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Unwort des Jahres © MiG

Unwort des Jahres

Jury warnt vor entmenschlichender Sprache: „Zustrombegrenzungsgesetz“

Die Jury kritisiert „Sondervermögen“ als beschönigenden Begriff für neue Schulden. Auf Platz zwei landet „Zustrombegrenzungsgesetz“, weil es Zuwanderung mit einer bedrohlichen Metapher auflädt. Merz‘ „Stadtbild“ scheitert an Unwort-Kriterien.

Dienstag, 13.01.2026, 13:55 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 13.01.2026, 13:55 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Der Begriff „Sondervermögen“ ist zum „Unwort des Jahres“ 2025 gekürt worden. Auf Platz zwei landete der Ausdruck „Zustrombegrenzungsgesetz“. Das gab die Jury der sprachkritischen „Unwort“-Aktion in Marburg bekannt. Der Gebrauch des erstplatzierten Begriffs verdecke, was mit ihm eigentlich gemeint sei – nämlich die Aufnahme von Schulden, erklärte die Jury zur Begründung ihrer Entscheidung.

Der im vergangenen Jahr vermehrt im öffentlich-politischen Sprachgebrauch verwendete Begriff habe „sehr deutlich die politischen Debatten über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme“ geprägt, hieß es weiter. Im Alltagssprachgebrauch werde unter „Sondervermögen“ jedoch eine spezielle Menge an Eigentum verstanden, die von einem Gesamtvermögen abgetrennt sei. Deshalb könne der Begriff „manipulative Wirkung entfalten, wenn er strategisch eingesetzt wird“.

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„Zustrombegrenzungsgesetz“ auf Platz zwei

Manipulativ ist der Jury zufolge auch das zweitplatzierte Wortungetüm „Zustrombegrenzungsgesetz“. Der Ausdruck bediene sich einer „Wassermetapher“ und stelle Zuwanderung als „Herbeiströmen in großen Mengen“ dar, hieß es. Dadurch werde Zuwanderung negativ als Bedrohung konnotiert.

Bereits seit den 1950er-Jahren seien Bezeichnungen aus diesem Bereich der Wassermetaphorik im Zusammenhang mit Migration gebräuchlich – als weitere Beispiele nannte die Jury „Flüchtlingsstrom“ und „Asylantenwelle“. Die Menschen, die sich auf der Flucht befinden, verschwänden hinter solchen Bezeichnungen und „werden damit als große Menge und Gefahr vorgestellt und zugleich entmenschlicht“.

Gast wählt „Umsiedlung“ als persönliches „Unwort des Jahres“

Die Jury der institutionell unabhängigen und ehrenamtlichen Aktion „Unwort des Jahres“ besteht aus vier Sprachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, einer Journalistin sowie jährlich wechselnden Mitgliedern.

In diesem Jahr beteiligte sich der Autor, Jurist und Journalist Ronen Steinke. Sein persönliches „Unwort des Jahres“ ist der Begriff „Umsiedlung“, mit dem israelische und amerikanische Politiker im vergangenen Jahr dafür geworben hätten, die Bevölkerung des umkämpften Gazastreifens dauerhaft in ein anderes Land zu schicken. „Was klingt wie eine Wohltat, verschleiert ein Verbrechen“, so die Jury.

553 verschiedene Begriffe für „Unwort“-Kür vorgeschlagen

Das „Unwort des Jahres“ wird aus Vorschlägen ausgewählt, die interessierte Bürgerinnen und Bürger jeweils bis 31. Dezember eines Jahres einsenden können. Insgesamt gab es dieses Mal 2.631 Einsendungen, sie enthielten 553 verschiedene Ausdrücke, von denen rund 70 den Kriterien der Jury entsprachen.

Unter den vorgeschlagenen Begriffen war auch „Stadtbild“ – ein Wort, das Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verwendet hatte. Im Oktober sagte er, die Bundesregierung korrigiere frühere Versäumnisse in der Migrationspolitik und mache Fortschritte, „aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem“. Was er genau meinte, war zunächst offen geblieben. Später konkretisierte Merz, Probleme machten jene Migranten, die keinen dauerhaften Aufenthaltsstatus hätten, nicht arbeiteten und sich nicht an die in Deutschland geltende Regeln hielten. Schließlich räumte er ein, seine Aussage sei nicht ganz glücklich gewesen.

Merz‘ „Stadtbild“ scheitert an Unwort-Kriterien

Das Wort „Stadtbild“ sei „nicht unbedingt negativ besetzt“ – und deshalb für die Jury kein „Unwort“, sagte Spieß. Es gebe auch Bewegungen, die sich positiv damit auseinandersetzten und etwa erklärten: „Wir sind das Stadtbild, unser Stadtbild ist bunt“, so Spieß. Schließlich räumte er ein, seine Aussage sei nicht ganz glücklich gewesen.

Infrage als „Unwort des Jahres“ kommen grundsätzlich Begriffe und Formulierungen, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind. Wie häufig ein Begriff vorgeschlagen wurde, ist nicht entscheidend für Kür zum „Unwort“ des Jahres. Für 2024 war „biodeutsch“ zum „Unwort des Jahres“ bestimmt worden. (dpa/mig) Aktuell Feuilleton

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