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Impfstoff (Symbolfoto) © alirazagurmani9272 @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Corona-Pandemie

Intensivmediziner fordern verstärktes Impfen in wirtschaftlich schwachen Stadtteilen

Ärzte und Kommunen mahnen, soziale Brennpunkte beim Impfen stärker in den Blick zu nehmen. Ärztegewerkschaft fordert gezielte und mehrsprachige Ansprache und wirft dem Bund Versäumnisse vor. Mazyek lobt Moscheegemeinden beim Kampf gegen die Pandemie.

Dienstag, 04.05.2021, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 03.05.2021, 16:56 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Intensivmediziner haben Länder und Kommunen aufgefordert, verstärkt in wirtschaftlich schwachen Stadtteilen gegen das Coronavirus zu impfen, um die Krankenhäuser zu entlasten. „Auf den Intensivstationen liegen überdurchschnittlich viele Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten, Menschen mit Migrationshintergrund und sozial Benachteiligte“, sagte der wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Auch die Städte und Kommunen sprachen sich für mobile Impfteams aus.

Um die Menschen aus ärmeren Schichten besser zu schützen und die Intensivstationen zu entlasten, sollten Kommunen mobile Impfteams in die wirtschaftlich schwachen Stadtteile schicken, sagte Karagiannidis. „Das würde eine Menge bringen, denn das Impftempo ist derzeit vielversprechend“, sagte Karagiannidis. „Bleibt es so hoch und impfen wir jetzt noch gezielter, bekommen wir im Rennen gegen das Virus in absehbarer Zeit die Oberhand.“

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Mazyek für verstärktes Impfen

Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, Ayman Mazyek, sieht keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und dem Corona-Infektionsrisiko. In der Tat gebe es in wirtschaftlich schwachen Stadtteilen mit hohem Migrantenanteil hohe Inzidenzen, das habe aber nicht mit der kulturellen Herkunft oder der Religion der Menschen zu tun, sondern mit Armut sowie prekären Arbeits- und Wohnverhältnissen, sagte Mazyek am Montag im Deutschlandfunk. Wichtig sei es deshalb, verstärkt in die armen Wohnviertel der Ballungsgebiete zu gehen, um die Menschen dort zu impfen, etwa mit Hilfe von Impfbussen, erklärte Mazyek. Impfteams sollten dabei mehrsprachig sein.

Auch als es in den sächsischen Grenzgebieten zu Tschechien zu einem Anstieg der Inzidenzen gekommen sei, habe man dort prioritär geimpft, sagte der Zentralratsvorsitzende. Das gleiche müsse nun in sozial benachteiligten Stadtteilen passieren. Mazyek hob hervor, dass der Kampf gegen Corona in den deutschen Moscheegemeinden „eine Erfolgsgeschichte“ sei. Auf die Unversehrtheit der Menschen zu achten, sei im Islam ein göttliches Gebot, betonte er. Deshalb hätten die Gemeinden die Hygieneregeln streng umgesetzt, auch im Ramadan. „Die Religion ist nicht Teil des Problems, sondern der Lösung“, sagte Mazyek.

Bund hat Hausaufgaben nicht erledigt

Auch die Ärztegewerkschaft Marburger Bund stellt sich hinter Überlegungen für schnellere Corona-Impfungen in wirtschaftlich schwachen Stadtvierteln und fordert bessere Informationsangebote für Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. „Mit ein paar mehrsprachigen Informationen auf einer Internetseite ist es nicht getan, um diejenigen anzusprechen, die der deutschen Sprache nicht so mächtig sind“, mahnte die Marburger-Bund-Vorsitzende Susanne Johna.

Die bisherigen Informationsangebote für Nichtmuttersprachler, vor allem auch deren Präsenz im öffentlichen Raum, seien „völlig unzureichend“. Dabei habe der Bund „seine Hausaufgaben noch nicht erledigt“, kritisierte Johna.

Städtetag fordert größere Anstrengungen

Auch der Deutsche Städtetag forderte größere Anstrengungen. „Soziale Unterschiede dürfen nicht dazu führen, dass ein Teil der Menschen abgehängt wird, weil für sie der Zugang zu Impfungen zu schwer ist“, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Um mehr Menschen individuell anzusprechen, müssten auch mobile Impfteams stärker eingesetzt werden.

Viele Städte hätten bereits ihre Anstrengungen verstärkt, in sozial benachteiligten Quartieren intensiver über die Einhaltung von Hygienevorgaben zu informieren. „Nun geht es darum, auch das Impfen den Menschen dort stärker nahezubringen“, sagte Dedy. (epd/mig)

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