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Die Tür der Synagoge in Halle (Archivfoto)

Antisemitismus

Jüdische Organisation warnt vor Verschwörungsideologien

Komplett verrückt, aber gefährlich und demokratiezerstörend: Verschwörungsideologien wie „QAnon“ haben sich in der Pandemie hierzulande stark ausgebreitet. Dahinter steckt immer Antisemitismus, warnt das American Jewish Committee.

Dienstag, 10.08.2021, 5:26 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 09.08.2021, 18:01 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Das American Jewish Committee Berlin (AJC) warnt Politik und Sicherheitsbehörden davor, die Gefährlichkeit von Verschwörungsideologien zu unterschätzen. Die Attentäter von Halle und Hanau hätten wie auch der Mörder des hessischen CDU-Politikers Walter Lübcke ebenfalls Verschwörungsmythen angehangen, sagte der Direktor des AJC Berlin, Remko Leemhuis, am Montag in der Bundeshauptstadt. Diese würden auch seit Pandemiebeginn auf sogenannten Hygiene- und „Querdenker“-Demonstrationen geäußert.

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„Wir können nur eindringlich davor warnen, dieses Milieu zu unterschätzen und Verschwörungsideologien zu belächeln“, sagte Leemhuis. Alarmierend sei, dass eine nicht zu unterschätzende Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Demonstrationen aus dem bürgerlichen Spektrum komme. Diese würden sich an dem offensichtlichen Antisemitismus, der dort als Teil einer Verschwörungsideologie verbreitet werde, nicht stören oder diesen sogar teilen.

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Verschwörungserzählungen oft antisemitisch

Im Auftrag des AJC hat die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) eine Studie über „Antisemitische Verschwörungsmythen in Zeiten der Coronapandemie“ am Beispiel von „QAnon“ verfasst. Zwischen März 2020 und März 2021 zählte Rias bundesweit 561 antisemitische Vorfälle mit Corona-Bezug. Eine zentrale Erkenntnis der Studie ist laut Co-Autor Daniel Poensgen, dass Verschwörungserzählungen in der Regel mit Antisemitismus verbunden sind.

Dies gelte auch für die aus den USA stammende „QAnon“-Bewegung. Ihre Anhänger glauben an einen „deep state“ (englisch: tiefer Staat), in dem eine satanistische Elite Kinder foltert, um aus deren Blut ein Verjüngungsserum zu erzeugen. Vieles erinnere an die „Protokolle der Weisen von Zion“, ein auf Fälschungen beruhendes antisemitisches Pamphlet von Beginn des 20. Jahrhunderts, sagte Poensgen.

Antisemitismus über Ländergrenzen hinweg

Dabei sei „QAnon“ ein Beispiel dafür, wie sich antisemitische Ideen im Zeitalter der sozialen Medien über Ländergrenzen hinweg verbreiten. Die Bewegung sei zwar kein Massenphänomen, habe aber gerade in Deutschland in Pandemie-Zeiten viele neue Anhänger gefunden. Poensgen schätzt deren Zahl hierzulande im niedrigen sechsstelligen Bereich. Mit einer breiten Vernetzung habe „QAnon“ durchaus Ansätze einer sozialen Bewegung.

Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) forderte, die Studie zum Bestandteil der Aus- und Weiterbildung von Polizei, Justiz sowie Pädagoginnen und Pädagogen zu machen. Es bedürfe der breiteren Aufklärung über die Mechanismen zur Verbreitung von Verschwörungsmythen und über die Gefahren, sagte die Linken-Politikerin.

FDP fordert verlässliche Finanzierung

Auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Benjamin Strasser appellierte an die Sicherheitsbehörden, repressiver dagegen vorzugehen. Zudem müssten zivilgesellschaftliche Organisationen, die seit Jahren Präventionsarbeit machen, verlässlicher finanziert werden.

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland erklärte, man brauche auch gegen diese „geistige Pandemie“ einen Impfstoff: „Politik und Strafverfolgungsbehörden dürfen diesem Treiben nicht länger zaghaft zuschauen, sondern müssen diesen zerstörerischen Kräften den Nährboden entziehen.“ (epd/mig)

Leitartikel Panorama
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  1. urbuerger sagt:

    Bisher ist der Urheber der QAnon Bewegung nicht Mal bekannt!
    Wie man in einigen Online Zeitschriften lesen konnte, gab es da wohl jemanden, der seine kruden Gedanken unter QAnon herausgehauen hat und sich sofort Leute diesem Schwachsinn angehängt haben!
    So wurde daraus eine Bewegung, noch zu Zeiten Trumps, Wahlkampf 2016, als dort die ersten Gerüchte gestreut wurden, dass Clinton in einem Pizzarestaurant eine Kinderfilterstation betreibe, in der aus Kinderblut, ein Elixier hergestellt wird, damit die Mitglieder von Clintons Vereinigung alle Jung bleiben!

    Schon allein, diese Geschichte zu glauben, zeugt von der Unbedarftheit dieser Leute!
    Wer glaubt, dass so etwas der Wahrheit entspricht, ist sehr Anfällig sich dieser Weltzerstörenden Ideologie anzu biedern und ein Gläubiger daran zu werden, egal, was desweiteren von QAnon noch in die Weltgesetzt wird!
    Wenn sich dann erst Mal die Ideologie in den Köpfen der Anhänger verfestigt haben und zur Ideologie geworden sind, kann man fast nichts mehr unternehmen, um die Leute wieder in die Wirklichkeit zurückzuholen!
    Es ist fast unmöglich, eine in den Köpfen der Anhänger existierende Ideologie zu bekämpfen, so wie es bei fast allen heutigen yideologien zu sehen ist, als Beispiel sollte man den IS, die Taliban, oder Al Quaida nehmen, denn deren ideologische Verblendung lâsst sich auch nicht so einfach bekämpfen, wie wir sehen konnten!

    Das sich nun auch noch der Antisemitismus in den Köpfen verfestigt, macht das noch zu einem größeren Problem, denn über den Antisemitismus ist es möglich, dass sich diverse Extremistischen Gruppen finden werden, die sich einer Ideologie anschließen!
    Wenn man also zulange wartet, etwas gegen diese Ideologisch verblendeten Anhänger von QAnon zu unternehmen, kann es zu spät sein, die yideologien noch aus den Köpfen zu bekommen und eine Weiterverbreitung wird immer wahrscheinlicher!

    Da die deutsche Politik nicht in der Lage ist, sich zu entscheiden, ob sie etwas gegen diese Organisationen, die den Antisemitismus verbreiten tun will, oder sie einfach ignorieren soll, wird für die Betroffenen sehr kontraproduktiv ausgehen!!!