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Euro-Münzen (Symbolfoto) © Alexas_Fotos @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Corona-Krise

Arbeitsmigranten überweisen weniger Geld in die Heimat

In vielen Ländern leiden Arbeitsmigranten unter der Corona-Krise. Daher können sie nicht mehr so viel Geld in ihre Heimat schicken wie bisher. Ihren Familien fehlt das Geld, um die Pandemie zu überstehen.

Von Mittwoch, 17.03.2021, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 16.03.2021, 14:25 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Geld für Schulbücher, den Arztbesuch oder für Reis, Öl und Hirse: Weltweit sind Menschen in armen Ländern auf das Geld von Verwandten oder Bekannten angewiesen, die im Ausland arbeiten. Doch diese Überweisungen fallen nun vielerorts knapper aus, denn wegen der Corona-Pandemie können Arbeitsmigranten weniger Geld in ihre Heimat schicken. „Das kann zu harten Einbußen in ärmeren Ländern führen“, warnt Felix Braunsdorf, Referent für Migration und Entwicklung bei der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung.

Im Jahr 2020 sind die sogenannten Rücküberweisungen (Remittances) so stark gesunken wie nie zuvor, schätzt die Weltbank. Demnach haben Arbeitsmigranten etwa 508 Milliarden US-Dollar (427 Milliarden Euro) in Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen überwiesen, ein Rückgang um 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In diesem Jahr könnten die Rücküberweisungen laut Weltbank-Prognose um weitere 7,5 Prozent sinken.

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Das liegt vor allem an den Grenzschließungen und der pandemiebedingten Wirtschaftskrise, unter der die weltweit mehr als 270 Millionen Migranten besonders leiden. So mussten sie laut Weltbank in vielen Ländern höhere Einkommenseinbußen hinnehmen als einheimische Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Und sie wurden oft von staatlichen Hilfsleistungen ausgeschlossen. „Migranten, die im informellen Sektor arbeiten, trifft die Krise am härtesten“, sagt Braunsdorf.

Entwicklungsländer auf das Geld angewiesen

Allerdings sind die Rücküberweisungen im vergangenen Jahr nicht so stark gesunken, wie zunächst angenommen. Zu Beginn der Pandemie hatte die Weltbank einen Einbruch um 20 Prozent prognostiziert. Dass die Rücküberweisungen nun um rund zwölf Prozentpunkte weniger gesunken sind, hat verschiedene Gründe. Unter anderem hätten viele Migranten in den Sommermonaten Ersparnisse in ihre alte Heimat geschickt, heißt es im Weltbank-Bericht. Doch langfristig könne der Rückgang dadurch nicht kompensiert werden.

Viele Entwicklungs- und Schwellenländer sind auf das Geld aus dem Ausland angewiesen. Seit den 1990er Jahren sind die Rücküberweisungen in Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen kontinuierlich gewachsen. Insgesamt übersteigt ihre Summe die gesamte öffentliche Entwicklungshilfe (2019: 153 Milliarden Dollar) um ein Vielfaches. Daran wird aller Voraussicht nach auch der Rückgang während der Pandemie nichts ändern. Im Libanon, dem Südsudan und Haiti entsprechen die Überweisungen von Arbeitsmigranten mehr als 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Rücküberweisung ist Entwicklungshilfe

Fachleute attestieren den Rücküberweisungen einen entwicklungspolitischen Mehrwert. „Das Geld wird oft für Schulbücher, den Arztbesuch oder auch Lebensmittel ausgeben“, sagt Benjamin Schraven vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik. „Die Überweisungen aus dem Ausland verbessern das Leben der Menschen vor Ort“, sagt auch Migrationsexperte Braunsdorf.

In Ländern mit schwachem Sozialsystem seien sie zudem ein finanzieller Puffer, um Krisen zu überstehen. Ein Puffer, den Menschen in armen Ländern jetzt auch brauchen, um durch die Corona-Krise zu kommen. Zum Beispiel in Afrika südlich der Sahara: Dort hat die Pandemie bis zu 40 Millionen Menschen zusätzlich in die Armut gestürzt, schätzt die Weltbank. Mit einem Minus von knapp neun Prozent sind die Rücküberweisungen zwar auch hier schwächer gesunken als erwartet. Doch selbst der moderatere Rückgang macht sich in der Krise bemerkbar.

Versicherungsmechanismus greift nicht

„Normalerweise schicken Arbeitsmigranten während solcher wirtschaftlicher und humanitärer Krisen, wie wir sie jetzt erleben, mehr Geld in ihre alte Heimat“, sagt Tabea Lakemann, Entwicklungsökonomin am Hamburger Giga-Institut. Doch weil es vielen afrikanischen Arbeitsmigranten in Europa oder den USA schlechter gehe, greife dieser Versicherungsmechanismus nun weniger.

Zwar versuchten viele afrikanische Regierungen, die Krisenfolgen durch Transferzahlungen auszugleichen, aber für weitreichende Maßnahmen fehle ihnen der finanzielle Spielraum: „Die Rücküberweisungen werden eigentlich jetzt gebraucht.“ (epd/mig)

Leitartikel Wirtschaft
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