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Nemi El Hassan © WDR/Tilman Schenk

Antisemitismusvorwürfe

El-Hassan wirft „Bild“-Zeitung Kampagne vor

Die fast WDR-„Quarks“-Moderatorin Nemi El-Hassan hat sich jetzt gewehrt gegen die Vorwürfe. In einem Gastbeitrag teilt die Journalistin aus gegen das Boulevardblatt „Bild“ und gegen den WDR. Kritik erntet auch das „Land der Täter“. Daraufhin hat sich der WDR gegen eine Zusammenarbeit mit der Journalistin entschieden.

Mittwoch, 03.11.2021, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 03.11.2021, 1:23 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Journalistin Nemi El-Hassan wirft dem Boulevardblatt „Bild“ eine Kampagne gegen ihre Person vor und kritisiert den Umgang ihres Arbeitgebers Westdeutscher Rundfunk (WDR) damit. „Es gibt eine Grenze zwischen kritischer journalistischer Arbeit und einer gezielten Kampagne zur Demontage einer Person. Diese Grenze wurde in meinem Fall überschritten“, schreibt El-Hassan über die „Bild“-Recherchen in einem Gastbeitrag für die „Berliner Zeitung“.

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Der WDR reagierte auf die Kritik. Der öffentlich-rechtliche Sender in Köln teilte am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur mit: Man habe sich endgültig gegen eine Zusammenarbeit mit der El-Hassan entschieden. Vom Sender hieß es als Begründung für die Entscheidung: „Das Vertrauen für eine künftige Zusammenarbeit ist nicht mehr vorhanden.“

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WDR aus der Schusslinie gezogen

Wegen der Antisemitismusvorwürfe gegen El-Hassan, über die das Boulevardblatt berichtet hatte, gibt es seit Wochen Diskussionen um die Journalistin. Das Blatt „Bild“ habe ein von rechtsextremen Internet-Aktivisten initiiertes Narrativ in weite Teile der Öffentlichkeit getragen, kritisiert El-Hassan in dem Gastbeitrag. Die Journalistin verweist darauf, dass sie sich nach der ersten Berichterstattung der „Bild“ öffentlich für die Teilnahme an einer Al-Kuds-Demonstration im Jahr 2014 entschuldigt hatte. Zudem hätten Recherchen von „Zeit Online“ gezeigt, wie die Kampagne gegen sie in rechtsextremen Foren „von langer Hand vorbereitet“ worden sei.

„Der WDR hat sich – in der Hoffnung, sich selbst aus der Schusslinie zu ziehen – allen Argumenten der ‚Bild‘-Zeitung angeschlossen und somit auch zukünftigen Kampagnen Tür und Tor geöffnet“, schreibt El-Hassan. In der öffentlichen Debatte über ihren Fall seien Stimmen „gezielt ignoriert“ worden.

Die Psyche im Land der Täter

Zudem habe es „keinen ehrlichen Diskurs darüber“ gegeben, wie sich Antisemitismus von israelkritischen Positionen abgrenzen lasse, „oder worin etwa die deutsche Verantwortung gegenüber Menschenrechtsverletzungen in Israel/Palästina besteht“. Die Reaktion des WDR zeige exemplarisch, „dass es schlecht steht um die vielfach gerühmte Debattenkultur in diesem Land“.

„Die letzten Wochen zeigten, dass ich im Land der Täter qua Geburt zur Antisemitin erklärt werden sollte. Wie kommt man dazu? Welche psychologischen Prozesse arbeiten im kollektiven Gedächtnis der Deutschen, die ermöglichen, die eigene Geschichte derart umzudeuten, dass Antisemitismus immer nur bei ‚den anderen‘ – beziehungsweise den zu ‚den anderen‘ gemachten – verortet wird?“, schreibt El-Hassan in ihrem Gastbeitrag. Die Schuld werde systematisch ausgelagert auf die Palästinenser, die Araber, die Muslime. (epd/mig)

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