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Blick aus dem Fenster (Symbolfoto) © flickr.com, Robby McKee, CC 2.0, bearb. MiGAZIN

Statistik

Jeder zweite Minderjährige mit Migrationsgeschichte von Ausgrenzung bedroht

In Deutschland ist jeder Dritte unter 18 Jahren von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Migranten sind fast dreimal öfter betroffen als gleichaltrige ohne Migrationsgeschichte. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.

Freitag, 20.11.2020, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 19.11.2020, 17:00 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

In Deutschland waren im vergangenen Jahr 2,1 Millionen Kinder von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte, waren das 15 Prozent der unter 18-Jährigen. Dabei hängt der Bildungsprozess von Kindern und Jugendlichen in Deutschland von deren familiären Hintergrund ab.

Die Autorengruppe Bildungsberichterstattung nennt drei strukturelle Merkmale – den Bildungsstand der Eltern, den sozioökonomischen Status der Familie sowie den Status der elterlichen Erwerbsbeteiligung – aus denen sich drei Arten von Risikolagen für den Bildungserfolg eines Kindes ableiten lassen: formal gering qualifizierter Eltern sowie die soziale und finanzielle Risikolage.

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Demnach war in Deutschland 2018 nahezu jeder Dritte unter 18 Jahren von einer dieser Risikolagen betroffen (29 Prozent). Auf 4 Prozent der Kinder und Jugendlichen trafen alle drei Risikolagen zu. Unterteilt nach Migrationshintergrund geht die Schere weit auseinander: Das finanzielle, bildungsbezogene oder soziale Ausgrenzungsrisiko ist bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund (47 Prozent) fast dreimal so hoch als bei Gleichaltrigen ohne Migrationsgeschichte (17 Prozent).

Internationaler Tag der Kinderrechte

Insgesamt ist der Wert dabei leicht gesunken, berichteten die Statistiker aus Anlass des Internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November. 2018 waren noch 17,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen einem Armutsrisiko ausgesetzt, 2010 waren es sogar 21,7 Prozent.

Am 20. November 1989 verabschiedeten die Vereinten Nationen die UN-Kinderrechtskonvention, die Minderjährigen in 54 Artikeln grundlegende Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechte zusichert. Darunter ist auch das Recht auf soziale Sicherheit und angemessene Lebensbedingungen.

Besser als der EU-Durchschnitt

Im Vergleich mit anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union ist das Armutsrisiko laut Datenlage für Minderjährige hierzulande relativ gering. Im vergangenen Jahr war der Anteil nur in Slowenien (11,7 Prozent), Tschechien (13,0), Dänemark (13,2) und Finnland (14,3) niedriger. Im Durchschnitt der EU-27 war nahezu jedes vierte Kind einem Armutsrisiko ausgesetzt (22,5 Prozent). Am höchsten war deren Anteil in Rumänien (35,8) und Bulgarien (33,9), gefolgt von Italien, Griechenland und Spanien.

Armut oder soziale Ausgrenzung ist nach der Definition für EU-SILC (European Union Statistics on Income and Living Conditions) dann gegeben, wenn eines oder mehrere der drei Kriterien „Armutsgefährdung“, „erhebliche materielle Entbehrung“, „Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung“ vorliegen. EU-SILC ist die EU-weit vergleichbare Datenquelle über Einkommen, Armut und Lebensbedingungen in Europa. (epd/mig)

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