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Rechtsextremisten, Trauermarsch, Chemnitz, Demonstration, Nazis, Neonazis
Der sog. Trauermarsch in Chemnitz (Archiv) © Tim Lüddemann @ flickr.com (CC 2.0), Tim Lüddemann

Demokratiedefizite

Ostbeauftragter fordert deutliche Ansprache an AfD-Wähler

Wenn jeder Dritte in einem Dorf AfD wählt, dann ist es normal, dass der Fußballtrainer im Ort ein Neonazi ist. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung Wanderwitz warnt vor bedrohlichen Zuständen im Osten und fordert eine deutliche Ansprache an AfD-Wähler.

Mittwoch, 23.06.2021, 5:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 22.06.2021, 17:21 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |  

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz, hat erneut vor Demokratiedefiziten in Ostdeutschland gewarnt. 30 Jahre nach der deutschen Vereinigung würden im Osten „in erheblich größerem Maße als in den alten Bundesländern eine rechtsextreme und eine nicht unzweifelhaft demokratische Partei am linken Rand gewählt“, sagte der in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, geborene CDU-Politiker der in Cottbus erscheinenden „Lausitzer Rundschau“. Einige ostdeutsche Parlamente seien deshalb fast unregierbar.

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Neben den Wählern, die die Ansichten dieser Parteien teilen, gebe es zudem viele, die sagten, „ich habe was zum Protestieren, also wähle ich Extremisten“, sagte Wanderwitz: „Weil eine solche Haltung die Demokratie gefährdet, halte ich das Thema für so wichtig, dass wir darüber reden müssen, auch wenn das schwierig ist.“

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Wichtig sei zudem, auch in die einzelnen Orte zu schauen. „Wenn in manchen Dörfern 30 Prozent AfD wählen, ist es dort dann vielleicht auch schon Normalität, dass der Jugendtrainer im Fußballverein ein Neonazi ist“, sagte der Ostbeauftragte der Bundesregierung. In Sachsen erhielt die AfD bei den letzten Landtagswahlen 27,5 Prozent der Stimmen, in Brandenburg und Thüringen jeweils etwa 23,5 Prozent und in Sachsen-Anhalt sowie Mecklenburg-Vorpommern jeweils 20,8 Prozent.

Wanderwitz fordert deutliche Ansprache

„Wenn die AfD jeden Tag mit grobem Klotz auf die demokratischen Parteien eindrischt, muss man da auch mal pointiert drauf antworten“, sagte Wanderwitz: „Wer Extremisten wählt, kann im Gegenzug nicht auch noch eine besonders liebevolle Ansprache erwarten.“

Trotz positiver Entwicklungen im Osten gebe „eine Partei ständig den Brunnenvergifter“. Er denke, dass er die Wähler der AfD im Zweifel eher erreichen könne, wenn er „ihnen mal ziemlich heftig den Spiegel vors Gesicht“ halte. (epd/mig)

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  1. urbuerger sagt:

    Als Westdeutscher habe ich seit der Wiedervereinigung oft erlebt, wie die Ostdeutschen von der westdeutschen Politik eklatant benachteiligt wurden, in vielen ihrer Versuche, eigenständig zu handeln, ausgebremst wurden!

    Mir sind Leute bekannt, die Anfang der 90iger Jahre alles dafür Taten, ihre Arbeitsplätze zu sichern, z.b. in dem sie ihre Handwerksbetriebe, die ja vorher unter staatlicher Aufsicht geführt wurden, am Leben zu halten, in dem die Angestellten die Firma selbstverantwortlich weiterführen wollten und auch führten!
    Aber sie konnten Anträge stellen, bis sie verzweifelt Aufgaben, denn unter Garantie kam ein Erster, kaufte die Firma für eine obligatorische DM und ließ die Firma schließen und gründete eine Zweigstelle seiner Westfirma!

    Wer so auf ein Volk, denn man hätte sich denken müssen, dass die Ostdeutschen Anfangs so denken, ein eigenes Volk zu sein, behandelt, sie quasi als Kinder die unselbständige im Denken und Handeln sind, verortet, der hat die Mentalität der Ostdeutschen, die Jahrzehnte lang unter einer Mangelwirtschaft alles Taten, um durchs Leben zu kommen, nicht einfach als Unmündig abstempeln, so wie das die Regierung Kohl tat!

    Auch als Westdeutscher sehe ich die Sache sehr emotional, so dass ich teilweise gut verstehen kann, dass die Ostdeutschen protestieren, aber was ich nicht verstehe, ist die Tatsache, dass die Ostdeutschen nach 30 Jahren noch immer nicht verinnerlicht haben, dass man nichts erreichen kann, wenn man aus Protest Demokratiefeindliche Partein wählt, die auch gegen die Demokratie im Osten agieren, sogar darauf hoffen, dort mit ihrer Bauernfangerei, einen großen Erfolg einzufahren!

    Schlimm empfinde ich auch, dass die meisten AfD Granden im Osten, keine gebürtigen Ostler sind, sondern abgehalfterte Politiker, die im Westen mit ihren faschistischen und Neonazistischen Ideen nichts werden konnten, nun in den Osten gegangen sind und dort die Unerfahrenheit der Menschen ausnutzen, ihre Menschenverachtenden politischen Ansichten zu verbreiten!
    Da in der DDR jedwede Aufklärung zu den Greultaten der Nazis untersagt war und man über diese Bande Stillschweigen hielt, wissen die wenigsten wahrscheinlich, was sie dort wählen!

    Schuld daran ist aber auch die Bildungspolitik der Regierung, die konsequent den Geschichts und Sozialkunde Unterricht in den Schulen bis auf ein Minimum zurück gefahren hat und somit verhindert hat, dass so wie unsere Jahrgänge in den 60iger bis 90iger Jahren, eine Aufklärung zu der Nazizeit und deren Entstehung erhalten hatte, nun sitzen sehr viele Jahrgänge in einer Blase der Unwissenheit fest, da niemand sich die Mühe macht die Menschen aufzuklären, was im Osten besonders wichtig wäre, aber auch im Westen wieder aufgenommen werden muss, die Geschichte gehört in die Köpfe der jungen Leute, da ansonsten gerade diese in Unwissenheit, Parteien wie die AfD und die Linke wählen!!!

    • Anne sagt:

      Wie kommen Sie darauf, daß im Osten die Kriege im Geschichtsunterricht nicht behandelt wurde. Recherchieren Sie vernünftig und erzählen keinen Müll.

    • rocker sagt:

      Hmm also die meisten Politiker egal welcher Partei im Osten, die Karriere machen, sind aus dem Westen ! Siehe auch Kemmerich, Ramelow usw. Schlimm ! +
      Die in Hamburg geborene Angela Merkel taugt als Vorbild für die Ostdeutschen leider nicht, da sie eine absolute Ausnahme ist.
      Das ist vergleichbar mit irgendeinem Migranten oder jenem mit Migrationshintergrund an der Spitze eines Konzerns.

      Zudem muss man bedenken: Merkel ist promovierte Naturwissenschaftlerin.

  2. rocker sagt:

    Das was Wanderwitz gesagt hat, finde ich sehr problematisch. Einerseits sieht man an den Wahlen vor einigen Wochen, dass vor allem die jungen Menschen AFD gewählt haben. Nun ja Experten sprechen von Vererbung von Leid und Wut. Das heisst: Die Kinder von den Menschen, die die Wende erlebt haben, wurden sozialisiert in solchen Häusern und Wut hat sich vererbt.

    Andererseits muss man ehrlicherweise sagen: Die blühenden Landschaften, die Kohl versprochen hatte, wurden nicht Wirklichkeit. Es gibt im Osten mit wenigen Ausnahmen immer noch viel Arbeitslosigkeit und Benachteiligung.
    Ich, der im Westen lebt, kenne viele Ostdeutsche, die zwischen 25 und 35 sind und diese sind sehr gebildet und qualifiziert und sind aus dem Osten gewandert in den Westen. Aber das können eben nur jene, die entsprechend gebildet sind.