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Rettungsschiff "Sea-Eye 4" © Guillaume Duez

Situation immer gefährlicher

„Sea-Watch 3“ fordert sicheren Hafen für 406 Gerettete

Chemische Verbrennungen, kaum Platz zum Schlafen: Auf der „Sea-Watch 3“ warten mehr als 400 im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge auf die Zuweisung eines Hafens. Sechs Gerettete wurden bereits von der italienischen Küstenwache von Bord geholt.

Freitag, 22.10.2021, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 21.10.2021, 16:06 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Nach einem weiteren medizinischen Notfall auf der „Sea-Watch 3“ haben die Seenotretter am Donnerstag einen sicheren Hafen für die 406 Menschen an Bord gefordert. Die medizinischen Kapazitäten auf dem Schiff kämen an ihre Grenzen, sagte die Ärztin an Bord der „Sea-Watch 3“, Carolin Möhrke. Die Menschen bräuchten so schnell wie möglich einen Ort, an dem sie von Bord gehen können. „Mit jedem Tag auf See wird die Situation gefährlicher.“ Bereits in der Vergangenheit mussten private Seenotretter oft tagelang warten, bis ihnen ein Hafen zugewiesen wurde.

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Die Crew der „Sea-Watch 3“ hatte am Sonntag und Montag bei sieben Rettungseinsätzen 412 Menschen vor der libyschen Küste im Mittelmeer aus Seenot gerettet. In der Nacht zu Donnerstag wurde eine schwangere Frau wegen medizinischer Komplikationen von der italienischen Küstenwache an Land gebracht, wie die Sea-Watch-Sprecherin Mattea Weihe dem „Evangelischen Pressedienst“ sagte. Bereits am Dienstag und am Mittwoch durften fünf weitere Menschen wegen Verletzungen und gesundheitlicher Probleme das Schiff verlassen.

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Unter den 406 an Bord des Rettungsschiffs verbliebenen Menschen sind nach Angaben von Sea Watch mehr als 150 Minderjährige oder Kinder. Viele Flüchtlinge und Migranten wiesen chemische Verbrennungen auf, die durch eine Mischung aus Benzin und Salzwasser verursacht worden seien. „Diese Art von Verletzungen muss in einem Krankenhaus unter angemessenen Bedingungen behandelt werden“, sagte Schiffsärztin Möhrke.

Eine der gefährlichsten Fluchtroute

Nach Angaben der privaten Seenotrettungsorganisation leiden die Geretteten auch unter dem sich verschlechternden Wetter. So seien sie auf dem Oberdeck Wind und Regen ausgesetzt. Aufgrund des begrenzten Raums könnten sie nur schichtweise schlafen. In der Vergangenheit mussten private Seenotretter oft tagelang auf die Zuweisung eines sicheren Hafens in Europa warten. In Libyen, von wo viele Flüchtlinge und Migranten die Fahrt über das Mittelmeer antreten, drohen ihnen in Internierungslagern Folter und andere Menschenrechtsverletzungen.

Das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten weltweit. Es gibt dort keine staatlich organisierte Seenotrettung für Migranten aus Afrika, die auf der gefährlichen Überfahrt nach Europa häufig in Seenot geraten. Einzig private Organisationen halten mit verschiedenen Schiffen Ausschau nach gefährdeten Menschen. Bislang sind in diesem Jahr laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mindestens 1.507 Menschen zu Tode gekommen oder gelten als vermisst. (epd/mig)

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