Sami Omar
Sami Omar, MiGAZIN-Kolumnist © privat, bearb. MiG

Rassismus, Verantwortung & Solidarität

Sami Omars Beitrag zur antirassistischen Bildungsarbeit

MiGAZIN-Kolumnist Sami Omar ist im Alter von 43 Jahren gestorben. Wir trauern um einen besonderen Menschen und eine wichtige Stimme im deutschsprachigen Integrations- und Antirassismus-Diskurs. Ein Rückblick auf sein verdienstvolles und zu früh abgebrochenes Lebenswerk.

Von Montag, 07.02.2022, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 07.02.2022, 17:48 Uhr Lesedauer: 13 Minuten  |  

Am 23.12.2021 ist der Schriftsteller, Bildungsreferent und Rassismuskritiker Sami Omar im Alter von 43 Jahren gestorben. Mit seiner Familie, seinen Freund:innen und allen Menschen, die er durch seine Arbeit berührt hat, trauern wir um einen besonderen Menschen und eine wichtige Stimme im deutschsprachigen Integrations- und Antirassismus-Diskurs. Der frühe Tod Sami Omars gibt Anlass, um auf sein verdienstvolles und zu früh abgebrochenes Lebenswerk zurückzublicken und die Gedanken und Fragen aufzunehmen, die Omar selbst nun nicht weiterverfolgen kann. Der folgende Beitrag versucht – nach einer stark gerafften Einführung in das Leben und Werk des Autors – einige seiner zentralen Gedanken zum von ihm entwickelten Konzept der antirassistischen Prozessbegleitung herauszuarbeiten. Auf dieser Grundlage soll abschließend die für seinen Ansatz wichtige Frage nach Formen der Verantwortung und Solidarität einzelner Akteure in rassistischen Strukturen gestellt werden.

Geboren am 06.11.1978 in Khartum im Sudan und aufgewachsen im protestantischen und akademischen Milieu der 1980er und 90er Jahre als Sohn einer evangelischen Pfarrfamilie in Ulm in Deutschland war sein Leben von frühester Kindheit an, neben offensiven rassistischen Adressierungen, durch Ambivalenzen geprägt. In seinen zahlreichen, teils autobiographischen Texten thematisierte Omar nicht nur die offenen Anfeindungen, die Schwarze Personen in einer Weißen Mehrheitsgesellschaft alltäglich erleben, sondern ebenso die vielen Facetten vermeintlich wohlmeinender Begegnungen mit Weißen Menschen, die Schwarzsein nur schwer mit verschiedenen Zugehörigkeiten (etwa zum akademischen Milieu, zur evangelischen Glaubensgemeinschaft oder als deutsche Staatsbürger:innen) übereinbringen können (vgl. Omar 2018, S. 9). Ein ambivalentes Gefühl hinterließen selbst anerkannte Zugehörigkeiten, durch deren starke Betonung zugleich bestätigt wird, dass sie nicht selbstverständlich sind. So wird in vielen Gesten, die vorgeblich willkommen heißen, unmerklich auch das Trennende hervorgehoben.

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Besonders bekannt ist Omars Gedicht mit dem Titel „Ich bin kein Luftballon“ (Omar 2008), in dem er eine aus seiner eigenen Lebenserfahrung zusammengestellte Liste mit vermeintlich positiv-interessierten, tatsächlich jedoch ignoranten und rassistischen Fragen vorstellt, die er als männlich gelesene Schwarze Person nie mehr beantworten möchte. Während sich die Anfänge seines schriftstellerischen Wirkens zunächst auf (nicht selten humoristische und satirische) Kurzgeschichten und Prosa konzentrierten (vgl. Omar 2008; 2016), nahm er die in diesen Erzählungen verarbeiteten Erfahrungen im Laufe seiner zunehmenden Politisierung im Spätwerk immer stärker in seine theoretische Auseinandersetzung mit rassistischen Strukturen auf. In gewisser Weise lässt sich von einer Wende in seiner späteren Arbeit sprechen, die ihn zur kritischen Revision einiger früherer Texte und Bühnenstücke veranlasste. Beispielsweise kündigt Omar in einem 2021 veröffentlichten Video an, eine seiner erfolgreichsten Bühnennummern aus dem Programm zu nehmen. Der Effekt dieser Nummer bestand darin, dass Omar – nach der Ankündigung, nun einen Text in der Sprache seines Herkunftslandes vorzutragen – mit schwäbischem Dialekt sprach. Der sichere Erfolg, den die Aufführung dieses Stücks immer garantiert habe, hinterlasse bei ihm stets einen bitteren Beigeschmack. Sie basiere auf einem Überraschungseffekt, der darin bestehe, dass er als Schwarze Person gegen die Erwartung seines Publikums in schwäbischer Mundart spreche. Dass dies beim Publikum zuverlässig für Irritation sorge, zeige jedoch, dass rassistische Stereotype noch immer stark im Denken und Wahrnehmen verankert seien. Erst wenn die Tatsache, dass er als Schwarze Person in schwäbischer Mundart spreche, nichts Absurdes mehr an sich habe, „dann isch‘s besser g‘worden, und bis dahin isch‘s ned besser“, so Omar (2021a).

Nachruf der Redaktion

Die Nachricht vom plötzlichen Tod Sami Omars hat uns schmerzlich getroffen. Wir hatten die Ehre, einige seiner großartigen Texte veröffentlichen und ihn kennenlernen zu dürfen, als einen sehr feinsinnigen, engagierten, intelligenten – kurz: großartigen – Menschen. Unser höchster Respekt gebührt seinem selbstlosen Einsatz für diese Gesellschaft und gegen Rassismus. Seiner Familie wünschen wir die Kraft, das schwere Schicksal zu ertragen, und fühlen mit ihnen.

In einer persönlichen Korrespondenz schrieb uns sein Neffe Philipp Seitzer folgende Zeilen: „Seine Artikel im MiGAZIN waren der Beginn eines Prozesses der stärkeren Politisierung und seines wachsenden Selbstbewusstseins als Publizist. Dass er in Ihrer Zeitschrift veröffentlichen durfte und somit ein Sprachrohr gefunden hat, ermutigte ihn dazu, mit seinen Anliegen und Texten stärker an die Öffentlichkeit zu treten. Seine ersten Veröffentlichungen im MiGAZIN, die vielen Rückmeldungen, die er dazu bekommen hat, haben ihn stolz gemacht.

Diese Worte erfüllen uns ebenfalls mit Stolz. Wir werden dich sehr vermissen, Sami. Ruhe in Frieden!

Glücklich sind jene, die Taten vollbringen, die es wert sind, aufgezeichnet zu werden, oder Schriften verfassen, die es wert sind, gelesen zu werden.“ (Plinius der Ältere)

Auf dem Fundament seiner Rassismuskritik entwickelte Omar einen eigenen Ansatz zur antirassistischen Prozessbegleitung, der in den letzten Jahren seiner Tätigkeit als Referent für rassismuskritische Bildungsarbeit immer weiter Kontur annahm. In Omars Zugang zur Rassismustheorie nimmt der Begriff der Energie eine zentrale Rolle ein. Hiermit beschreibt Omar die Kosten, die das rassistische System zugunsten privilegierter Menschen auf der Seite der Betroffenen verursacht. Nicht nur die Bewältigung offensiver und unterschwelliger rassistischer Adressierungen, sondern auch die Vermeidung von Situationen, in denen es potenziell zu solchen kommen kann, erfordern eine ständige Aufmerksamkeit und mithin eine Internalisierung rassistischer Denkmuster, die – wie auch Frantz Fanon (1985) und Achille Mbembe (2017) betonen – bei rassifizierten Subjekten eine Form der Selbstentfremdung bedingen. Auch James Baldwin beschreibt diese unterschwelligen Mechanismen des Rassismus in ihrer perfiden und sukzessive-zermürbenden Wirkung auf die Persönlichkeitsstruktur und das Selbstbild Betroffener als „Fieber“ oder „Gift“. Dieses wirkt zunächst auf das Denken, Fühlen und Handeln: „Man ist dazu gezwungen, ununterbrochen Einschränkungen zu machen, und die eigenen Reaktionen verdrängen sich gegenseitig“ (Baldwin 1977, S. 329).

Als rassifiziertes Subjekt in einem rassistischen System zu leben, bringt die permanente Anforderung mit sich, „Angriffe intern zu verarbeiten, sie aufzuspüren, vorwegzunehmen und ihnen auszuweichen, wo sie zu erwarten sind. In diesem Sinne sind rassifizierte Subjekte nicht nur tatsächlichen, sondern auch potenziellen, antizipierten und internalisierten Verletzungen ausgesetzt“ (Braitsch & Seitzer 2022). Dies erfordert eine „andauernde Achtsamkeit und Verteidigungsbereitschaft” (Omar 2019, S. 7), mithin eine „Wertung und Prüfung jeder Begegnung auf Verletzungspotential” (ebd.) sowie eine „Abwägung von Kampfeswille und Friedenssehnsucht” (ebd.), sodass Betroffene, wie Baldwin schreibt, „dauernd vor der Alternative [stehen], sich für die Amputation oder den Wundbrand zu entscheiden“ (Baldwin 1963, S. 32). Omar illustriert dies anhand einer Alltagserfahrung:

Auf einem Stadtfest im Rheinland steht ein etwa dreijähriges Mädchen verloren und weinend auf dem Platz. Meine Weiße Ehefrau ist nicht bei mir und so rufe ich sie zu Hilfe, damit sie das Kind anspricht und beruhigt, bis seine Eltern gefunden sind. Die Bedrohlichkeit schwarzer Männer ist so oft in Literatur, Film und Folklore reproduziert worden, dass ich mich selbst in einer solchen Situation mit der Wahrnehmung des Bildes beschäftige, dass ich in den Köpfen der Weißen Passanten abgeben könnte” (Omar 2019, S.7).

Diesen systematischen Verarbeitungsmechanismus beschreibt Omar als „Alarmsystem, das im Stand-by-Modus ständig Energie verbraucht, die Nicht-Betroffene für sich zur freien Verfügung haben“ (ebd.). Die Energiekosten sind umso höher, da sie durch eine Form des Raubbaus am Selbst beglichen werden. Sie erfordern eine „permanente Arbeit gegen sich selbst, bedingt durch das, was sich als Paradoxon der Erscheinung beschreiben lässt“ (vgl. Braitsch & Seitzer 2022): Schwarze Menschen und Personen of Color sind sich meist ihrer deprivilegierten Position bewusst. Sie wissen auch, dass ihnen aufgrund ihrer Erscheinung negative Merkmale zugeschrieben und sie als Subjekt abgewertet werden, wodurch, so Fanon (1985), nicht die Quelle dieser Zuschreibung, sondern die eigene Erscheinung als mutmaßlicher Grund des Problems bekämpft wird (vgl. ebd.,S. 163.). Fanon beschreibt diesen Prozess als „eine Art Spaltung, einen Bruch des Bewusstseins“ (ebd.). Omar führt aus, dass er in der Folge „nicht nur Gefangener des Rassismus der anderen [ist], sondern auch gefangen in dem Rassismus, den ich antizipiere” (Omar 2019, S. 7).

Die geläufige Unterscheidung zwischen Privilegierung und Diskriminierung wird so unter anderem als ungleicher Energieaufwand in der Lebensbewältigung greifbar, der nicht nur durch äußere Widerstände, sondern ebenso internalisierte Mechanismen verursacht wird. Vor diesem Hintergrund ist der Energieeinsatz umso bemerkenswerter, den Omar im Rahmen seiner kritischen Arbeit, seiner Vorträge und der von ihm entwickelten antirassistischen Prozessbegleitung aufwandte, um unermüdlich das Gespräch über Rassismus mit Weißen Menschen zu suchen. Hartnäckige Widerstände begegneten ihm dabei sowohl ausgehend von behäbigen Strukturen und Machthierarchien als auch von persönlichen Ressentiments und psychischen Abwehrreaktionen der Menschen, die negativ auf die Konfrontation mit ihrer Rolle im rassistischen System reagieren. Omar begegnete jedoch auch Formen echter Solidarität, die er differenziert von weniger tragfähigen Unterstützungsformen unterschied. Wie aus einer persönlichen Korrespondenz hervorgeht, ließen derart ambivalente Erfahrungen Omar häufig zwischen Hoffnung und Zweifel am Sinn dieser Arbeit schwanken:

Die Frage, ob wir mit den Erzählungen über Rassismus also nur empathische Anstrengungen oder auch dauerhafte Veränderungen in der eigenständigen Wahrnehmung rassistischer Strukturen bewirken können, treibt mich um“ (Omar 2020b).

Hinsichtlich der Frage, ob individuelle Prozesse der Bewusstseinsbildung im Zuge antirassistischer Prozessbegleitung für eine Überwindung des Problems auf Systemebene hinreichend sind, war Omar – nicht zuletzt auch wegen der Langwierigkeit und dem nur punktuell wahrgenommenen Erfolg dahingehender Anstrengungen – eher pessimistisch eingestellt. Die Bedingung nachhaltiger und struktureller Veränderungen sah er erst in einer Zukunft gegeben, in der wir „es schaffen, das Wissen Weißer Personen um ihre Privilegien zum Kapital umzudeuten, das sie für eine Gesellschaft wappnet, in der sie ohne dieses Kapital abgehängt werden“ (ebd.). Die für die Überwindung des rassistischen Systems notwendige Veränderung muss laut Omar also insofern primär auf eine strukturelle Ebene abheben, als hier bestimmte extrinsische Anreize zu schaffen sind, die das antirassistische Engagement Weißer Menschen verbindlich machen. Hinter diesem Gedanken steckt mehr als ein funktionalistisches oder strukturalistisches Kalkül: Vom Grad ihrer Verbindlichkeit hängt vielmehr die Glaubwürdigkeit und mithin die Tragfähigkeit echter Solidarität ab. Erst wenn die Auseinandersetzung Weißer Menschen mit ihren Privilegien und ihr antirassistisches Engagement den Charakter der Optionalität einbüßen, kann es sich um eine echte Form von Solidarität handeln, die immer obligatorisch sei.

Unter echter Solidarität verstand Omar somit explizit keine Form der Unterstützung, die aus einer wohltätigen Haltung resultiert – diese karitative Form der Zuwendung und Anteilnahme, der Omar laut seinen Erfahrungsberichten vielfach in der evangelischen Kirche begegnete (vgl. Omar 2020a; 2020c), reproduziere im Kern eine Form der Viktimisierung und ein latent kolonialistisches Schema, demzufolge sich Schwarze und Weiße Menschen nicht auf Augenhöhe befänden. Mit diesem Wahrnehmungsschema gehe die bevorzugte Strategie einher, den Opfern rassistischer Diskriminierung Trost zu spenden, statt den oft schmerzhaften und kostenintensiveren Konflikt mit sich selbst oder anderen Weißen Personen einzugehen (vgl. ebd.). Dieser sei jedoch notwendig, um rassistische Handlungssysteme nachhaltig zu durchbrechen. Echte Solidarität müsse demnach zum einen aus dem „Bewusstsein eigener Privilegien und Rassismen“ (Omar 2020c), zum anderen aus einer daraus erwachsenen Verbindlichkeit und Verantwortung hervorgehen, die vor den Kosten solcher Konflikte nicht zurückscheut:

Weil die Opfer von Rassismus sich nicht aussuchen können, wann sie zu Opfern werden, können sich Antirassist:innen auch nicht aussuchen, wann sie solidarisch sein möchten und wann nicht. Nur durch ihre kategorische Dringlichkeit wird Solidarität glaubhaft“ (ebd.).

Zwar bestehe ebenso die Möglichkeit, dass Verbindlichkeit und Verantwortung aus intrinsischen Motiven hervorgehen; für eine Überwindung des Rassismus auf gesamtgesellschaftlicher Ebene stelle dies aber keine hinreichende Bedingung dar, zumal die Herausbildung intrinsischer Motive zunächst eine freiwillige Entscheidung und im Prozess der Bewusstseinsbildung schließlich ein hohes Maß an Beharrlichkeit und persönlichem Engagement erfordere, das nur selten aufgebracht werde. Im rassistischen System bleibe Weißen Menschen immer das Privileg vorbehalten, sich nicht durch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Rassismus zu belasten und dem Konflikt auszuweichen, der aus der Konfrontation anderer Weißer Menschen mit ihren Rassismen resultiere. Die Erfahrung von echter Solidarität könne jedoch zumindest punktuell einen Energieausgleich schaffen und rassifizierten Menschen dabei helfen, alltägliche Rassismuserfahrungen zu bewältigen.

Der wichtige Beitrag Omars zur Antirassismus-Diskurs liegt mitunter darin, einen konkreten Ausweg aus Debatten aufgewiesen zu haben, die sich in kategorischen Schuldzuweisungen verfangen. Die Einsicht in die Kompliz:innenschaft Weißer Menschen im rassistischen System ist zwar eine notwendige, jedoch keine hinreichende Bedingung, um Veränderung zu stiften. Wie Smith und O‘Connell unter dem im amerikanischen Rassismus-Diskurs mittlerweile geläufigen Begriff „white guilt“ (Smith & O’Connell 1997) ausführen – und wie in anderer Form auch Tupoka Ogette in „Exist Racism“ (2020, S. 27) und DiAngelo in „White Fragility“ (vgl. DiAngelo & Dyson 2018) herausarbeiten – können in der antirassistischen Aufarbeitung auftretende, unverarbeitete Schuldgefühle auf Seiten Weißer Personen entweder unfruchtbar bleiben oder in der Form von Schuldabwehrreflexen sogar in kontraproduktive Effekte und neue Ressentiments umschlagen. Erst durch die Transformation von Schuld in Verantwortung, so Omar, werde Energie frei, die konkrete Entlastung verschaffen und Antrieb für Veränderungsprozesse geben könne. Im Umgang mit Schuld und ethischen Fragen war für Sami Omar ein Ausspruch des evangelischen Theologen und antifaschistischen Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer prägend: „Die Frage nach dem Guten findet uns immer in einer nicht mehr rückgängig zu machenden Situation vor, wir leben“ (Bonhoeffer 1956).

Wenn wir nach dem Tod Omars nun nach der Verantwortung fragen, die wir als Hinterbliebene angesichts des Energievorschusses tragen, den Omar mit seinem antirassistischen Engagement hinterlässt, können wir Bonhoeffers Spruch zum Leitsatz nehmen. Schon immer finden wir uns – ob Weiß oder Schwarz – in der nicht mehr rückgängig zu machenden Situation vor, dass wir in einem rassistischen System leben, das einige Menschen auf Kosten anderer privilegiert. Das Privileg bestehe laut Omar mitunter darin, Energiereserven zur freien Verfügung zu haben, die Schwarze Personen und Personen of Colour für die alltägliche Bewältigung des Rassismus aufwenden müssen. Ein kleiner Ausgleich, der in der Summe größere Veränderungen anstoßen mag, lässt sich erreichen, indem freie Energie eingesetzt wird, um

sich mit Rassismus und [der eigenen] Haltung dazu auseinanderzusetzen, damit die Frage nach ‚dem Guten‘ in dieser Sache jeden Tag aufs Neue gestellt wird und lebendig bleibt“ (Omar 2020c).

Lebendig bleiben auf diese Weise auch Omars Gedanken und Ziele und seine Hoffnungen vielleicht nicht unbegründet. Omar schließt seinen Apell mit den Worten: „Ich warte“ (ebd.).

Literatur:

  • Baldwin, James (1977). Autobiographische Notizen. In ders.: Schwarz und weiß. Oder was es heißt, ein Amerikaner zu sein. 11 Essays. Aus dem Amerikanischen von Leonhard Gescher. Hamburg: Rohwolt (S. 11–33).
  • Bonhoeffer, Dietrich (1956). Ethik. Hrsg. E. Bethge. München: Christian Kaiser Verlag.
  • Braitsch, Lea; Seitzer, Philipp (2022). Rassismus. In: Dederich, M.; Zirfas, J. [Hrsg.]: Glossar der Vulnerabilität. Stuttgart: Kohlhammer (in Vorbereitung).
  • DiAngelo, Robin; Dyson, Michael Eric (2018): White Fragility. Why is it so hard for white people to talk about racism. Boston: Beacon Press
  • Fanon, Frantz (1985). Schwarze Haut, weiße Masken. Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
  • Ogette, Tupoka (2017). Exit racism: rassismuskritisch denken lernen. Münster: Unrast.
  • Mbembe, Achille (2017). Kritik der schwarzen Vernunft. Berlin: Suhrkamp.
  • O’Connel, Lenahan; Smith, T. A. (1997). Black anxiety, white guilt, and the politics of status frustration. Westport: Praeger.
  • Omar, Sami (2008). Ich bin kein Luftballon. Leipzig: Edition Paper one.
  • Omar, Sami (2016). Geht schon, danke. Erzählungen. Köln: Edition Art of Buna.
  • Omar, Sami (2018). Sami und die liebe Heimat. 18 Artikel gegen Gleichgültigkeit und Rassismus. Berlin: Promosaik.
  • Omar, Sami (2019). Sprache und Rassismus. In: Überblick. Zeitschrift des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismusarbeit in Nordrhein-Westfalen, Nr. 2/2019, Thema: Sprache. Macht. Rassismus. (S. 7–11)
  • Omar, Sami (2020a). Nächstenliebe und Missachtung. Rassismus in der evangelischen Kirche. In: Chrismon Plus, September 2020, Online verfügbar (28.01.2022)
  • Omar, Sami (2020b). Zitat aus einer persönlichen Korrespondenz mit Lea Braitsch und Philipp Seitzer, 14.12.2020.
  • Omar, Sami (2020c). Meine Kirche und der Antirassismus. Warum tun sich Menschen in vielen Kirchengemeinden noch so schwer, in Situationen rassistischer Übergriffe Solidarität zu leben? – Ein persönlicher Bericht. In: Interkulturelle Woche 2020. Zusammen leben, zusammen wachsen. (S. 13–15).
  • Omar, Sami (2021). Herkunftsland (Youtube Video), (28.01.2022).

Alle Texte von Sami Omar im MiGAZIN

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