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Trauerfeier (Symbolfoto) © joaph @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Nach Neonazi-Beerdigung

Gedenkort für jüdischstämmigen Musikwissenschaftler Max Friedlaender

Das Entsetzen war groß, als vor einem halben Jahr bekannt wurde, dass bei Berlin ein Neonazi im Grab eines jüdischstämmigen Musikwissenschaftlers beigesetzt wurde. Nun hat die evangelische Landeskirche auf dem Friedhof einen Gedenkort geschaffen.

Dienstag, 03.05.2022, 16:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 03.05.2022, 14:45 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Rund ein halbes Jahr nach der umstrittenen Beisetzung eines Neonazis im früheren Grab des jüdischstämmigen Musikwissenschaftlers Max Friedlaender hat die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz einen Gedenkort eingeweiht. Auf Deutschlands zweitgrößtem Friedhof erinnert jetzt eine Gedenktafel neben dem neu aufgestellten Grabstein an Leben und Werk Friedlaenders (1852-1934), wie die Landeskirche am Dienstag mitteilte.

Bei der Einweihung auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf am Montag waren neben dem Berliner evangelischen Bischof Christian Stäblein auch Angehörige der Familie und Nachfahren Friedlaenders dabei. Im vergangenen Oktober hatte die Urnenbeisetzung eines Neonazis in seinem früheren Grab für Schlagzeilen gesorgt. Die Landeskirche plante daraufhin einen Gedenkort. Von einer Umbettung der Urne des Rechtsextremisten Henry Hafenmayer wurde abgesehen.

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Mit der historischen Aufarbeitung war das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien in Potsdam von der Landeskirche beauftragt worden. Auf dessen Vorschlag sei der Historiker Thomas Irmer mit der Erforschung des Lebens von Friedlaender betraut worden, teilte die Landeskirche weiter mit. Eine Gruppe von Expertinnen und Experten begleite diese Arbeit, die fortgeführt werde.

Dank an die Familie

Zusätzlich sei eine Veranstaltung geplant, in der die bedeutende Leistung Friedlaenders als Musikwissenschaftler analysiert werden solle, hieß es. Friedlaender war jüdischer Herkunft und trat 1894 zum Protestantismus über. Er starb am 2. Mai 1934 in Berlin.

Bischof Stäblein bedankte sich bei der Familie des Musikwissenschaftlers: „Sie haben mit uns die Versetzung des Grabsteins bedacht und entschieden; ebenso das Aufstellen der Gedenktafel zu seinem Gedenken.“ Die Familie wandte sich gegen eine Vereinnahmung des Verstorbenen „als Projektionsfläche durch verschiedene Seiten“. Die mit der Landeskirche gemeinsam geplante Schaffung des Gedenkortes sei „geprägt vom Leitgedanken der Befriedung und Versöhnung für alle Seiten“.

Von Ämtern verdrängt

Der Konzertsänger und Musikwissenschaftler Friedlaender wurde 1852 in Brieg in Schlesien geboren, das heute zu Polen gehört. Nach einem Gesangsstudium in London und Frankfurt am Main studierte er in Berlin Musikwissenschaft. Nach kurzer Lehrtätigkeit in den USA gründete er 1917 das Berliner Deutsche Volksliedarchiv. Wegen seiner jüdischen Abstammung wurde er von den Nationalsozialisten aus seinen Ämtern verdrängt, obwohl er noch 1933 eine „Hymne an Deutschland“ veröffentlicht hatte, die als vaterländische Komposition galt.

Der mehr als 200 Hektar große Südwestkirchhof liegt am südlichen Berliner Stadtrand in Brandenburg und ist der größte evangelische Friedhof in Deutschland. Er gehört zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und ist als Landschaftsdenkmal geschützt. (epd/mig)

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