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Klassenraum © 123rf.com

Länderumfrage

Nicht alle Kinder aus der Ukraine haben bislang einen Schulplatz

Vor allem Frauen, Kinder und Jugendliche sind aus der Ukraine geflohen. In einigen Bundesländern gibt es Probleme, allen einen Schulplatz zu bieten. Die Gewerkschaft GEW sagt: Der Personalmangel an Schulen ist eine große Hürde bei der Integration.

Sonntag, 04.09.2022, 15:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 04.09.2022, 10:58 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Die vielen aus der Ukraine geflohenen Kinder und Jugendlichen stellen zumindest einige Länder zum Schuljahresbeginn vor Probleme. Wie eine Umfrage des „Evangelischen Pressedienstes“ unter den zuständigen Ministerien ergab, konnten mindestens in drei Ländern noch nicht alle Schüler untergebracht werden.

Nach Angaben der Kultusministerkonferenz sind bis Ende vergangener Woche mehr als 163.000 Ukrainer an allgemein- oder berufsbildenden Schulen aufgenommen worden, die meisten in den bevölkerungsreichsten Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

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Zugleich waren bis Mitte August mehr als 350.000 unter 18-jährige Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine im Ausländerzentralregister gemeldet. Selbst wenn von ihnen viele weiter- oder zurückgereist sind, dürfte es eine Lücke zu den Schülerzahlen geben. Offen räumen das aber nur wenige Länder ein.

Tausende Schüler noch ohne Schulplatz

In Nordrhein-Westfalen, wo schon Anfang August die Schule wieder begonnen hatte, sind etwa rund 32.800 Schüler aus der Ukraine an einer Bildungseinrichtung untergebracht. Mehr als 2.100 Kindern und Jugendlichen habe aber noch kein Schulplatz zugewiesen werden können, hieß es aus dem Schulministerium. Zusätzlich rund 900 Kinder und Jugendliche warteten noch auf ein Beratungsgespräch.

In Sachsen sind nach Auskunft des dortigen Kultusministeriums von rund 10.000 gemeldeten Schülern 9.000 zugewiesen. In Thüringen hieß es, dass bis zu 2.600 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine schulpflichtig seien, bei denen die teils komplizierten Verfahren noch nicht abgeschlossen seien.

Keine freien Plätze mehr in Schulen

Aus Hamburg hieß es, viele Schulen hätten keine freien Plätze mehr, sodass nicht immer ein Schulplatz in unmittelbarer Nähe des Wohnorts angeboten werden könne. In Berlin, wo Betroffene zumindest vor den Sommerferien ebenfalls von Problemen bei der Vermittlung eines Schulplatzes berichteten, hat die Senatsverwaltung nach eigenen Angaben keine Daten zu fehlenden Schulplätzen. Sie verwies auf die Bezirksämter und sprach von einer „logistischen Herausforderung“, der sich Schulen, Ämter und Verwaltung „gut und solidarisch“ gestellt hätten.

Andere Bundesländer verneinen die Frage, ob es Wartelisten für ukrainische Schüler gibt, darunter Rheinland-Pfalz, Hessen und Schleswig-Holstein. Das niedersächsische Kultusministerium erklärte, die Unterbringung ukrainischer Kinder und Jugendlichen gestalte sich nach bisherigen Erfahrungen „weitgehend unproblematisch und geräuschlos“. Andere Ministerien weichen der Frage aus, indem sie auf die Schulpflicht verweisen, die auch für geflüchtete Kinder und Jugendliche spätestens nach einer gewissen Übergangszeit gilt. Brandenburg ließ die Fragen unbeantwortet.

Sprachunterricht in speziellen Klassen

In vielen Bundesländern kommen ukrainische Schüler zunächst in spezielle Klassen und bekommen insbesondere Sprachunterricht. Größtes Problem für die Schulen ist nach Darstellung vieler Bundesländer die Gewinnung von zusätzlichem Personal, das oftmals ohnehin schon knapp war. Aus Bayern hieß es, es gebe eine große Solidarität, die dazu führe, dass Stammlehrkräfte ihre Teilzeit aufstocken und auch Pensionisten Stunden geben.

Der Personalmangel an den Schulen wird nach Einschätzung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu einer großen Hürde bei der schulischen Integration von Schülern aus der Ukraine. „Es ist ein Armutszeugnis, dass schon vor der Ukrainekrise die Unterrichtsversorgung der Schülerinnen und Schüler nicht ausreichend war“, sagte Anja Bensinger-Stolze vom GEW-Hauptvorstand dem „Evangelischen Pressedienst“. Es fehle nicht nur an Lehrkräften für die schätzungsweise mindestens 165.000 Neuankömmlinge, sondern auch an Schulsozialarbeitern und -psychologen. (epd/mig)

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