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Handvoll Getreide © de.depositphotos.com

Welthungerhilfe

Kampf gegen Hunger ist Frage politischen Willens

Hungerkrisen sind längst nicht mehr auf einzelne Länder und Phasen begrenzt. Hungerkrisen weiten sich weltweit aus - und zwar dramatisch, warnt die Welthungerhilfe. Die schlechte Lage werde verschärft durch Russlands Krieg gegen die Ukraine.

Dienstag, 12.07.2022, 15:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 12.07.2022, 13:43 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Die Welthungerhilfe warnt vor einer dramatischen Ausweitung der weltweiten Hungerkrisen. Gleichzeitig kann die Hilfsorganisation das höchste Spendenergebnis ihrer 60-jährigen Geschichte verzeichnen. Präsidentin Marlehn Thieme wies am Dienstag vor Journalisten in Berlin darauf hin, dass Nahrungsmittel- und Transportpreise drastisch anstiegen. „Zu den wichtigsten Hungertreibern gehörten Kriege und Konflikte sowie die Folgen des Klimawandels und der Corona-Pandemie.“ Der Krieg gegen die Ukraine verschärfe die ohnehin dramatische Ernährungslage. Bis zu 828 Millionen Menschen sind nach aktuellen UN-Berichten chronisch unterernährt.

Präsidentin Thieme dankte den privaten Spendern in Deutschland. 77,5 Millionen Spenden erhielt die Welthungerhilfe im Jahr 2021 (2020: 69,6 Millionen) und konnte mehr als 16 Millionen Menschen unterstützen. „Auch die internationale Politik hat die Notwendigkeit des Einsatzes gegen den Hunger begriffen“, sagte Thieme und erwähnte die vom G7-Gipfel in Elmau zugesagten 4,5 Milliarden Dollar. Dies sei ein erster Schritt, der aber bei weitem nicht ausreiche. Um den Hunger strukturell und nachhaltig zu bekämpfen, seien weitere 40 Milliarden Dollar notwendig. Sie appellierte an die Bundesregierung, im Haushalt 2023 den Kampf gegen den Hunger angemessen zu berücksichtigen.

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Eine Frage des politischen Willens

„Wir sind nach wie vor überzeugt, dass der Hunger in der Welt besiegt werden kann. Es ist eine Frage des politischen Willens“, sagte die Präsidentin. Wenn, so wie jetzt durch Russland im Krieg gegen die Ukraine, der Hunger als Waffe eingesetzt werde, „dann führt uns das in mittelalterliche Zustände zurück“.

Unterdessen warf auch Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor, die Versorgung mit Nahrungsmitteln im Ukraine-Konflikt für strategische Zwecke zu unterbinden. „Man sieht, dass Putin Hunger als Kriegswaffe nutzt, dass er ganz bewusst die Häfen in der Ukraine bombardiert, sodass der Weizen nicht ausgeliefert werden kann“, sagte sie am Dienstag im RBB-Inforadio. Um die aktuelle Hungerkrise zu bekämpfen, brauche die Welthungerhilfe mehr Geld, betonte Schulze vor dem Hintergrund des am Dienstag veröffentlichten Jahresberichts der Hilfsorganisation.

Lage im Südsudan dramatisch

Der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Mathias Mogge, betonte die Zusammenarbeit der Organisation mit Partnern weltweit. 255 lokale Partnerorganisationen kooperierten vor Ort in 526 Projekten in 36 Ländern. Besonders dramatisch sei die Lage im Südsudan, wo sich sieben Millionen Menschen in einer akuten Hungerkrise befänden. Davon hätten 1,7 Millionen aus den Förderprogrammen herausgenommen werden müssen, weil es an Geld fehle.

Als hoffnungsvolles Beispiel für den Kampf gegen die strukturellen Ursachen des Hungers nannte der Generalsekretär eine App für Kleinbauern in Uganda und Simbabwe, mit deren Hilfe sie gegenseitig Maschinen verleihen, Arbeitskräfte bekommen und vermitteln sowie Land pachten oder zur Verpachtung anbieten können. Diese „angepasste, günstige Lösung“ helfe, die Landwirtschaft auch bei Jüngeren wieder attraktiv zu machen und eine Abwanderung in die Städte zu verhindern.

310 Millionen Euro

Im Jahr 2021 standen der Welthungerhilfe insgesamt 310 Millionen Euro zur Verfügung. Die öffentlichen Geber stellten 229,4 Millionen Euro für die Projektarbeit bereit. Der Anteil der Bundesregierung betrug knapp 50 Prozent, der größte Einzelgeber davon war das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit 56,7 Millionen Euro.

Die Welthungerhilfe wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. Sie ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland und politisch und konfessionell unabhängig. Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Grundprinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. (epd/mig)

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