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NSU 2.0 (Symbolfoto) © MiGAZIN

„NSU 2.0“

Bedrohte Anwältin Başay-Yıldız setzt Belohnung aus

Seit über zwei Jahren fahndet die Polizei nach den anonymen „NSU 2.0“-Drohschreibern an die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız. Ohne Erfolg. Private Informationen waren von Polizeicomputern abgerufen worden. Jetzt hat die Juristin selbst eine Belohnung ausgesetzt.

Montag, 23.11.2020, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 22.11.2020, 12:09 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |  

Die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız hat eine Belohnung in Höhe von 5.000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung der Urheber der mit „NSU 2.0“ gezeichneten Drohmails und Faxe führen. Sie wolle nichts unversucht lassen, damit der Fall doch noch aufgeklärt werde, sagte die Juristin dem „Evangelischen Pressedienst“.

Die Anwältin, die Nebenklägerin im Prozess um die Morde des rechtsextremistischen Trios „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) war, hat seit August 2018 mehrfach anonyme Drohschreiben erhalten, die mit „NSU 2.0“ unterzeichnet waren. In dem ersten Schreiben war auch ihre damals zwei Jahre alte Tochter namentlich genannt und mit dem Tod bedroht worden.

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Die unbekannten Verfasser hatten immer wieder auch weitere, öffentlich nicht zugängliche Informationen über Başay-Yıldız und ihre Familienmitglieder genannt, darunter auch die Adresse. Persönliche Daten über Başay-Yıldız waren zuvor aus einem Polizeicomputer in einem Frankfurter Revier abgerufen worden.

Aufklärungswahrscheinlichkeit eher gering

Inzwischen wurden auch weitere Prominente, vor allem Frauen, mit derartigen Drohmails bedacht, so die hessische Linken-Fraktionschefin Janine Wissler und die Kabarettistin İdil Baydar. In diesen beiden Fällen waren persönliche Daten aus Computern in Wiesbadener Polizeirevieren abgerufen worden.

„Zwei Jahre und drei Monate nach dem ersten Drohfax ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Fall noch aufgeklärt wird, eher gering“, erklärte Başay-Yıldız dem epd. Daher der Versuch mit der Auslobung der Belohnung. Wegen ihrer türkischen Abstammung war die deutsche Rechtsanwältin in den überwiegend per Fax verschickten Drohschreiben auch rassistisch beleidigt worden. Die Ermittlungen der Polizei haben trotz Einsetzung eines Sonderermittlers bislang noch kein erkennbares Ergebnis gehabt. (epd/mig)

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  1. Levent Öztürk sagt:

    Absolut nicht nachvollziehbar, weshalb bei dieser NSU 2.0 Schande deutsche Ermittlungsbehörden mit voll angezogener Handbremse ermitteln, wenn man deren Taten überhaupt als Ermittlungen titelieren kann. Absolut nichts aus den NSU Serienmorden gelernt und deutsche Medien, Politiker, sowie Ermittlungsbehörden spielen wieder die Nichts sehenden, Nichts hörenden und Nichts sagenden 3 Affen. Morgen wird dann wieder gen Türkei geschaut und bezüglich dortiger angeblicher menschenrechtsdefizite der Zeigefinger erhoben.