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Nairobi/Kenia © ninastock @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Corona-Pandemie

Verschleppter Impfstart im südlichen Afrika

Wann die ersten Impfdosen ankommen, ist nicht klar. Wie viele es sein werden und ob sie überhaupt reichen, auch nicht. Im südlichen Afrika kommt die Immunisierung gegen Corona schwer in die Gänge.

Von Dienstag, 02.02.2021, 5:19 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 01.02.2021, 17:04 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Desmond Tutu wirbt für die Impfung. Er werde den Corona-Impfstoff sofort nutzen, „sobald er mir zugänglich ist“, erklärte der emeritierte südafrikanische Erzbischof. Mit dem angefügten Halbsatz legt aber auch den Finger in die Wunde: den verschleppten Impfstart. Denn ab wann genau gegen Covid-19 geimpft werden wird, ist in allen Ländern im südlichen Afrika unklar.

„Zu wenig, zu spät“, ist das zusammenfassende Urteil des südafrikanischen Impfexperten Shabir A. Madhi zum Impfbeginn in seiner Heimat. Der Direktor des medizinischen Forschungsinstituts SAMRC an der Universität Witwatersrand schreibt im Online-Redaktionsverbund „The Conversation“, dass Südafrika schlecht vorbereitet sei und zu spät auf eigene Faust Impfstoffe bestellt habe. Stattdessen habe sich die Regierung zu lange auf das Beschaffungsprogramm der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verlassen. Die Impfpolitik Südafrikas sei ein „Gewurstel“. Die 60-Millionen-Einwohner-Nation ist mit 1,34 Millionen bestätigten Infektionen und mehr als 38.000 Todesopfern das am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Land in Afrika.

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Über eine Initiative der AU wurden für Afrika insgesamt 270 Millionen Impfdosen beschafft, wie der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa erklärte, der zurzeit auch Vorsitzender der Afrikanischen Union (AU) ist. Das reicht für rund zehn Prozent der Bevölkerung. 50 Millionen Dosen stünden zwischen April und Juni zur Verfügung, kündigte Ramaphosa an. Zusätzlich 600 Millionen Dosen sollen ärmeren Ländern über das eigens zu diesem Zweck geschaffene WHO-Programm zukommen, doch auch damit ist frühestens ab März zu rechnen. Außerdem wären damit lediglich rund 20 Prozent der afrikanischen Bevölkerung zu immunisieren.

Liefertermin unbekannt

Von der AU-Initiative soll ein großer Teil der Dosen an Südafrika gehen. Der namibische Gesundheitsminister Kalumbi Shangala sagte derweil, er wisse nicht, wie viele Impfdosen er aus dem AU-Vorrat erhalten werde, auch der Liefertermin sei ihm unbekannt.

In anderen Staaten mit niedrigen Einkommen wie Sambia, Simbabwe, Malawi und Mosambik ist unklar, ob sie bis März auf Impfkampagnen vorbereitet sein können. Der malawische Präsident Lazarus Chakwera bat vergangene Woche um 220 Millionen US-Dollar an Nothilfe, allein um Hunderte Behandlungszentren einzurichten und Schutzkleidung zu beschaffen, von den Impfkosten ganz zu schweigen.

Gesundheitssektor kaputtgespart

Simbabwe könnte nach Informationen des Nachrichtenportals „newZWire“ angeblich schon im Februar eine erste Impfstoff-Lieferung erhalten. Man sei dabei, die Verteilung des Stoffes und die Ausbildung im Gesundheitsdienst vorzubereiten, teilte der stellvertretende Gesundheitsminister John Mangwiro mit. Doch der Gesundheitssektor des Landes ist derart kaputtgespart und desolat, dass viele Simbabwer den offiziellen Angaben keinen Glauben schenken.

In Mosambik bezweifeln viele Menschen, dass sie vor 2023 geimpft werden. „Erstmal kommt das Zentralkomitee der Regierungspartei Frelimo an die Reihe“, sagt ein Café-Besucher in Maputo, der seinen Namen nicht veröffentlicht wissen möchte. Dann sei die Reihe an den Millionen Parteimitgliedern und ihren Familien, dem Sicherheitssektor sowie dem Gesundheitsdienst. Und erst dann werde die allgemeine Bevölkerung berücksichtigt. Das Misstrauen in der Bevölkerung gegenüber der staatlichen Corona-Strategie ist deutlich. (epd/mig)

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