Srebrenica, Gedenkstätte, Bosnien, Herzegowina, Krieg, Genozid
Gedenkstätte in Srebrenica/Bosnien-Herzegowina © 123rf.com

Oase des Friedens

Wiedererrichtung eines Dorfes bei Srebrenica

An dem Schreckensort Srebrenica entsteht ein Öko- und Friedensdorf. Ehrenamtliche Helfer des Internationalen Bauordens packen dabei kräftig mit an. „Ekometa“ soll auch nachhaltigen Tourismus an den Schauplatz eines Massakers im Bosnienkrieg bringen.

Von Donnerstag, 15.09.2022, 20:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 15.09.2022, 15:47 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Sie haben Steine geschleppt, Bäume gesägt, Hütten mit Holz und Mörtel in Fachwerkbauweise errichtet, mit Flusssteinen Wege gebaut. Carmina Friedl (20) aus Darmstadt und Jenny Unger (43) aus München haben im August zwei Wochen lang kräftig zugepackt: Sie halfen beim Wiederaufbau eines zerstörten und unbewohnten Dorfes in der Nähe der bosnischen Stadt Srebrenica mit. In Kasapic, in einem malerischen Flusstal, entsteht das Öko- und Friedensdorf „Ekometa“ – als Mahnung für Frieden und als Ort für nachhaltigen Tourismus.

Dort, wo sich vor 25 Jahren während des Bosnienkrieges der größte Völkermord in Europa nach 1945 ereignete, soll eine „Oase des Friedens“ entstehen. „Oaza Mira – City of Hope“ heißt das Projekt, das auf die Initiative junger Überlebender aus dem Umfeld der bosnischen Naturfreunde zurückgeht. Ziel ist es, den Aufbau einer friedlichen Gemeinschaft in der unter den Folgen des Bürgerkrieges noch immer leidenden Region zu fördern. Mehr als 8.000 Menschen, vor allem Männer und Jungen, wurden 1995 von serbischen Nationalisten in Srebrenica ermordet, viele Dörfer dem Erdboden gleichgemacht.

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Der Internationale Bauorden mit Sitz in Ludwigshafen unterstützt in diesem Sommer mit zwei jeweils zweiwöchigen Baucamps den Wiederaufbau in dem 15 Kilometer entfernten Dorf: Öko-Touristen und Einheimische sollen dort zukünftig die schöne Natur erleben und mit anderen Menschen friedlich zusammenkommen können. „Wir wollen mit unserer Mithilfe auch ein Zeichen der Hoffnung und Versöhnung setzen“, sagt Peter Runck, der Geschäftsführer des Bauordens. Die Organisation unterstützt europaweit soziale und gemeinnützige Einrichtungen bei Bau- und Renovierungsarbeiten und engagiert sich in der Erinnerungsarbeit.

Traditionell bosnische Handwerkskunst

In traditioneller bosnischer Handwerkskunst arbeiten in Kasapic unter Anleitung meist junge Ehrenamtliche aus ganz Europa mit. Neben dem Bau von Holzhäusern im Blockhüttenstil sollen auch eine Wassermühle, eine Holzbrücke und ein Haus für Jugendgruppen entstehen. Die erste Gruppe mit elf Bauorden-Helfern im Alter von 19 bis 63 Jahren aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Belgien hat nun ihren Einsatz beendet.

„Es war ein gutes Gefühlt mitzuarbeiten und zu sehen, wie etwas wächst“, sagt Jenny Unger und lobt besonders die bosnische Gastfreundschaft. Die zukünftigen Besucherinnen und Besuchern von „Ekometa“ sollten Spaß an einem naturnahen Leben haben. Leicht war die harte körperliche Arbeit auf dem matschigen Untergrund nicht, erzählt Unger. Erschwert wurde sie zudem durch die Materialknappheit und höhere Kosten für Baumaterial aufgrund des Ukrainekrieges.

Srebrenica in Erinnerung

„Das Projekt verschafft der Region eine Perspektive“, ist Carmina Friedl überzeugt. Auch könnten Reisende in dem Öko- und Friedensdorf mehr über die Geschichte von Bosnien und Herzegowina lernen. In Erinnerung wird der Studentin auch der Besuch der Gedenkstätte für die Opfer des Massakers in Srebrenica bleiben.

Für Alfred Schwarz, 63, war das Baucamp „eine große Bereicherung mit vielen positiven Erfahrungen und Erlebnissen“. Die Menschen in Srebrenica seien trotz ihrer schwierigen Lebensbedingungen äußerst freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit. Das Arbeiten Hand in Hand mit den Baucamp-Teilnehmenden aus verschiedenen Ländern habe gut funktioniert und sei oft lustig gewesen, berichtet der Österreicher: „Wir waren eine bunte Mischung.“ (epd/mig)

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