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Konferenzraum (Symbolfoto) © 123rf.com

Kleine Schuld, große Last

Warum afrikanische Regierungen beim Klimagipfel Druck machen werden

Viele afrikanische Länder tragen wenig zur Klimakrise bei – nur vier Prozent der weltweiten Treibhausgase gehen auf ihr Konto – und leiden extrem unter den Folgen. Deswegen sind die Erwartungen an den kommenden Klimagipfel vom 6. bis 18. November in Ägypten hoch.

Von Donnerstag, 03.11.2022, 16:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 03.11.2022, 18:07 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Es wird viel um afrikanische Länder gehen, wenn ab Sonntag die Weltgemeinschaft in Ägypten zur Klimakonferenz zusammenkommt – und um Geld. Denn die reichen Länder haben ärmeren Staaten mehrfach wie im Rahmen des Pariser Klimaabkommens 2015 Hilfsgelder versprochen, um die Folgen der Krise abzumildern. Die 27. Konferenz der Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention (COP27) findet vom 6. bis 18. November im ägyptischen Scharm el Scheich statt.

Der afrikanische Kontinent stößt rund vier Prozent der Treibhausgase aus, die weltweit produziert werden. Fünfzehn Prozent der Weltbevölkerung sind hier zu Hause und aufgrund der klimatisch extremen Bedingungen schon von kleinen Veränderungen ganz besonders betroffen. Auch deshalb ist es für den Kontinent so wichtig, das verabredete Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

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Nach Angaben der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) kostet der Klimawandel die Volkwirtschaften auf dem Kontinent schon jetzt zwischen fünf und 15 Prozent ihres Wirtschaftswachstums. Da viele Länder vor allem Landwirtschaft betreiben, betreffen die Auswirkungen nicht nur die Lebensumstände der Menschen, sondern auch die Wirtschaftskraft und die Ernährungssicherheit vieler Länder.

„Wir haben das Problem nicht verursacht“

AfDB-Präsident Akinwumi Adesina betonte im September: „Wir sagen, dass wir das Problem nicht verursacht haben“, und forderte die reichen Länder als Hauptverursacher des Klimawandels auf, sich am afrikanischen Programm zur beschleunigten Klimaanpassung zu beteiligen. Ähnlich deutlich äußerte sich Ghanas Präsident Nana Akufo-Addo: „Ghana wird bei der COP27 darauf drängen, die Zusagen zur Finanzierung der Klimaanpassung einzuhalten.“

Auch Mbong Akiy Fokwa Tsafack wird zur Klimakonferenz reisen. Die Kamerunerin leitet die Kommunikationsabteilung von Greenpeace Afrika und hofft vor allem, die Stimmen derer repräsentieren zu können, die selten gehört werden. „Es gibt zahlreiche Beispiele auf dem ganzen Kontinent, die zeigen, dass genau die Dinge, die das Klima bedrohen, auch das Leben der Menschen beeinträchtigen“, sagt sie. So zum Beispiel die Ölförderung im Nigerdelta in Nigeria, die unter anderem das Flusswasser verschmutzt und die Böden verseucht hat.

Alternative zum russischen Gas: Gas aus Afrika

Schon jetzt haben Länder angekündigt, die Konferenz auch dafür zu nutzen, zum Beispiel Gasförderung auf dem afrikanischen Kontinent voranzutreiben, als Alternative zum russischem Gas. Die Afrikanische Union hat sich dafür ausgesprochen, Länder wie Deutschland zeigen Interesse. Umweltaktivistinnen und -aktivisten bereitet dies Sorge: „Wir sehen einen erneuten Wettlauf um Afrika“, sagt Fokwa Tsafack. Rohstoffförderung habe bisher nur zu mehr Konflikten und Korruption geführt und vielen Teilen der Welt genutzt, nicht aber den Menschen in Afrika.

Der Ausbau nachhaltiger Energie sei hingegen dringend nötig, gerne auch in Kooperation mit Investorinnen und Investoren aus Ländern, die mehr Geld zur Verfügung haben, sagt die Greenpeace-Sprecherin. Länder wie Kenia sieht sie als gutes Beispiel. Präsident William Ruto hat gerade sein Versprechen bestärkt, bis 2030 die gesamte Versorgung aus erneuerbaren Energiequellen zu speisen. Schon jetzt stammt etwa 80 Prozent des Stroms aus Erdwärme, Wasser- und Windkraft sowie Sonnenenergie. Zum Teil wurde deren Ausbau bereits mit Krediten und Investitionen aus Europa ermöglicht.

Nicht vom Gelder reicher Länder leiten lassen

Fokwa Tsafack wünscht sich mehr positive, eigenständige Initiativen und gute Führung von den afrikanischen Staatschefs. Sie sollten sich gerade bei internationalen Verhandlungen nicht vom Geld und den Bedürfnissen der reichen Länder leiten lassen, sondern den Interessen ihrer Bürgerinnen und Bürger gerecht werden.

„Wir hoffen, dass alle Beteiligten der COP mit dem gleichen Engagement an den Verhandlungstisch gehen, damit wir unser Netto-Null-Ziel bis 2050 erreichen“, sagt Fokwa Tsafack. Zuversichtlich stimmen sie vor allem Gemeinschaften, die sich aktiv vor Ort gegen Projekte einsetzen, die ihnen schaden. So wie Einwohner der Insel Lamu vor der kenianischen Küste, die sich 2019 erfolgreich gegen den Bau eines Kohlekraftwerks gewehrt haben. (epd/mig)

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