Indien, Flagge, Fahne, Staat, Land
Die indische Flagge © Mike Prince @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Fastenbrechen per Zoom

In Indien fällt Ramadan vielerorts zum zweiten Mal in den Lockdown

Dass auch in diesem Jahr Einschränkungen während des Ramadans gelten, war für viele Muslime in der indischen Stadt Mumbai zunächst schwierig. Doch der befürchtete Versorgungsengpass ist ausgeblieben. Fasten gebrochen wird also - auch per Zoom.

Von Mittwoch, 12.05.2021, 5:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 11.05.2021, 15:49 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Mumbai. „Der Monat Ramadan ist für mich sehr besonders“, sagt Sana Sayyad. Die 28-Jährige lebt in Santa Cruz, einem Vorort der indischen Metropole Mumbai, wo sie ein zurückgezogenes Leben führt und sich vor allem um ihre Familie kümmert. Die Einschränkungen im öffentlichen Leben durch die Corona-Krise hätten auf sie daher keinen so großen Einfluss. Die gläubige Muslimin nimmt es mit Fassung, dass der Fastenmonat im zweiten Jahr in Folge in einen Lockdown fällt. Ein paar Tage nachdem er begann, wurde klar, dass die Lokalregierung die Corona-Restriktionen verschärft, da die Fälle in Indien wie auch in Mumbai weiter stiegen.

Seit Wochen haben Lebensmittelgeschäfte nur noch von sieben bis elf Uhr morgens geöffnet. Viele andere Läden mussten längst schließen. Dafür verzeichnet Mumbai nun weniger Krankheitsfälle. „Ich hege keineswegs Groll auf die Regierung, dass sie eine Ausgangssperre verhängt hat“, sagt Sayyad. Ihre Sorge, dass es zu Versorgungsengpässen kommen könnte, hat sich nicht erfüllt. Doch die Einschränkungen werden über das zweitägige Zuckerfest hinaus dauern, das in Indien am Donnerstag beginnt und mit dem Muslime das Ende des Ramadans feiern.

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Viele Bundesstaaten mussten bei derzeit über 360.0000 täglichen Corona-Neuinfektionen und 3,7 Millionen aktiven Covid-19-Fällen die Notbremse ziehen. Auch anderorts wurde die Zeit verkürzt, in der Verkäufer Datteln, Mangos, Granatäpfel und andere süße Köstlichkeiten verkaufen können. In den Basar-Straßen wie in Mumbais Stadtteil Bandra ist es ebenfalls ruhiger geworden. Küchenleiter Khozema Hossein, der nur ein paar Straßen weiter wohnt, geht weiter zur Arbeit. Er ist Teil einer muslimisch-schiitischen Minderheit, die in der Metropole schätzungsweise 200.000 Menschen umfasst.

Moscheen meist geschlossen wegen Corona

Solange er hier die Gemeinschaftsküche der Dawoodi-Bohra-Moschee betreiben darf und die Märkte für frische Zutaten geöffnet sind, wird gekocht, sagt Hossein. Die Küche und die Essensausgabe für Gemeindemitglieder, die eigentlich das ganze Jahr über offen ist, befinden sich neben der geschlossenen Moschee im Hinterhof. Während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr mussten sie schließen. Statt Essen wurden Lebensmittel verteilt. Seitdem waren auch die Moscheen – zumindest in Mumbai – kaum mehr als ein paar Monate offen.

Während des Ramadans beginnt Hosseins Dienst nun später als gewöhnlich. Sonst stehen die Männer ab 3 Uhr morgens am Schneidebrett und liefern bis mittags Essen aus. Doch derzeit wird erst nach Sonnenuntergang gegessen. Tagsüber fasten die gläubigen schiitischen Bohras genauso wie Angehörige der sunnitischen Glaubensrichtungen. Das kann bei Temperaturen von über 30 Grad körperlich anstrengend sein, sei aber eine Sache der Gewohnheit, betont Hossein.

Fastenbrechen per Zoom

Kontakt zu Verwandten und Gemeindemitgliedern, der im Ramadan noch wichtiger ist als sonst, halten Hosseins wie andere Familien beispielsweise über gemeinsames Essen zum Fastenbrechen oder per Zoom. Doch die bekannten Gerichte der Gemeinschaftsküche werden nicht nur unter Gemeindemitgliedern verteilt. Sie versorgen auch Bedürftige, die an die Ausgabe kommen. In diesen Tagen verteilten Moscheen in und um Mumbai aber nicht nur Essen. Sie verteilten außerdem medizinischen Sauerstoff an Covid-19-Patienten.

Zu Beginn der Fastenzeit waren nicht alle Muslime glücklich über die Einschränkung, dass Moscheen weiter geschlossen bleiben. Aber viele wie Shees Qureshi sehen die Notwendigkeit. Ein Fastengebet in der Moschee werde es in diesem Jahr leider nicht geben. „Im Moment ist die Situation zu kritisch.“ Aber vielleicht werde die Lage bis zum Opferfest im Juli besser. (epd/mig)

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