
Zu bürokratisch, zu willkürlich
Immer mehr Ärzte kommen aus dem Ausland
Jeder achte Mediziner hat keinen deutschen Pass, jeder vierte ist ein Einwanderer. Dabei Ihr Anteil an der Ärzteschaft wächst zwar stark – aber immer noch nicht stark genug. Ohne sie würde das deutsche Gesundheitssystem längst kollabieren. Doch entscheidet oft Bürokratie darüber, wer hier helfen darf.
Von Sandra Trauner Dienstag, 24.02.2026, 16:14 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 24.02.2026, 16:14 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
In Deutschland arbeiten immer mehr ausländische Ärztinnen und Ärzte. Laut Statistischem Bundesamt hatten 64.000 oder 13 Prozent aller Mediziner im Jahr 2024 keine deutsche Staatsangehörigkeit. Zehn Jahre zuvor waren es erst 30.000 beziehungsweise 7 Prozent gewesen.
121.000 aus dem Ausland zugewanderte Ärztinnen und Ärzte arbeiteten 2024 in der Human- und Zahnmedizin. „Das war knapp ein Viertel der gesamten Ärzteschaft“, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Einige besitzen inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft. 42 Prozent waren weniger als zehn Jahre in Deutschland.
Von Aleppo nach Langen
Einer von ihnen ist Faisal Shehadeh. Der 42-Jährige arbeitet als Unfallchirurg in der Asklepios Klinik im hessischen Langen. Sein Medizinstudium schloss er 2006 in Aleppo (Syrien) ab, wo er auch Deutsch lernte. 2015 schloss er seine Facharztausbildung in NRW ab, danach war er Oberarzt im Saarland. Heute ist er als Spezialist für Schulter- und Ellenbogenchirurgie gefragt.
Dass seine Wahl auf Deutschland fiel, lag daran, „dass in Deutschland sehr hohe Standards in der Medizin gelten und die Facharztausbildung eine der besten weltweit ist“, wie er im Interview berichtet. Der bürokratische Aufwand, bis sein Abschluss als gleichwertig anerkannt gewesen sei, sei „überschaubar“ gewesen. Der Facharztmangel in Deutschland habe seinen Einstieg erleichtert.
Deutsche wählen Umweg über das Ausland
7.000 ausländische Medizin-Abschlüsse wurden 2024 als gleichwertig anerkannt, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Darunter waren 21 Prozent Deutsche, die im Ausland Medizin studiert haben – oft um die Zulassungsbeschränkungen zu umgehen. Die meisten entschieden sich für Österreich oder Ungarn.
Zweitgrößte Gruppe bei den anerkannten ausländischen Abschlüssen waren Syrerinnen und Syrer wie Shehadeh. 2024 wurden 800 syrische Abschlüsse in der Humanmedizin und 100 in der Zahnmedizin anerkannt.
Zu bürokratisch, zu willkürlich
Nicht immer geht es so schnell und unbürokratisch bei Shehadeh. Atilla Vurgun leitet in Frankfurt die gemeinnützige Akademie für Heilberufe, die ausländische Ärztinnen und Ärzte auf dem Weg in das deutsche Gesundheitssystem begleitet. Er schildert Fälle, in denen es Jahre dauert, bis die Behörden über die Gleichwertigkeit des Abschlusses entscheiden.
Wer sich alternativ dafür entscheide, eine sogenannte Kenntnisprüfung abzulegen, warte teils Jahre auf einen Termin. Ob die Papiere am Ende anerkannt würden oder man die Prüfung bestehe, sei „wie eine Lotterie“, sagt Vurgun. Denn es gebe keine Standards – jedes Bundesland und jede Kammer entscheide in eigenem Ermessen.
Zuwanderer überdurchschnittlich jung
Vurgun würde sich wünschen, dass die Anerkennung ausländischer Medizinabschlüsse in Deutschland einheitlich geregelt wäre: zentrale Sprachprüfungen an einer Sprachschule, Fachprüfungen an den Medizinhochschulen, ein Ansprechpartner für den gesamten Prozess und eine Entscheidung binnen eines Jahres.
Der Zuzug aus dem Ausland ist wichtig – denn ein großer Teil der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland scheidet in den nächsten Jahren altersbedingt aus, wie das Statistische Bundesamt berichtet. 2024 war knapp ein Drittel bereits über 55 Jahre alt. Gerade die jungen Kollegen sind überdurchschnittlich häufig zugewandert: Fast die Hälfte der ausländischen Ärztinnen und Ärzte war 2024 jünger als 35 Jahre. (dpa/mig) Aktuell Panorama
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