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Weltbank

Überweisungen von Migranten blieben trotz Corona stabil

Rücküberweisungen von Migranten an Angehörige in ärmeren Ländern sind trotz Corona-Krise nur leicht gesunken. Allerdings wurden nach Afrika deutlich weniger überwiesen. Das geht aus Zahlen der Weltbank hervor.

Mittwoch, 19.05.2021, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 18.05.2021, 17:22 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Trotz der Corona-Pandemie sind die Rücküberweisungen von Migranten an Angehörige in ärmeren Ländern nach Weltbank-Angaben auf hohem Niveau geblieben. 2020 hätten Migranten 540 Milliarden US-Dollar (447 Milliarden Euro) an ihre Familien in Entwicklungs- und Schwellenländern geschickt, acht Milliarden weniger als im Jahr davor, teilte die Weltbank Mitte vergangener Woche in Washington mit. Der Rückgang um 1,6 Prozent ist weit weniger stark als erwartet. Die Weltbank hatte mit einem starken Einbruch gerechnet, weil viele Migranten Jobs in wohlhabenden Ländern verloren.

Die privaten Überweisungen blieben angesichts der schwierigen Lage vieler Familien weltweit eine entscheidende Lebensader für die Armen und Verwundbaren, sagte der Weltbank-Direktor für sozialen Schutz, Michal Rutkowski. Weltweit sind Menschen auf das Geld von Verwandten oder Bekannten angewiesen, die im Ausland arbeiten, um Schulbücher, Ärzte oder Reis, Öl und Hirse zu bezahlen. Auch viele Staaten sind auf die Devisen aus den sogenannten Remittances angewiesen, um die Rechnungen für den Import wichtiger Güter begleichen zu können.

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Afrika verzeichnet starken Rückgang

Allerdings ergaben die einzelnen Weltregionen ein unterschiedliches Bild. Laut Weltbank stiegen die Überweisungen nach Lateinamerika um 6,5 Prozent, nach Südasien um 5,2 Prozent und nach Nahost und Nordafrika um 2,3 Prozent. Dagegen fielen die Geldsendungen nach Ostasien und in die Pazifikstaaten (minus 7,9 Prozent) sowie nach Zentralasien (minus 9,7 Prozent). Auch für Afrika südlich der Sahara wurde ein Minus von 12,5 Prozent registriert, was aber allein auf einen Rückgang der Überweisungen nach Nigeria um 28 Prozent zurückzuführen sei. Ohne Nigeria wiesen die afrikanischen Staaten ein Plus von 2,3 Prozent auf, hieß es.

Die Weltbank betonte, dass der Rückgang der gesamten Rücküberweisungen im Corona-Jahr 2020 geringer ausfiel als bei der Finanzkrise 2009, als er 4,6 Prozent ausmachte. Andere Kapitalflüsse in arme Länder schrumpften dagegen auch 2020 beträchtlich. So fielen die ausländischen Direktinvestitionen in Entwicklungs- und Schwellenländer (ohne China) 2020 um 30 Prozent auf 259 Milliarden Dollar. Indes überflügelten die Überweisungen der Migranten auch wieder die gesamte öffentliche Entwicklungshilfe bei weitem, die im vergangenen Jahr 179 Milliarden Dollar ausmachte.

Stabile Wirtschaft in reichen Ländern

Als Gründe für die stabilen privaten Geldsendungen in die Heimat vermuten die Weltbank-Experten die relativ gute Wirtschaftsentwicklung dank der Stützungsmaßnahmen in wohlhabenden Ländern, Wechselkurs- und Ölpreisschwankungen sowie einen Trend zu digitalen und formalen Geldtransfers. Wieviel Geld zusätzlich auf informellen Wegen in Entwicklungsländer gelangte, bleibe unklar, hieß es.

Kritisch sehen die Weltbank-Experten weiter die Transferkosten. Im Durchschnitt waren nach ihren Angaben bei der Überweisung von 200 Dollar 6,5 Prozent Gebühren zu zahlen. Dies sei mehr als doppelt so hoch wie das erwünschte Limit von maximal drei Prozent. (epd/mig)

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