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Ärztin im Krankenhaus (Symbolfoto) © 123rf.com

Ärztekammer

Ohne ausländische Ärzte würde medizinische Versorgung zusammenbrechen

Aktuellen Wahlumfragen zufolge würde jeder Dritte in Sachsen-Anhalt die AfD wählen. Deren Politiker wiederum schmieden „Remigrationspläne“. Ohne Ausländer würde die medizinische Versorgung im Land aber zusammenbrechen, warnt die Ärztekammer.

Montag, 29.01.2024, 11:28 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 30.01.2024, 10:18 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die AfD erzielt in Wahlumfragen Höchstwerte, in Sachsen-Anhalt könnte sie sogar stärkste Kraft werden. Gleichzeitig steigt im Land auch die Zahl ausländischer Ärzte. Während im Jahr 2018 noch 1.343 Mediziner aus dem Ausland kamen, waren es 2023 insgesamt 1.833. Damit stieg der Anteil ausländischer Ärzte von 10,5 auf 13,2 Prozent, wie aus einer Aufstellung der Ärztekammer Sachsen-Anhalt hervorgeht. Am Universitätsklinikum Magdeburg kommt sogar etwa jeder vierte Arzt aus dem Ausland. „Mit etwa 54 Nationen sind wir eine sehr internationale Universitätsmedizin und freuen uns über die kulturelle Vielfalt“, sagte eine Sprecherin.

Viele Krankenhäuser im Land loben die Mediziner aus dem Ausland. „Ob jemand ein guter oder schlechter Arzt ist, hängt nicht an seiner Herkunft“, sagte ein Sprecher des Städtischen Klinikums Dessau. „Klar ist, dass sich der Krankenhausbetrieb ohne die Unterstützung ausländischer Ärzte nicht aufrechterhalten ließe, da wir insgesamt zu wenige deutsche Ärzte haben.“ Die sprachliche Verständigung mit den Patientinnen und Patienten funktioniere in der Regel gut.

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Wartezeit für Anerkennung von Qualifikationen inakzeptabel lang

Auch der Klinikbetreiber Ameos sieht in internationalen Fachkräfte eine unverzichtbare Stütze. „Insbesondere angesichts des Erstarkens fremdenfeindlicher Einstellungen, haben wir bei Ameos Ost als einer der größten Arbeitgeber im Bundesland hier eine besondere Verpflichtung. Dies beinhaltet nicht nur die Integration und Unterstützung von ausländischem Personal, sondern auch die aktive Förderung eines toleranten, diskriminierungsfreien Arbeitsumfeldes“, sagte Regionalgeschäftsführer Freddy Eppacher.

Das Harzklinikum, wo 21 Prozent der Ärzte aus dem Ausland kommen, will seinem Personal künftig mehr Hilfen bieten. Dabei soll es um Sprachkompetenz und möglicherweise um ein Patenschaftssystem gehen, um Neuankömmlingen den Einstieg zu erleichtern. „Trotzdem fordern wir entschieden mehr staatliche Unterstützung“, sagte ein Sprecher. „Insgesamt ist die Wartezeit für die Anerkennung der sprachlichen und fachlichen Qualifikationen inakzeptabel lang.“ Man sei darauf angewiesen, Ärzte und Pflegekräfte aus dem Ausland schnell zu integrieren. „Aktuell wären wir ohne unsere ausländischen Kollegen und Kolleginnen nicht mehr handlungsfähig.“

Medizinische Versorgung ohne ausländische Ärzte nicht möglich

Zuletzt hat auch der Präsident der Landesärztekammer Brandenburg, Frank-Ullrich Schulz, mitgeteilt: „Ohne ausländische Ärztinnen und Ärzte wäre eine flächendeckende medizinische Versorgung in Brandenburg nicht mehr möglich.“ Aktuell hätten 17,8 Prozent der in Brandenburg tätigen Mediziner eine ausländische Staatsbürgerschaft. Es sei besonders wichtig, ihnen aufgeschlossen und vorurteilsfrei entgegenzukommen und „eine Kultur des Pluralismus, der Toleranz und Kompromissfähigkeit zu leben und sich dabei Tendenzen entgegenzustellen, die solche demokratischen und freiheitlichen Prinzipien missachten“.

Die Ärztekammer appellierte im Hinblick auf ein Treffen von Rechtsextremisten, an dem AfD-Politiker sowie einzelne Mitglieder der CDU und der sehr konservativen Werteunion in Potsdam teilgenommen hatten. Der frühere Kopf der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich, Martin Sellner, hatte bei dem Treffen nach eigenen Angaben über „Remigration“ von Ausländern und nicht assimilierten Personen mit deutschem Pass gesprochen. Seitdem demonstrierten Hunderttausende Menschen in Deutschland gegen Rechtsextremismus. (dpa/mig) Leitartikel Panorama

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