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Armut, Vermögen, Herkunft

Wer ist sozial schwach?

Armut, Vermögen, Herkunft, Bildung, Arbeit. Diese Faktoren bestimmen in Deutschland den sozialen Status einer Person - und sie werden oft vererbt. Eine Übersicht über die wichtigsten Begriffe und wie sie definiert werden.

Von Dienstag, 01.06.2021, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 31.05.2021, 16:02 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Wenn eine Person als „sozial schwach“ oder „sozial benachteiligt“ gilt, sagt dies keinesfalls etwas über ihre sozialen oder gesellschaftlichen Fähigkeiten aus. Vielmehr kommen bei diesen Menschen eine Vielzahl benachteiligender Faktoren in den Bereichen Finanzen, Arbeit, Bildung und Herkunft zusammen.

Armut

Selbst in einem reichen Land wie Deutschland ist nicht jeder Mensch vor Armut geschützt. Hierzulande ist allerdings in der Regel nicht von absoluter, sondern von relativer Armut die Rede. Als absolut arm gilt nach einer Rechnung der Weltbank eine Person, wenn ihr weniger als 1,90 US-Dollar (etwa 1,60 Euro) pro Tag zur Verfügung stehen. Relativ arm ist in der EU jemand, der weniger Einkommen als 60 Prozent des Mittelwerts hat.

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Für einen Ein-Personen-Haushalt lag die Armutsgefährdungsschwelle in Deutschland 2019 bei 1.074 Euro, bei einem Zwei-Personen-Haushalt bei 2.256 Euro. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leben nach dieser Definition 15 Prozent aller Menschen in Deutschland unter dieser Schwelle. Von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind rund 17 Prozent der Bevölkerung.

Vermögen

Obwohl das gesamte Nettovermögen in Deutschland 2017 dem Sozio-ökonomischen Panel zufolge bei rund 7,8 Billionen Euro lag, haben davon nicht alle etwas. Insgesamt 14,5 Prozent der Erwachsenen hatten demnach kein persönliches Vermögen, 6,4 Prozent waren sogar verschuldet. Die ärmsten zehn Prozent der Bevölkerung hatten durchschnittlich Nettoschulden in Höhe von rund 13.000 Euro.

Herkunft

Wo eine Person oder ihre Familie herkommt, hat einen großen Einfluss auf ihren sozialen Stand. In Westdeutschland war das Vermögen beispielweise 2017 im Schnitt mehr als doppelt so hoch wie das in Ostdeutschland. Wie der Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit 2020 zeigt, sind die Einkommen im Osten im Schnitt wesentlich niedriger als im Westen.

Personen mit Migrationshintergrund sind deutlich stärker von Armut gefährdet, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Im Jahr 2019 waren es 27,8 Prozent und somit fast 13 Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung.

Generell hängt der soziale Status einer Person von dem der Vorfahren ab. Das zeigt eine Studie des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW). Durchschnittlich 60 Prozent der für den sozialen Status einer Person maßgeblichen Faktoren werden demnach von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Ein Zusammenhang sei selbst nach vier Generationen noch erkennbar.

Bildung

Menschen mit einem hohen Bildungshintergrund laufen nicht nur seltener Gefahr zu verarmen und haben mehr Vermögen, sie bestimmen auch wesentlich den Bildungsweg ihrer Kinder mit. Dies zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes.

Vor zwei Jahren hatten 67,1 Prozent der Schüler an Gymnasien Eltern mit Abitur oder einer Fachhochschulreife. 5,9 Prozent der Gymnasiasten hatten Eltern mit einem Haupt- oder Volkschulabschluss. Bei Kindern und Jugendlichen auf Hauptschulen zeigte sich ein gegenteiliges Bild. Dort hatten 41,7 Prozent der Eltern einen Haupt- oder Volksschulabschluss und 16,3 Prozent Abitur oder Fachhochschulreife. Bildungsarmut wird Untersuchungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge in Deutschland vererbt.

Arbeit

Die Gewerkschaften kritisieren schon lange die prekären Arbeitsbedingungen vieler Menschen in Deutschland. Darunter fallen Personen in sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Zu diesen gehören Leih- und Zeitarbeit, Minijobs, Teilzeitbeschäftigung unter 20 Stunden sowie befristete Verträge. Zum Stichtag 1. Januar 2019 arbeiteten nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes rund 7,3 Millionen Menschen in solchen Verhältnissen.

Gefährlich ist das, weil die Beschäftigten ihren Lebensunterhalt oft nicht finanzieren können. Zudem fallen sie vielfach aus den sozialen Sicherungssystemen heraus oder zahlen nur wenig ein. Dies erhöht das Armutsrisiko im Alter. (epd/mig)

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  1. urbuerger sagt:

    Aus eigener Erfahrung weiß ich genau, wie schwer es ist, in diesem Land Kinder durch die Bildungseinrichtungen zubekommen, so dass sie die für sie beste Ausbildung bekommen können, selbst wenn sie einen hohen IQ haben!

    Aus erster Ehe hatte ich eine Stieftochter, eine eigene Tochter und einen Sohn!
    Alle drei sind sehr begabt, die mittlere Tochter sogar mit einem IQ von 139 sehr begabt!

    Trotzallem wurde immer nur darauf geachtet, was ich als Vater verdiene und welches Vermögen ich besitze!
    Da ich als Erwerbsminderungsrentner, dazu geworden,als vor 22 Jahren eine Erbkrankheit ausgebrochen ist und erstmalig erkannt wurde!
    Davor hatte ich in Durchschnitt ein um den Faktor 5 höheres Einkommen, als das heutige Einkommen zur relativen Armut!

    Auch ein gewisses Vermögen war vorhanden, welches aber sehr schnell zusammenschrumpfte, um diverse Behandlungen und Therapien zu machen, die von den Krankenkassen und der Rentenversicherung nicht getragen wurden!

    Letztendlich fehlte mir nun genug dieses Vermögen, meine Kinder durch die Schulen, auf eine Universität zu bringen!

    Aus diesem Grund sind meine Kinder nach ihren Abi Abschlüssen zurück in ihrGeburtsland gezogen, in dem ich mit ihrer Mutter verheiratet war und die Kinder dort geboren wurden, so dass sie alle einen Pass des Landes hatten!

    Auch dort müsste ich jeden Cent den ich noch besaß, bzw. als Einkommen hatte, sprich Rente, angeben damit die Kinder dementsprechend bezuschusst wurden!

    Nach dem sie dort ihre Studien beendet hätten, sind sie dort geblieben, weil sie erkannt haben, dass sie dort besser aufgehoben sind als in Deutschland, da sie ja irgendwann auch eine Familie gründen wollten, inzwischen auch haben!
    Dort gibt es mehr Kita Plätze und Betreuungsplätze auch für Kleinkinder, so dass meine beiden Töchter jetzt ihre Karrieren verfolgen können, ihre sehr geringen Studiendarlehen zurück zahlen und sich ein gutes Leben machen können, da ihre Kinder sicher betreut werden und später eine gute Ausbildung bekommen werden!

    Nicht so in Deutschland, hier geht es ausschließlich um Geld und Status der Eltern, nur sehr wenige, meist auf dem Lande, wo noch andere Kriterien wichtiger sind, als nur das Vermögen, schaffen es noch einige, gut in das Studium zu kommen, ohne das Papa und Mama sich Nackig machen müssen und Unterumständen auch bleiben müssen, bis die Kinder eventuell eine gute Ausbildung erhalten haben!

    Wie es mit Migranten Kindern läuft weiß ich aus Erfahrungen mit den Nachbarn und dort sieht es noch schlechter aus!

    Allerdings kenne ich davon zu wenig,um dabei ernsthaft miteden zu können!
    Eines sollte ber jedem Bewusst sein, wir werden unseren Lebensstandard nicht mehr lange halten können, wenn die Bildungschancen für alle Kinder nicht massiv angehoben werden, natürlich auch der Migrantenkinder!!!