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Hakan Demir © Foto: Jannis Chavakis, Zeichnung: MiG

Von Neukölln in den Bundestag?

„Erinnern heißt verändern“

Hakan Demir ist Enkel von Gastarbeiter:innen und tritt für den Bundestag an. Er nimmt uns alle zwei Wochen mit auf seine Reise „von Neukölln in den Bundestag?“ Heute erinnert er an die neun Menschen, die in Hanau ermordet wurden.

Von Montag, 22.02.2021, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 22.02.2021, 1:49 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Tausende von Menschen waren allein in Berlin auf den Straßen. Sie haben der neun Menschen in Hanau gedacht, die am 19. Februar 2020 von einem Rechtsextremen ermordet wurden. Ihre Namen:

Gökhan Gültekin
Sedat Gürbüz
Said Nesar Hashemi
Mercedes Kierpacz
Hamza Kurtović
Vili Viorel Pāun
Fatih Saraçoğlu
Ferhat Unvar
Kaloyan Velkov

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In den vergangenen Tagen fanden in Neukölln zwei Gedenkveranstaltungen und eine Demonstration statt. Die Solidarität war sehr groß, aber auch die Wut.

Erinnern heißt verändern.

„Ich habe schon als Kind gelernt, dass es Hass und Hetze gibt – und dass er sich gegen Menschen richtet, die so sind wie ich. Es folgten die NSU-Morde, die Morde an Burak Bektaş und Luke Holland in Neukölln, die Morde in Halle und vor einem Jahr dann in Hanau. Machen wir uns nichts vor: Es ist ein roter Faden – seit über 30 Jahren.“

Ich bin 1986 im Alter von eineinhalb Jahren mit meiner Mutter im Rahmen der Familienzusammenführung nach Deutschland gekommen. Ich bin hier aufgewachsen, zur Schule gegangen. Im Kindesalter haben sich die verbrannten Gebäude von Mölln und Solingen in meiner Seele festgesetzt.

Ich habe schon als Kind gelernt, dass es Hass und Hetze gibt – und dass er sich gegen Menschen richtet, die so sind wie ich. Es folgten die NSU-Morde, die Morde an Burak Bektaş und Luke Holland in Neukölln, die Morde in Halle und vor einem Jahr dann in Hanau.

Machen wir uns nichts vor: Es ist ein roter Faden – seit über 30 Jahren.

Es reicht. Wir wollen keinen Hass mehr. Wir wollen keine Hetze mehr. Der Staat muss alle schützen.

Vergangene Woche haben sich in Neukölln mehrere Menschen zu einer Kundgebung im Gedenken an Burak Bektaş versammelt. Er wäre am 14. Februar 31 Jahre alt geworden – und wurde 2012 ermordet.  Dabei hatte ich die Gelegenheit, mit seiner Mutter zu sprechen. Es war sehr bewegend. Was sagt man eigentlich einer Mutter, die ihr Kind verloren hat?

Nach langem Zögern fragte ich sie, ob wir etwas für sie tun können. Ihre kurze Antwort: „Bitte findet den Mörder von meinem Sohn!“

Es ist mit das Schlimmste, wenn zu der Trauer noch unbeantwortete Fragen kommen. Das gilt auch für die neun Familien in Hanau.

Warum ist es überhaupt zu den Morden gekommen?
Warum konnte der Mörder Waffen besitzen?
Warum war die Notrufzentrale nicht besetzt?

Erinnern heißt verändern!

Wir brauchen die Erinnerung, um die notwendigen Schritte zu Aufklärung, Gerechtigkeit und Konsequenzen gehen zu können. Wir brauchen die Erinnerung, um uns in unserem Alltag, durch zivilgesellschaftliches Engagement und in der Politik gegen Hass und Hetze einzusetzen. Und wir brauchen die Erinnerung, um gemeinsam eine Gesellschaft zu schaffen, in der wir uns alle gleichwertig fühlen können – für Buraks Mutter und für all jene, die Antworten und Sicherheit verdienen.

Meinung
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