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Die Fahne von Burundi © Seeds Scholars @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Der Ruf nach Hause

Burundi drängt verstärkt auf die Rückführung von Flüchtlingen

Seit 2020 gibt es verstärkte Bemühungen, burundische Flüchtlinge aus den Nachbarländern wieder nach Burundi zu holen. Insbesondere für politische Flüchtlinge ist dies jedoch ein Risiko.

Von Mittwoch, 11.05.2022, 17:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 11.05.2022, 13:24 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Seit ein paar Wochen ist Aimé zurück. Der 32-Jährige lebte bis vor kurzem in einem Flüchtlingslager in Tansania – nun sucht er sein Glück wieder in Burundi. Sein Heimatland in Ostafrika ist in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder von Gewalt erschüttert worden. Allein in der tansanischen Region Kigoma, nahe der burundischen Grenze, leben laut Human Rights Watch mehr als 150.000 burundische Flüchtlinge. Aimé war einer von ihnen.

Der Krankenpfleger, der nicht möchte, dass sein richtiger Name genannt wird, verließ das Land, als nach der umstrittenen Präsidentenwahl 2015 erneut Gewalt ausbrach. Die Sorge vor weiteren Eskalationen, die Hoffnung auf eine berufliche Chance nach dem Studium und die schmerzhaften Erinnerungen an vergangene Massaker hätten ihn dazu bewogen. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass sie uns dort nicht wollen“, erzählt er und berichtet von Misshandlungen und Ausbeutung in Tansania. Nach sechs Jahren im Flüchtlingslager ohne Perspektiven ist er nun zurück.

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Rückkehr ins Flüchtlingslager unvorstellbar

Aimé gilt als sogenannter spontaner Rückkehrer. Jemand, der selbstständig, ohne institutionelle Hilfe zurückgekehrt ist. Wie viele, die 2015 gegangen sind, sieht er sich nun Drohungen ausgesetzt. Denn wer damals geflohen ist, wird heute von der Jugendorganisation der Regierungspartei, den Imbonerakure, beschuldigt, die Wahlen von 2015 nicht anzuerkennen. „Mir ist vorgeworfen worden, dass ich ein Verräter bin“, erzählt er. Er fühle sich müde, von den Strapazen der Flucht und des mühsamen Lebens in den Flüchtlingslagern, müde auch von dem Gefühl, nicht willkommen zu sein.

In dem Viertel in der Hauptstadt Bujumbura, wo er nun wohnt, weiß niemand um seine Geschichte. „Ich habe niemandem erzählt, dass ich gerade aus Tansania gekommen bin. Ansonsten stehen die Imbonerakure wieder vor der Tür“, sagt Aimé. Seine Angst vor Repressalien und Schikanen ist groß. Dennoch will er in Burundi bleiben, eine Rückkehr in die Flüchtlingslager kann er sich nicht vorstellen. Ohne die Möglichkeit, dort legal zu arbeiten, gibt es für ihn, wie für so viele andere, in Tansania keine Perspektive. Rückkehrer berichten außerdem von extremem Druck durch die tansanischen Behörden auf die Flüchtlinge, das Land wieder zu verlassen.

Risiko für politische Flüchtlinge

Zugleich drängt die burundische Regierung seit der Amtsübernahme von Präsident Evariste Ndayishimiye 2020 im Ausland lebende Burundier verstärkt zur Rückkehr. Mit den vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR koordinierten freiwilligen Rückführungen kann sich Burundi nach außen als stabil und sicher präsentieren. Doch besonders für politische Flüchtlinge ist die Rückkehr ein großes Risiko. Denn die Menschenrechtslage in dem ostafrikanischen Land ist weiter schwierig.

Auch Consolée berichtet von massivem Druck durch die Behörden, so dass sie sich mit ihren sechs Kindern zu einer Rückkehr mithilfe des UNHCR entschloss. Laut dem UN-Hilfswerk werden Rückführungen nur dann unterstützt, wenn sie sicher und unter Wahrung der Menschenrechte erfolgen und von den Geflüchteten gewünscht werden.

Schwierige Rückkehr

„Bei Befragungen, die das UNHCR derzeit vor Ort durchführt, werden von Flüchtlingen am häufigsten Familienzusammenführung, Aussicht auf eine bessere Hochschulbildung sowie eine verbesserte Sicherheitslage in Burundi als Gründe für eine freiwillige Rückkehr genannt“, teilte die Organisation auf Anfrage mit. „Politische Entwicklungen im jeweiligen Aufnahmeland und/oder die Wahrnehmung, nicht willkommen zu sein, spielen sicherlich auch eine Rolle für individuelle Rückkehrabsichten von Flüchtlingen.“ Dabei stehe jedoch durchgehend der Aspekt der Freiwilligkeit im Vordergrund.

Mittlerweile gehen Consolées Kinder in der ostburundischen Provinz Ruyigi zur Schule. Sie hätten sich gut integriert, doch die Anfangsmonate seien schwer gewesen, sagt die Mutter. Während die Schüler in den Flüchtlingslagern Tansanias zwar einem burundischen Lehrplan folgen, fehlt es oft an Material und der entsprechenden Ausbildung der Lehrer. Viele Kinder haben bei der Rückkehr nach Burundi Schwierigkeiten, sich in den Unterricht einzufügen. Als Teil einer organisierten Rückführung hätten ihre Kinder immerhin direkt zur Schule gehen können, berichtet Consolée. Trotz allem sei ihre Rückkehr bislang gut verlaufen, sagt sie. Für Aimé dagegen sieht die Zukunft noch deutlich ungewisser aus. (epd/mig)

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