Neonazis, Rechtsextremismus, Dresden, Demonstration, Rechtsterror
Neonazi-Demo in Dresden

Dresden

Gedenktag von Neonazi-Aufmarsch überschattet

Dresden gedenkt alljährlich der Opfer des Zweiten Weltkrieges. Überschattet wird der Gedenktag regelmäßig von Aufmärschen Rechtsextremer. Auch in diesem Jahr zogen bis zu 800 Neonazis durch die sächsische Landeshauptstadt.

Sonntag, 13.02.2022, 18:45 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 13.02.2022, 17:40 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

In Dresden ist am Sonntag mit mehreren Veranstaltungen an die Zerstörung der Stadt vor 77 Jahren erinnert worden. Der Kriegsgedenktag wurde auch in diesem Jahr von einem Aufmarsch von Rechtsextremisten überschattet. Beobachtern zufolge versammelten sich am Sonntagmittag zwischen 700 und 800 Personen der rechtsextremen Szene und zogen in die Innenstadt. Hunderte Gegendemonstranten unter anderem aus der linken Szene kamen an mehreren Orten entlang der Demonstrationsroute zusammen.

Zum Teil gelang ihnen Protest in Hör- und Sichtweite. Auch Sitzblockaden wurden versucht. Die Polizei löste sie jedoch auf. Mit einem Großaufgebot trennte sie die beiden Lager großräumig voneinander. Bis zum Mittag seien die Demonstrationen „ruhig und friedlich“ verlaufen, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Dresden dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zu den Teilnehmerzahlen wurden keine konkreten Angaben gemacht, es seien auf „beiden Seiten mehrere hundert Teilnehmende“, hieß es.

___STEADY_PAYWALL___

Laut Augenzeugenberichten trugen Rechtsextremisten bei dem Aufzug durch Dresden ein Banner mit der Aufschrift „Bombenholocaust“. Nach Einschätzung durch die zuständige Staatsanwaltschaft bestehe aber keine „strafrechtliche Relevanz“, twitterte die sächsische Polizei.

Erinnern für Vielfalt

Am Sonntagabend sollte in der Dresdner Innenstadt mit einer Menschenkette der Zerstörung der Stadt vor 77 Jahren gedacht werden. Rund 3.000 Teilnehmende wurden dazu erwartet. Der diesjährige Gedenktag stand unter der Überschrift „Erinnern für eine Zukunft des friedlichen Miteinanders in Vielfalt“. Unter anderem fand auch ein „Mahngang Täterspuren“ zu NS-Unrechtsorten statt.

Am 13. Februar 1945 wurde das historische Dresden bei einem Bombenangriff der Alliierten weitgehend zerstört. Wissenschaftlichen Schätzungen zufolge starben rund 25.000 Menschen. Jährlich am 13. Februar erinnert die Stadt an die Ereignisse im Zweiten Weltkrieg und gedenkt der Millionen Opfer des Nationalsozialismus. Seit Jahren instrumentalisiert die rechte Szene den Gedenktag für ihre Zwecke.

Ausländerfeindlichkeit entgegentreten

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) rief dazu auf, den Jahrestag der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg als Tag für Versöhnung zu begehen. „Besinnen wir uns darauf, dass wir in der Vergangenheit immer wieder Trennendes überwunden haben“, sagte Bas am Sonntag bei der Eröffnung der Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten in Berlin.

Der Gedenktag hatte am Vormittag mit einer Veranstaltung auf dem Dresdner Nordfriedhof und einem Gottesdienst in der Frauenkirche begonnen. Frauenkirchenpfarrer Markus Engelhardt betonte in seiner Predigt die Bedeutung von Bildung: „Was wir brauchen, ist mehr denn je solides Wissen über die Vergangenheit“, sagte der evangelische Theologe. Das sei wichtig, um einem Missbrauch von Geschichte sowie Ausländerfeindlichkeit entgegenzutreten. (epd/mig)

Aktuell Panorama
Zurück zur Startseite
UNTERSTÜTZE MiGAZIN! (mehr Informationen)

Wir informieren täglich über Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Um diese Qualität beizubehalten und den steigenden Ansprüchen an die Themen gerecht zu werden bitten wir dich um Unterstützung: Werde jetzt Mitglied!

MiGGLIED WERDEN
MiGLETTER (mehr Informationen)

Bestelle jetzt den kostenlosen MiGAZIN-Newsletter:

Auch interessant
MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)

  1. urbuerger sagt:

    Die Aussage des Pfarrers der Frauenkirche, Markus Engelhardt, stellt sehr klar dar, dass die geschichtliche Bildung in Deutschland extrem nachgelassen hat, so dass man seine Aussage nur bestätigen kann, es muss wieder mehr Bildung zu unserer Geschichte stattfinden, speziell zu der Geschichte der NSDAP und wie sie sich im Lande etablieren konnte, speziell mit welchen gewalttätigen Massnahmen, die denen der jetzigen Zeit stark âhneln!

    Ich bin Ende der 60iger bis Anfang der 80iger zur Schule und hatte damals das Schulfach Geschichte, was in den Jahren danach immer stärker aufgeweicht wurde, in dem die Unterrichtsfächer Sozialkunde, Geschichte und Werte und Normen zu einer 45 min Phrase zusammengefasst wurden, was wir noch als Einzelstunden hatten, quasi 3 Stunden in der Woche, in der übergreifend über die wichtigen Themen gesprochen wurde, die die Geschichte von der Gründung der NSDAP bis Kriegsende enthalten haben!

    Durch meine zweifache Patchworkfamilie habe ich 9 Kinder durch die Schule geführt, so dass ich mir anmaße, deutlich erklären zu können, dass es in den letzten 25 Jahren nicht mehr gewollt war, den Kindern etwas über die Nazi Zeit beizubringen, denn diese Themen verschwanden bis zu den Abiturienten, fast völlig aus dem Unterrichtsstoff!

    Am deutlichsten würde es bei meiner Nachzüglerin, die jetzt erst 18 Jahre alt wird, die hat in der Grund, Haupt und später in der Realschule und Berufsschule nur noch maximal 5% von dem Geschichtsunterricht erhalten, wie meine Älteste, die inzwischen über 30 Jahre alt ist!
    Nachweisen kann ich das an den Schulbüchern, die wir alle Aufgehoben haben, sogar meine aus dem Jahre 68 sind noch vorhanden!
    Schon meine Eltern brachten mir bei, werfe keine Bücher weg, die sind wie Zeitzeugen!

    Wenn man bedenkt, dass soviele nicht mehr über die Nazi Zeit informiert sind, sollte es niemanden verwundern, dass es die Neo Nazis so leicht haben, in die Köpfe der jungen Leute zu gelangen, in dem sie ihnen den Kopf mit Geschichtslügen füllen!!!