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Muezzinruf an der Duisburger Ditib-Moschee zum Ramadan © youtube

„Praxisfern“

Dänemark plant Übersetzungspflicht für ausländische Predigten

Nach dem Willen der dänischen Regierung sollen in Zukunft alle Predigten in ausländischer Sprach ins Dänische übersetzt werden. Über ein entsprechendes Gesetz soll im März abgestimmt werden. Religionsgemeinschaften kritisieren die Pläne als „undemokratisch und praxisfern“.

Mittwoch, 24.02.2021, 5:19 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 22.02.2021, 15:33 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Das dänische Parlament will in der zweiten Märzhälfte darüber entscheiden, ob künftig alle anderssprachigen Predigten, die im Land gehalten werden, ins Dänische übersetzt werden müssen. Wie die „Evangelische Zeitung“ in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, ist es Ziel des Regierungsvorschlags, die Inhalte von Predigten in ausländischer Sprache transparenter zu machen.

Dänemarks sozialdemokratische Regierung will damit gegen sogenannte „islamistische“ Hassprediger vorgehen, die in dänischen Moscheen auf Arabisch demokratische Grundwerte kritisierten. Betroffen wären auch deutschsprachige Kirchengemeinden nördlich der Grenze.

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„Undemokratisch und praxisfern“

Nach dem aktuellen Gesetzentwurf müssten auch die Nordschleswiger Pastoren sämtliche Predigten übersetzen und an das dänische Kirchenministerium senden. „Allein der praktische Aufwand ist kaum zu stemmen“, sagt der Pastor von der Kirche Nordschleswig, Matthias Alpen. Er kritisierte zudem, dass sämtliche Glaubensgemeinschaften Dänemarks mit nichtdänischen Predigten durch das Gesetz über einen Kamm geschoren werden. „Es könnte der Eindruck entstehen, es gäbe einen Generalverdacht“, sagte Alpen.

Die deutsch-dänische Kieler Pastorin Annie Lander-Laszig bezeichnet den Gesetzentwurf als „undemokratisch und praxisfern“. Alle übersetzten Predigten müsse schließlich auch jemand lesen, sonst mache es keinen Sinn. „Wer soll das leisten? Es ist absurd“, sagte Lander-Laszig, die Ehrenvorsitzende der Deutsch-Dänischen Gesellschaft ist. Sie befürchtet „katastrophale Folgen“ für die deutsch-dänische Beziehung, wenn das Gesetz in Kraft tritt.

Muslime sehen Verfassungsbruch

Kritik an den Gesetzesplänen kommt auch von der Islamischen Gemeinschaft in Dänemark. Das Vorhaben verstoße gegen Artikel 96 der dänischen Verfassung. Es gebe Moscheegemeinden, die nicht die Mittel und Möglichkeiten hätten, alle Predigten ins Dänische zu übersetzen. Für Sie käme die Verpflichtung einem Verbot gleich. Der Gesetzesvorlage zufolge dürften in diesen Fällen keine Predigten gesprochen werden.

Deutsche und dänische Bischöfe hatten den Plan der dänischen Regierung bereits im November mit einem gemeinsamen Brief an mehrere Minister scharf kritisiert. Der Schleswiger Bischof Gothart Magaard und seine dänischen Kollegen aus Hadersleben, Ripen und Kopenhagen erklärten, eine solche Gesetzgebung bringe ein hohes Maß von Misstrauen gegenüber der Sprachtradition der Minderheit zum Ausdruck.

300.000 Muslime in Dänemark

Von den 5,8 Millionen Einwohnern Dänemarks sind knapp über fünf Prozent (etwa 300.000) Muslime. Diese wiederum sind etwa zu rund 70 Prozent dänische Staatsbürger. Die meisten von ihnen sind einst als Einwanderer in das Land gekommen.

Die deutsche Volksgruppe im dänischen Nordschleswig ist vergleichsweise kleiner und umfasst heute etwa 15.000 Mitglieder. Sie unterhält eigene Kindergärten, Schulen und Büchereien und gibt eine eigene Tageszeitung heraus. Die deutsche Kirche in Nordschleswig gliedert sich in fünf Pfarrbezirke und 30 Kirchengemeinden. Der dänischen Minderheit im deutschen Landesteil Schleswig gehören etwa 50.000 Menschen an. (epd/mig)

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