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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Internationale Tag der Roma

Steinmeier bittet um Vergebung für Ausgrenzung von Sinti und Roma

Bundespräsident Steinmeier hat zum Kampf gegen Antiziganismus aufgerufen. Der neue Antiziganismus-Beauftragte Daimagüler warnt vor anhaltender Diskriminierung. Grüne fordern Gleichbehandlung von flüchtenden Roma aus der Ukraine.

Donnerstag, 07.04.2022, 19:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 08.04.2022, 5:13 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Bürger zum Kampf gegen Antiziganismus, Antisemitismus und Rassismus aufgerufen. In einer Videobotschaft an den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma zu dessen Gründung vor 40 Jahren sagte Steinmeier, auch heute noch erlebten Sinti und Roma Diskriminierung und Ausgrenzung in Deutschland.

„Wir müssen dafür sorgen, dass die Geschichten der verfolgten Sinti und Roma und ihrer Nachkommen lebendig bleiben, auch wenn es keine Zeitzeugen und Zeitzeuginnen mehr gibt, die davon berichten können“, mahnte Steinmeier. Er sei dankbar für das Engagement des Zentralrats, sagte er. Der Verband habe nicht zuletzt dafür gestritten, dass die NS-Verbrechen an Roma und Sinti als Völkermord anerkannt worden seien. Dem Völkermord fielen in Europa eine halbe Million Menschen zum Opfer.

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Daimagüler: Tief verwurzelter Hass

Steinmeier bat zudem um Vergebung für die erlittene Diskriminierung in der Nachkriegszeit. „Auch für dieses zweite Leid, das den Sinti und Roma in der Nachkriegszeit angetan wurde, will ich heute im Namen unseres Landes um Vergebung bitten.“

Der erste Antiziganismus-Beauftragte der Bundesregierung, Mehmet Daimagüler, betonte, dass Stereotype, Vorurteile, Herabwürdigungen, Ausgrenzungen und gewaltsame Übergriffe noch heute zum Alltag vieler Roma gehörten. 30 Jahre nach dem Kongress seien Roma immer noch Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt: „Auch in Deutschland sehen wir einen tief verwurzelten Hass auf diese Minderheit und erleben, dass Antiziganismus weit verbreitet ist“, so Daimagüler.

Polat: Keine Ungleichbehandlung von Roma aus der Ukraine

Tatsächlich sind Sinti und Roma bis heute massiver Benachteiligung ausgesetzt. So auch bei der Flucht aus der Ukraine. Grünen-Abgeordnete Filiz Polat etwa beklagt, dass seit Beginn des Kriegs Roma nicht nur unter ihrer Flucht, sondern auch unter einer massiven Ungleichbehandlung an den europäischen Grenzen und bei der Aufnahme in den Mitgliedstaaten leiden. „Viele dieser Menschen haben keine Ausweispapiere oder Reisepässe. Es ist zwingend erforderlich, Berichten von Diskriminierungen von Rom:nja umgehend nachzugehen“, fordert die Grünen-Politikerin.

„Deutschland trägt eine historische Verantwortung, da sich unter den Geflüchteten auch Holocaust-Überlebende und ihre Nachfahren befinden“, mahnt Polat. Es müsse außerdem sichergestellt werden, dass Überlebende des Holocaust schnellstmöglich aus der Ukraine evakuiert werden. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums wurden bisher 47 jüdische Holocaust-Überlebende aus der Ukraine aufgenommen. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) sprach in diesem Zusammenhang von einer „besonderen Verantwortung als Deutsche“.

Seit 1990 wird am 8. April auf die Diskriminierung und die Verfolgung der Roma aufmerksam gemacht. Am Aktionstag wird zudem an die Anfänge der Bürgerrechtsbewegung der Roma und den ersten Welt-Roma-Kongress erinnert, der am 8. April 1971 in London stattfand. (epd/mig)

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