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Rassismus und Diskriminierung

Bundesweites Meldeportal für Islamfeindlichkeit gestartet

In Deutschland leben Schätzungen zufolge über fünf Millionen Muslime. Viele von ihnen sind im Alltag rassistischen Ressentiments, Diskriminierungen und Übergriffen ausgesetzt. Ein bundesweites Portal will solche Vorfälle nun systematisch erfassen.

Donnerstag, 24.06.2021, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 15.07.2021, 14:56 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

In Deutschland gibt es jetzt ein bundesweites Meldeportal zur Erfassung von antimuslimischen Rassismus. Auf der Internetseite www.i-report.eu können künftig Vorfälle gemeldet werden, die sich gegen Muslime oder als muslimisch gelesene Menschen richten, kündigte die Initiative Claim-Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit am Mittwoch in Berlin an. Den Angaben zufolge handelt es sich um das erste bundesweite Melderegister für islamfeindliche und antimuslimische Übergriffe.

Laut Bundesinnenministerium wurden 2020 in Deutschland 1.026 islamfeindliche Straftaten erfasst. „Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs“, sagte die Projektleiterin der Claim-Allianz, Rima Hanano. Die Dunkelziffer werde von Experten und Expertinnen weitaus höher geschätzt. So würden viele Vorfälle von Behörden nicht als „islamfeindlich“ eingestuft oder von Betroffenen gar nicht erst zur Anzeige gebracht.

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„Wir haben es bei antimuslimischem Rassismus keineswegs mit einem Randphänomen zu tun. Ausgrenzungen, menschenfeindliche Bedrohungen oder Beleidigungen sind für viele Menschen eine alltägliche Erfahrung“, sagte Hanano. Als Beispiele wurden physische und psychische Übergriffe und Diskriminierungen im Bildungsbereich, im Gesundheitswesen, auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt und im öffentlichen Raum genannt.

Zunahme rassistischer Diskriminierungen

Eva Andrades, Geschäftsführerin des Antidiskriminierungsverbandes Deutschland (ADVD), berichtete von einer stetigen Zunahme von Beschwerden wegen rassistischer Diskriminierungen. „Das betrifft antimuslimischen Rassismus. Das betrifft aber auch andere Formen von Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Anti-Schwarzen-Rassismus und jetzt ganz aktuell antiasiatischen Rassismus im Zuge der Corona-Pandemie.“ Diese Vorfälle hätten eines gemeinsam: „Sie verletzen die Menschenwürde. Sie verhindern Teilhabe. Und sie führen dazu, dass das Gleichheitsgebot, was wir eigentlich in unserer Gesellschaft haben, nicht zum Tragen kommen kann“, sagte Andrades.

Ziel des neuen Meldeportals für antimuslimischen Rassismus ist den Angaben zufolge die Schaffung einer Datengrundlage nach einheitlichen Indikatoren. Vorfälle können zum Start des Registers zunächst nur in Deutsch gemeldet werden. In Kürze soll das Angebot auch auf Englisch, Arabisch, Türkisch, Kurdisch und weitere Sprachen erweitert werden.

Aktionswoche gegen antimuslimischen Rassismus

Betroffene sollen über das Portal zudem leichter eine Beratung oder Unterstützungsangebote vermittelt bekommen. Denn bislang wüssten diese oft nicht, an wen sie sich richten können. Ziel der systematischen Erfassung antimuslimischer Vorfälle sei zudem, „dass strukturelle Diskriminierung beseitigt wird“, betonte Andrades.

Anlass für den Start des neuen Melderegisters ist auch die am Donnerstag beginnende Aktionswoche gegen antimuslimischen Rassismus, die bis zum 1. Juli läuft. Am 1. Juli 2009 wurde Marwa El-Sherbini im Landgericht Dresden ermordet, als sie nach einer Zeugenaussage das Gebäude verlassen wollte. Der Mord an der schwangeren, 32-jährigen Pharmazeutin aus Ägypten wurde auch international zum Beispiel dafür, welche Folgen Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus haben können. (epd/mig)

Leitartikel Panorama
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MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)

  1. Levent Öztürk sagt:

    Eine gute Nachricht und mehr als überfällig. All die seit vielen Jahren verübten verheerenden Gewaltattacken und Anschläge, wie in Mölln, Solingen, München, Hanau, Köln-Keupstr., NSU, NSU 2.0 etc. etc. richteten sich stets gegen in Deutschland lebende muslimische Türken. Fragt sich jedoch, ob diese Art der Erfassungen Positives bewirken können. Zumindest würde es zu einer Dokumentierung der Ereignisse führen.

    • rocker sagt:

      Naja es sind nicht nur die Türken oder die Muslime. Das Problem betrifft diejenigen, die als muslimisch oder migrantisch gelesen werden. Diese Systematik wird auch oft von aktivistischen Kreisen genutzt und ich habe lange gebraucht dies zu verstehen. Und diese schrecklichen Dinge, die Sie nennen, sind nur die Spitze des Eisbergs. Alltagsprobleme und Vorfälle gibt es zu Hauff.

  2. rocker sagt:

    Eine sehr gute Sache und längst überfällig. Muslimenfeindlichkeit ist ein ganz großes Problem und stand und steht seit Jahren wie ein Elefant im Raum und wurde von den Medien und Politik bislang nicht wahrgenommen. Viele Politiker und Medien zeigen immer viel Gratismut aber wenn es um diese Gruppe von Menschen geht, dann schweigen. Zu recht wird Antisemitismus bekämpft. Aufgrund unserer Geschichte und unserer Verantwortung ist es auch notwendig. Allerdings gibt es auch diesen berühmten Elefanten im Raum. Es gibt ca. 5 Millionen Muslime hierzulande. Nicht jeder, der als muslimisch gelesen wird, ist auch einer. Jedoch sollte man es ernst nehmen.

  3. Juer sagt:

    Leider wird es kaum was Bringen. Muslime brauchen auf jeden Fall eine anständige und mächtige Lobby wie es etwa beim Zentralrat der Juden ist.

    Gegen all die Hetze von Parteien und Medien wird nix getan