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Kinder und ein Teil eines Sprengkörpers (Symbolfoto) © UNAMID @ flickr.com (CC 2.0)

Zahlen für 2020

Waffenhandel weiter auf höchstem Stand seit Ende des Kalten Kriegs

Die Corona-Pandemie könnte manche Regierungen veranlassen, ihre Waffenkäufe zu überdenken, vermuten die Stockholmer Friedensforscher. Bisher konnten sie aber 2020 noch keine Trendwende erkennen. Die Rüstungsgeschäfte bleiben auf hohem Niveau.

Montag, 15.03.2021, 5:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 14.03.2021, 14:15 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Nach Jahren deutlichen Wachstums ist der Umfang des weltweiten Waffenhandels zwischen 2016 und 2020 im Vergleich zu den fünf Jahren davor leicht gesunken. Allerdings beträgt der Rückgang nur 0,5 Prozent, wie das Friedensforschungsinstitut Sipri in Stockholm am Montag bekannt gab. Während die USA, Frankreich und Deutschland ihre Exporte beträchtlich steigerten, waren die Ausfuhren Russlands und Chinas rückläufig. Dennoch gehören auch diese beiden Länder weiter zu den „Top 5“ der Waffenexporteure.

Zusammen stehen die USA, Russland, Frankreich, Deutschland und China für 76 Prozent aller globalen Rüstungslieferungen. Hauptempfänger waren Asien-Ozeanien (42 Prozent) und der Nahe Osten (33 Prozent). Deutschland liegt auf Platz vier der größten Waffenexporteure, die deutschen Ausfuhren stiegen 2016-2020 um 21 Prozent gegenüber 2011-2015. Der Anteil am Weltmarkt beträgt 5,5 Prozent. Laut Sipri-Bericht lieferte Deutschland Waffensysteme in 55 Länder. Hauptabnehmer waren Südkorea, Algerien und Ägypten.

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Keine Trendwende

Eine Trendwende im internationalen Waffenhandel lässt sich nach Angaben der Stockholmer Friedensforscher auf absehbare Zeit nicht ausmachen. Trotz des leichten Rückgangs in 2016-2020 sei der Umfang der Lieferungen immer noch 12 Prozent höher als im Zeitraum 2006-2010. Damit verbleibt er auf dem nahezu höchsten Niveau seit Ende des Kalten Krieges.

„Es wäre zu früh zu sagen, die Phase rasanten Wachstums der vergangenen 20 Jahre sei vorüber“, erklärte Sipri-Forscher Pieter D. Wezeman. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie könnten zwar dazu führen, dass manche Länder ihre Waffenimporte in den kommenden Jahren überdenken. Zugleich hätten aber einige Staaten selbst auf dem Höhepunkt der Pandemie 2020 Großaufträge für Rüstungslieferungen unterschrieben.

Spitzenreiter USA

Klarer Spitzenreiter bei den Exporten waren die USA mit einem Weltmarktanteil von 37 Prozent. Zwischen 2016 und 2020 wuchsen die US-Ausfuhren im Vergleich zum Zeitraum von 2011-2015 um 15 Prozent. Sie gingen in 96 Staaten, davon zu 47 Prozent in den Nahen Osten. Allein 24 Prozent der Waffensysteme lieferten die US-Firmen an Saudi-Arabien. Dagegen brachen die russischen Rüstungslieferungen in den vergangenen fünf Jahren verglichen mit dem Zeitraum 2011-2015 um 22 Prozent ein. Dies führten die Friedensforscher vor allem auf geringere Ausfuhren nach Indien zurück. Dennoch hält Russland als zweitgrößter Waffenexporteur einen Weltmarktanteil von 20 Prozent.

Frankreich liegt mit einem Weltmarktanteil von 8,2 Prozent auf Platz drei der weltweit größten Rüstungslieferanten. Die französischen Waffenexporte stiegen um 44 Prozent und gingen in 69 Staaten in den vergangenen fünf Jahren. Der wesentliche Anteil wurde an Indien, Ägypten und Katar geliefert. Auf Rang fünf der weltweit größten Rüstungslieferanten liegt China, zugleich auch fünftgrößter Importeur. Zwischen 2016 und 2020 sanken die Waffenexporte der Volksrepublik im Vergleich zu den fünf Jahren davor um 7,8 Prozent. Der chinesische Anteil am Weltmarkt betrug 5,2 Prozent.

Fluchtursachen

Weltweit größter Importeur war Saudi-Arabien, gefolgt von Indien, Ägypten, Australien und China. Vor allem Nahost-Staaten steigerten ihre Einfuhren deutlich: Saudi-Arabien um 61 Prozent, Ägypten um 136 Prozent und Katar sogar um 361 Prozent.

Bewaffnete Konflikte gehören neben Armut, Hunger und Klimawandel weltweit zu den Top-Fluchtursachen. Experten warnen: Je mehr Waffen geliefert werden, desto höher die Wahrscheinlichkeit für kriegerische Auseinandersetzungen und Menschenrechtsverletzungen. (epd/mig)

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