aktuell Panorama
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