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Mann liest Zeitung © anjči auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

DeZIM-Auswertung

Ältere Migranten oft ärmer und gesundheitlich benachteiligt

Die Gruppe der älteren Menschen mit Migrationserfahrung wächst und wird bedeutender. Dennoch gibt es große Forschungslücken. So viel steht fest: Ältere Migranten sind oft ärmer, gesundheitlich benachteiligt und trotzdem nicht unglücklicher.

Sonntag, 10.04.2022, 19:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 10.04.2022, 7:59 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Ältere Migranten erhalten häufig eine niedrigere Rente als Gleichaltrige ohne Migrationserfahrung. Sie sind stärker von Armut bedroht, und oft sind sie auch gesundheitlich benachteiligt. Das gilt für die „Gastarbeitergeneration“ noch mehr als für (Spät-)Aussiedler. Und dennoch sind Migranten im Alter mit ihrem Leben nicht weniger zufrieden als ihre Altersgenossen ohne Migrationshintergrund. Das geht aus Studien über die Lebenssituation älterer Menschen mit Zuwanderungsgeschichte hervor, die das Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) zusammengefasst und veröffentlicht hat.

Danach sind Migranten in Deutschland im Durchschnitt deutlich jünger als die Bevölkerung ohne Migrationsgeschichte. Doch auch diese Gruppe werde älter. Entsprechend wächst der Anteil älterer Menschen mit Einwanderungsgeschichte an der deutschen Bevölkerung. Waren im Jahr 2010 noch rund 1,4 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland über 65 Jahre alt, so waren es den Angaben zufolge im Jahr 2020 bereits 2,2 Millionen. Damit machten sie zu diesem Zeitpunkt 12,8 Prozent der über 65-jährigen Bevölkerung aus. Bei den meisten von ihnen handele es sich um Einwanderer der ersten Generation.

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Obwohl diese Gruppe durch die steigende Zahl immer bedeutender werde für Politik und Gesellschaft, sei über sie aufgrund von Forschungslücken wenig bekannt, mahnt Susanne Bartig vom DeZIM-Institut. Studien zu älteren Migranten seien zudem „häufig defizitorientiert“, ergänzt die Leiterin der DeZIM-Abteilung Migration, Magdalena Nowicka. Das spiegele jedoch nicht die Vielfalt dieser Menschen wider. „Wir sollten die Potenziale älterer Menschen mit Migrationsgeschichte stärker in den Blick nehmen. Denn diese verfügen häufig über spezifische Ressourcen: Sie erfahren häufig familiäre Unterstützung, über Generationen und nicht selten sogar über Landesgrenzen hinweg“, so Nowicka weiter.

Expertin fordert: Gesundheitssystem ausrichten

Die Expertinnen fordern mehr wissenschaftliche Forschung, um dieser Vielfalt und diesen Lebenswelten stärker gerecht zu werden. Ihre konkrete Situation hänge von einer Vielzahl von Faktoren ab – darunter der Zuwanderungsgeschichte, dem Geburtsland, der Aufenthaltsdauer und dem rechtlichen Aufenthaltsstatus sowie von Diskriminierungs- und Ausgrenzungserfahrungen. Die Menschen seien auch im Alter mobil. Manche kehrten in ihr Herkunftsland zurück. Andere seien erst im Alter ihren Kindern nach Deutschland gefolgt. Senioren, die es sich leisten können, pendelten zwischen Deutschland und dem Herkunftsland hin- und her.

Auf die wachsende kulturelle, religiöse und sprachliche Vielfalt sollten die Leistungen des Gesundheitssystems ausgerichtet werden. „Denn allein die Zahl der über 60-jährigen Menschen mit Migrationshintergrund, die der Pflege bedürfen, wird sich Schätzungen zufolge zwischen 2013 und 2030 verdoppeln“, mahnt Nowicka. (mig)

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