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Diskriminierung, Schule, Bildung, Tafel, Kreide
Diskriminierung © MiG

Umfrage

Keine faire Chance für Migranten auf dem Arbeitsmarkt

Migranten stehen im Beruf unter erhöhtem Leistungsdruck – sofern sie überhaupt einen Job bekommen. Einer Umfrage zufolge erleben 41 Prozent Diskriminierungen im Bewerbungsprozess. Bei Frauen ist diese Quote noch höher.

Montag, 23.08.2021, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 23.08.2021, 23:35 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

In Deutschland leben mehr als 20 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Damit stellt diese Gruppe einen substanziellen Teil der erwerbstätigen Bevölkerung. Allerdings erleben diese Menschen häufig Diskriminierung im Arbeitsleben. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Jobplattform „Indeed“.

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Danach gaben 16 Prozent der Befragten an, dass sie häufig das Gefühl haben, bei der Jobsuche diskriminiert zu werden. 26 Prozent fühlen sich manchmal benachteiligt, während weitere 12 Prozent selten diesen Eindruck haben. Damit fühlen sich mehr als jeder Zweite (53 Prozent) der Befragten mehr oder weniger regelmäßig bei der Jobsuche benachteiligt. Demgegenüber haben nur 37 Prozent nie diesen Eindruck. Diese Erfahrung fällt bei den Geschlechtern unterschiedlich aus: Während sich rund ein Drittel der Männer diskriminiert fühlt, betrifft es bei den Frauen sogar fast die Hälfte.

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Keine faire Chance

29 Prozent der Teilnehmenden gaben gar an, keine faire Chance in Bewerbungsprozessen zu erhalten. Besonders die Frauen haben diesen Eindruck: Ein Drittel gab an, selten oder nie eine faire Chance bei der Jobsuche zu bekommen. Bei den Männern waren nur rund ein Viertel dieser Meinung. Zudem haben 35 Prozent den Eindruck, mehr Jobabsagen als Menschen ohne Migrationshintergrund zu erhalten.

Auch das Gefühl, im Arbeitsleben mehr leisten zu müssen, ist Menschen mit Migrationshintergrund laut den Umfrageergebnissen vertraut. 37 Prozent aller Teilnehmenden haben den Eindruck, für die gleiche Anerkennung mehr tun zu müssen. Besonders die 35- bis 44-Jährigen haben mit diesem Leistungsdruck zu kämpfen: 52 Prozent haben hier das Gefühl. Auch bei den Befragten zwischen 18 und 24 sowie 25- bis 34-Jährigen sind rund 40 Prozent dieser Meinung. Mit dem Alter scheint dieser Eindruck jedoch abzunehmen: Bei den über 55-Jährigen sind nur noch ein 20 Prozent dieser Meinung.

Diskriminierung ist Unding

Bei der Frage, ob es für Menschen mit Migrationshintergrund in den letzten zehn Jahren einfacher oder schwieriger geworden ist, einen Job zu finden, sind sich die Befragten uneins. So sind 36 Prozent der Frauen der Meinung, dass es schwerer geworden ist, bei den Männern hingegen nur rund ein Viertel. Durchschnittlich sind 31 Prozent der Auffassung, dass es schwerer geworden ist, während 28 Prozent meinen, dass es leichter sei, einen Job zu finden.

„Dass sich Menschen aufgrund ihres Namens, der Religion oder der Hautfarbe im Arbeitsleben diskriminiert fühlen, ist einfach ein Unding, aber leider alltäglich“, erklärt Frank Hensgens, Indeed-Geschäftsführer. Menschen mit Migrationshintergrund müssten die gleiche Chance erhalten, im Berufsleben erfolgreich zu sein. Das gelte insbesondere für Frauen mit Migrationshintergrund. „Dazu können neue Strukturen und Prozesse im Recruiting einen Beitrag leisten. Genauso entscheidend ist allerdings, dass sich Führungskräfte ihrer Vorurteile bewusstwerden, um einer diskriminierenden Personalauswahl und -entwicklung in jeglicher Hinsicht vorzubeugen.”

Die größten Hindernisse

Am häufigsten fühlen sich die Befragten aufgrund ihres Namens (37 Prozent), der Staatsangehörigkeit (31 Prozent) sowie dem Geburtsort bzw. -land (27 Prozent) und der Religion (26 Prozent) diskriminiert. Insbesondere die Bevorzugung von Deutsch-Muttersprachlern sowie Vorurteile gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund in den Personalabteilungen sind aus Sicht von jeweils 43 Prozent der Befragten die größten Hindernisse bei der Jobsuche.

Ebenso spielt nach Überzeugung von 31 Prozent der Befragten die Bevorzugung von Bildungs- und Ausbildungsabschlüssen aus Deutschland eine Rolle. Ähnlich hoch (29 Prozent) eingeschätzt wird von den Teilnehmenden auch, dass Kandidaten, die als Deutsche wahrgenommen werden, bevorzugt werden.

Diskriminierung wie verhindern?

Dabei kann Diskriminierung nach Ansicht von rund jedem Dritten Befragten (35 Prozent – „sinnvoll“) entgegengewirkt werden: Strukturierte Bewerbungsgespräche, gleiche Fragen an alle Kandidaten sowie Bewerbungen ohne persönliche Angaben wie Name, Geschlecht oder Nationalität. Ebenfalls als förderlich bewertet werden Bewerbungen ohne Foto (34 Prozent) sowie standardisierte Eignungsprüfungen, sogenannte Assessments (31 Prozent).

Daneben sollten aus Sicht der Befragten die Unternehmen Fähigkeiten von Menschen mit Migrationshintergrund stärker wertschätzen. Dazu gehören vor allem Vielsprachigkeit (55 Prozent), interkulturelle Kompetenzen (49 Prozent) sowie Anpassungsfähigkeit (47 Prozent). Ebenso erachten die Befragten die fachlichen Kompetenzen (44 Prozent), internationale Arbeitserfahrungen (38 Prozent), Resilienz, d.h. die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen gut zu bewältigen, sowie andere Blickwinkel auf Themen (je 33 Prozent) als überaus wichtig.

Für die YouGov-Umfrage wurden 502 erwerbstätige Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland befragt. (mig)

Leitartikel Panorama
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  1. thomas sagt:

    bitte etwas differenzieren !!

    Es macht einen Unterschied, ob sogenannte Lehrer oder sonstige Akademiker aus Afrika oder Arabien nach Deutschland kommen und in diesen Bereichen arbeiten wollen. Da gibt es 0 Prozent Deckungsgleichheit. Selbst Lehrer aus relativ westlich geprägten Regionen wie Damaskus oder Homs sind jene Leute, die nach 12 Schuljahren Lehrer werden. Lehramtsstudium dann auf keinen Fall mit Staatsexamina oder refrendariat usw. Und null Pädagogik. In diesen Ländern werden Kinder bzw. Schüler noch geschlagen.

    Zahnärzte aus anderen nichteuropäischen Ländern arbeiten auch ganz anders. Das ganze Equipment, das hiesige Zahnärzte haben was z. T. 100,000 Euro kostet, kennen die nicht.

    Deckungsgleichheit oder Verwertung auf dem deutschen Arbeitsmarkt gleich null.