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Studie

Pandemie lässt Kluft zwischen Arm und Reich weiter wachsen

Die Schere zwischen Arm und Reich wird in der Corona-Pandemie größer. Betroffen sind insbesondere Migranten. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor. Die Autoren fordern unter anderem bessere Anerkennung ausländischer Abschlüsse.

Freitag, 20.11.2020, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 19.11.2020, 15:26 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Die Corona-Krise verschärft laut einer aktuellen Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung die Ungleichheit zwischen hohen und niedrigen Einkommen in Deutschland. Wer schon vorher ein niedriges Einkommen hatte, sei im Verlauf der Pandemie fast doppelt so häufig von Verlusten betroffen wie Menschen mit hohen Einkünften, teilte die gewerkschaftsnahe Stiftung bei der Vorlage ihres neuen Verteilungsberichts ihres Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) am Donnerstag in Düsseldorf mit. Bereits in den 2010er-Jahren seien die Haushalte mit niedrigen Einkommen zurückgefallen.

Konkret hätten durchschnittlich 32 Prozent der mehr als 6.300 befragten Erwerbstätigen und Arbeitssuchenden zwischen April und Juni dieses Jahres Einkommenseinbußen hinnehmen müssen, erklärte das WSI. In den Gruppen mit Haushaltseinkommen unter 1.500 Euro netto monatlich liege der Anteil deutlich über 40 Prozent, bei Befragten mit über 4.500 Euro netto lediglich bei 26 Prozent. Von den Verlusten seien neben Selbstständigen vor allem prekär Beschäftigte wie Leiharbeiter oder Minijobber besonders oft betroffen, hieß es weiter.

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Auch bei der Höhe der Ausfälle zeigt sich laut Mitteilung ein Zusammenhang mit dem Einkommen. Etwa 30 Prozent der Befragten aus Haushalten mit mindestens 2.600 Euro Monatsnetto berichteten von Einbußen von mehr als einem Viertel. Bei Menschen mit Niedrigeinkommen unter 900 Euro hätten knapp 20 Prozent sogar mehr als die Hälfte ihres Einkommens verloren. Stärker verbreitet waren Einkommensverluste auch bei Menschen mit Migrationshintergrund und mit Kindern. Überproportional von Armut betroffen sind unter anderem Alleinerziehende, Arbeitslose, Menschen mit Migrationshintergrund und Ostdeutsche.

Bessere Anerkennung ausländischer Abschlüsse

Als wichtige Gründe für spürbare Einkommenseinbußen nennt das Institut neben dem Verlust von Umsätzen bei Selbstständigen oder dem Verlust des Arbeitsplatzes auch Kurzarbeit, wie es weiter hieß. Diese sichere in der Krise zwar zahlreiche Jobs, könne aber für die Betroffenen empfindliche Ausfälle bedeuten. In Unternehmen ohne Tarifbindung erhielten der Befragung zufolge lediglich 34 Prozent der Beschäftigten eine Aufstockung zum Kurzarbeitergeld – wo nach Tarifvertrag bezahlt werde, seien es durchschnittlich 58 Prozent gewesen.

Auch ein Teil der mittleren Einkommen dürfte in der Krise zurückfallen, wenn nicht Schutzmechanismen „schnell weiter gestärkt würden“, erklärten die Autoren der Studie. Um der „wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich“ entgegenzusteuern, empfehlen die Autoren unter anderem eine Anhebung des Kurzarbeitergeldes, besonders für Beschäftigte mit Niedrigeinkommen. Außerdem sollten die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I für den gesamten Zeitraum der Corona-Krise verlängert und längerfristig etwa der gesetzliche Mindestlohn auf 60 Prozent des mittleren Lohns von Vollzeitbeschäftigten angehoben werden. Eine weitere Forderung der Autoren lautet: Eine bessere Anerkennung der Ausbildungsabschlüsse von Migranten und mehr Qualifizierung. (epd/mig)

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