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Maschendrahtzaun, Abschiebung, Gefängnis, Grenze
Maschendrahtzaun © Free-Photos @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Abschiebehaft

Zwischen Gefängnis und Herberge

Die neue Abschiebehaft in Glückstadt an der Elbe soll ab 16. August Flüchtlinge aufnehmen, die ausreisen müssen, aber nicht wollen. Die Verantwortlichen versuchen einen Spagat zwischen Gefängnis und Herberge.

Von Montag, 16.08.2021, 5:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 15.08.2021, 10:49 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Politik betont immer wieder, dass eine Abschiebehaft mit einem Gefängnis nicht gleichzusetzen sei. Doch die hohen Stacheldrahtzäune, die rund um die neue Abschiebehaft in Glückstadt an der Elbe gebaut wurden, sagen auf den ersten Blick das Gegenteil. Am 16. August sollen dort die ersten ausreisepflichtigen Flüchtlinge einziehen.

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„Wohnen minus Freiheit“ heißt der Slogan, den sich die drei Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern auf die Fahne geschrieben haben. Schließlich sind hier keine Straftäter untergebracht, sondern ausreisepflichtige Flüchtlinge, die sich einer Abschiebung entzogen haben. Sie sei das letzte Mittel zur Durchsetzung der Ausreise, sagt Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU).

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Flüchtlinge dürfen Gelände nicht verlassen

In der Praxis heißt das: Die Flüchtlinge können das 21.000 Quadratmeter großen Gelände nicht verlassen, sich innerhalb ihrer Wohngruppen aber frei bewegen. Die bis zu 16 Quadratmeter großen Zimmer sind mit dem Nötigsten ausgestattet: ein Bett, ein Tisch, ein Stuhl, daneben ein Schrank und eine Tür zur Nasszelle. An der Wand hängt ein Fernseher, das Fenster zum Hof ist vergittert.

„Ihre Zimmertüren werden nicht verschlossen, sie können sie aber selbst verschließen, um Privatsphäre zu haben“, sagt der Direktor des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten (LfA) in Neumünster, Dirk Gärnter. In Gemeinschaftsräumen können sie kochen, Tischkicker spielen und sich unterhalten. Ein „Raum der Ruhe“ steht für Gebete zur Verfügung. Handys ohne Kamerafunktion sind erlaubt, auch einen Computerraum gibt es.

Spagat zwischen Sicherheit und Humanität

Die Flüchtlinge können ihre private Kleidung tragen. Haben sie nicht genügend dabei, bekommen sie welche gestellt. Sie sollen ein Taschengeld erhalten für kleinere Einkäufe in einem geplanten Kiosk. Die Fitnessbereiche draußen auf dem Gelände sind mit Tischtennisplatten, Turnstangen und Trimmrädern ausgestattet.

Alle Einrichtungsgegenstände sind stabil gegen mögliche Zerstörungen. Außerdem müssen sie so beschaffen sein, dass die Flüchtlinge sich und andere damit nicht verletzen können. Messer in der Küche gibt es aber schon. „Wir müssen hier den Spagat schaffen zwischen maximaler Sicherheit für Flüchtlinge und Personal und humanitärer Unterbringung“, sagt der Sprecher des Kieler Innenministeriums, Dirk Hundertmark.

Geschlossene Anstalt für Aggressive

Für aggressive Flüchtlinge gibt es einen geschlossenen Sicherheitsvollzug. In der medizinischen Abteilung, die wie eine gute Allgemeinarztpraxis ausgestattet ist, wurden drei Wartezimmer eingerichtet, um Konflikte zwischen den Flüchtlingen zu vermeiden. Dort können sie sich auch psychologisch betreuen lassen. Die Diakonie Rantzau-Münsterdorf wird eine Sozialberatung für die Flüchtlinge anbieten.

Zunächst stehen in der ehemaligen Marinekaserne zwölf Haftplätze zur Verfügung. Im späteren Vollbetrieb sollen bis zu 60 Menschen dort untergebracht werden, die maximal 18 Monate bleiben. „Der Start wird sicherlich nicht reibungslos verlaufen“, sagt Gärtner. „Aber wir sind optimistisch.“ (epd/mig)

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