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Leeres portemonnaie © 123rf.com

Amtliche Statistik

Rentner ohne deutschen Pass deutlich öfter auf Grundsicherung angewiesen

Armut im Alter ist eine Frage des Passes und des Geschlechts, wie Zahlen des Statistikamtes zeigen: Rentenbezieher mit deutscher Staatsbürgerschaft erhalten deutlich seltener Grundsicherung im Alter als Rentner ohne deutschen Pass. Auch Frauen sind öfter von Armut betroffen. Immer mehr Rentner müssen im Alter arbeiten.

Donnerstag, 29.09.2022, 14:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 29.09.2022, 13:11 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Millionen Rentner haben Ende vergangenen Jahres ein monatliches Nettoeinkommen von unter 1.000 Euro bekommen. Das Statistische Bundesamt bezifferte die absolute Zahl am Donnerstag in Wiesbaden auf 4,9 Millionen. Damit erhielten 27,8 Prozent aller 17,6 Millionen Menschen, die eine Altersrente bezögen, ein geringes Einkommen. Zugleich belegen die Zahlen der Statistikbehörde, dass Armut vor allem ein weibliches Problem ist: Während 38,2 Prozent der Rentnerinnen von weniger als 1.000 Euro im Monat lebten, seien es bei den männlichen Empfängern nur 14,7 Prozent.

Weit mehr als eine halbe Million alter Menschen ist den Angaben zufolge auf staatliche Unterstützung angewiesen. 589.000 Rentner hätten im Dezember vergangenen Jahres Grundsicherung im Alter erhalten. Ein Jahr zuvor seien es noch 564.000 gewesen. Der prozentuale Anteil bleibe angesichts einer insgesamt steigenden Zahl von Rentenbeziehenden stabil bei 3,4 Prozent.

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Nichtdeutsche Rentner vielfach öfter auf Grundsicherung angewiesen

Deutliche Unterschiede gebe es bei der Nationalität des Empfängerkreises: Während 2,6 Prozent der deutschen Rentenbezieher Grundsicherung erhielten, seien es unter in Deutschland lebenden Rentnern ohne deutschen Pass 17,5 Prozent. Zudem gebe es deutliche regionale Unterschiede: In den westdeutschen Bundesländern liege die Quote bei 3,7 Prozent, in den ostdeutschen lediglich 2,2 Prozent.

Für immer mehr Über-65-Jährige sei Erwerbstätigkeit eine wichtige Geldquelle, hieß es weiter. Im Jahr 2021 hätten 12,9 Prozent der 65- bis Unter-75-Jährigen gearbeitet, zehn Jahre zuvor seien es noch 7,0 Prozent gewesen. Eine knappe Mehrheit von 55,9 Prozent betrachte das so erzielte Einkommen als Zuverdienst. Für 40,8 Prozent sei die Erwerbsarbeit im Rentenalter hingegen die hauptsächliche Quelle des Lebensunterhalts.

Zunehmende Berufsarbeit im Alter gegen Armut

Das Bundesamt erklärte den Trend zur Berufsarbeit im Alter unter anderem mit dem schrittweisen Anheben des Renteneintrittsalters: Seit 2012 und noch bis 2031 steige es stufenweise von 65 auf 67 Jahre. Doch Arbeiten im Rentenalter könne auch „bedeuten, einer drohenden Altersarmut entgegenzuwirken, den Lebensstandard zu verbessern oder länger aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben“. Typische Vertreter dieser Gruppe seien Männer mit Hochschulabschluss.

Nicht zuletzt liefert das Statistikamt Zahlen, die den demografischen Wandel belegen: In Deutschland lebten immer mehr ältere Menschen, sowohl in absoluten Zahlen als auch relativ. 18,4 Millionen Menschen waren Ende 2021 mindestens 65 Jahre alt, ein Jahrzehnt zuvor waren es noch 16,6 Millionen. Der Anteil der Generation 65 plus stieg von 20,7 Prozent im Jahr 2011 auf 22,1 Prozent Ende vergangenen Jahres. (epd/mig)

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