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Jüdischer Friedhof in Worms (Symbolfoto) © Dirk Weßner @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Kränze in Reichsfarben

Neonazi in ehemals jüdischer Grabstätte bestattet

Ein Neonazi wurde in der Grabstelle eines jüdischen Wissenschaftlers beigesetzt. An der Beisetzung nahmen zahlreiche Neonazi-Größen teil. Die Evangelische Kirche, die die Friedhofsleitung innehat, prüfe „diesen Fehler“ derzeit.

Dienstag, 12.10.2021, 5:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 11.10.2021, 17:34 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Ein Neonazi und Holocaust-Leugner ist auf dem evangelischen Südwestkirchhof in Stahnsdorf bei Berlin in einer ehemals jüdischen Grabstätte bestattet worden. Der im August gestorbene Rechtsextremist Henry Hafenmayer wurde am Freitag in der Grabstelle des jüdischen Musikwissenschaftlers Max Friedlaender (1852-1934) beigesetzt, bestätigte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) als Trägerin des Friedhofs dem „Evangelischen Pressedienst“ am Montag.

Zuerst hatten die Informationsdienste „blick nach rechts“ und „Recherchenetzwerk Berlin“ darüber berichtet. Laut dem „Recherchenetzwerk Berlin“, das zahlreiche Fotos zum Thema ins Netz gestellt hat, nahmen an der Beisetzung des aus Oberhausen stammenden Hafenmayer zahlreiche Neonazi-Größen und Rechtsextremisten teil, darunter der Neonazi Horst Mahler, der wegen Volksverhetzung lange Jahre inhaftiert war.

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Unter den Trauergästen waren zudem der Neonazi-Aktivist und langjährige NPD-Kader Thomas Wulff, der rechte Blogger Nikolai Nerling alias „Der Volkslehrer“ und Dennis Ingo Schulz, ein mehrfach vorbestrafter sogenannter Reichsbürger. Fotos von der Grabstelle zeigen Kränze mit Grabschleifen in den Reichsfarben und aufgedruckten eisernen Kreuzen.

„Diesen Fehler prüfen wir zurzeit“

Laut Landeskirche war die Beisetzung Hafenmayers ohne evangelische Begleitung. Die Entscheidung, die Anfrage nach einer Grabstätte nicht abzulehnen, sei im Konsistorium der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) getroffen worden, hieß es. Leitend sei dabei im Grundsatz, dass jeder Mensch ein Anrecht auf eine letzte Ruhestätte habe.

Der erste Grabstättenwunsch sei von der Friedhofsleitung abgelehnt worden, trotzdem sei auch die Auswahl der ehemaligen Grabstätte Max Friedlaenders ein Fehler. „Diesen Fehler prüfen wir zurzeit“, erklärte die Landeskirche. Der Grund für die Wahl dieser Grabstätte ist ein Patenschaftsverhältnis.

Deutschlands größter evangelischer Friedhof

Auf dem Friedhof besteht seit einigen Jahren die Möglichkeit, Patenschaftsverträge für historische Grabstätten abzuschließen. Die Kosten für die Instandhaltung und Pflege der historischen Grabmale übernehmen die Paten. Der Pate erwirbt im Gegenzug das Recht, Beisetzungen auf der ausgewählten Grabstätte vornehmen zu lassen. Im Bestattungsfall kann zudem im Rahmen der denkmalschutzrechtlichen Bestimmungen der Name des Verstorbenen neu an der Grabstätte angebracht werden.

Der mehr als 200 Hektar große Stahnsdorfer Südwestkirchhof wurde 1909 eröffnet und ist Deutschlands größter evangelischer Friedhof. Die als Landschaftsdenkmal geschützte Begräbnisstätte liegt in Brandenburg in der Nähe von Potsdam und Berlin. In Stahnsdorf sind zahlreiche Prominente bestattet, darunter die Künstler Lovis Corinth und Heinrich Zille, der Komponist Engelbert Humperdinck und der Schauspieler Manfred Krug. (epd/mig)

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