
Menschenrechtslage
Bundesländer verhängen Abschiebestopp in den Iran
Vermehrt wird wegen der Gewalt im Iran ein Stopp von Abschiebungen in das Land gefordert. Viele Bundesländer schieben bereits nicht ab. In den vergangenen Jahren gab es kaum Rückführungen in das Land, 2025 aber mehr als in den Jahren davor.
Von Corinna Buschow Dienstag, 20.01.2026, 15:59 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 20.01.2026, 15:59 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Aus Deutschland sind im vergangenen Jahr mindestens 17 Menschen in den Iran abgeschoben worden. Das teilte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums dem Evangelischen Pressedienst auf Anfrage mit. Die Zahl umfasst demnach alle Rückführungen bis Ende November. Die Zahl der Abschiebungen in den Iran lag damit leicht höher als in den Vorjahren. 2024 gab es den Angaben zufolge 14 Abschiebungen in das Land, 2023 gab es 7. Mehrere Bundesländer haben in den vergangenen Tagen Rückführungen in das Land ausgesetzt.
Vor dem Hintergrund der gewaltsamen Niederschlagung regimekritischer Proteste im Iran mit wahrscheinlich mehreren tausend Toten gab es in den vergangenen Tagen zahlreiche Forderungen nach einem Abschiebestopp. Am Dienstag schloss sich die Diakonie an. Auch Zurückweisungen und Einreiseverweigerungen für schutzsuchende Iranerinnen und Iraner an deutschen Flughäfen müssten unterbleiben, forderte Sozialvorständin Elke Ronneberger.
Über Abschiebestopp entscheiden Bundesländer
Für Abschiebungen sind die Bundesländer zuständig. Sie entscheiden auch über einen möglichen Abschiebestopp. Angesichts der gegenwärtigen Lage im Iran haben unter anderem Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und das Saarland Abschiebungen in den Iran ausgesetzt. Auch Brandenburgs Innenminister René Wilke (SPD) hatte am Dienstag mitgeteilt, dass es wegen der „aktuell höchst beunruhigenden und von außen nur schwer einschätzbaren Lage“ im Iran erst einmal keine Abschiebungen dorthin mehr geben soll.
Auch in weiteren Bundesländern werden Abschiebungen in den Iran seit Längerem nicht mehr vollzogen. In Hessen gibt es nach Auskunft des Innenministeriums etwa seit Anfang 2024 wegen der Menschenrechtslage im Iran einen Abschiebestopp für das Land. Die Landesregierung „hat von Beginn an eine extrem kritische Haltung gegenüber dem Mullah-Regime im Iran“, sagte Innenminister Roman Poseck (CDU) dem Evangelischen Pressedienst.
Berlin fordert Abstimmung über einheitliches Vorgehen
Berlin dagegen hat sich gegen einen formellen Abschiebestopp entschieden. Im Fall Iran bedürfe es aber der Zustimmung der Hausleitung des Innensenats, teilte die Senatsinnenverwaltung am Dienstag auf Nachfrage mit. Sie formulierte auch den Wunsch nach einer Abstimmung der Innenministerien der Länder über ein mögliches bundeseinheitliches Vorgehen. Gegen einen Abschiebestopp hatten sich in der vergangenen Woche auch Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg ausgesprochen. (epd/mig) Aktuell Politik
Wir informieren täglich über das Wichtigste zu Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Unterstüzte diese Arbeit und verpasse nichts mehr: Werde jetzt Mitglied.
MiGGLIED WERDEN- Haltung zeigen! Unser Rentensystem benachteiligt Migranten
- Flüchtlingspakt EU zahlt Ägypten eine Milliarde Euro für Grenzschließung
- Polizist vor Gericht? Schwierige Aufklärung von Lorenz‘ Tod
- Studie Alarmierende Lücken bei Versorgung von…
- Turbo-Abschiebung Schuster will Beugehaft für Ausreisepflichtige
- Eskalation der Vorurteile „Extrawurst“ im Kino: Wie ein Grill die Gesellschaft spaltet

