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Fereshta Ludin, Lehrerin, kämpfte gegen das Kopftuchverbot und hat die erste große Entscheidung zum Kopftuch erstritten © privat, Zeichnung: MiG

Politisierung

Fahrlässigkeit im Umgang mit Begrifflichkeiten

In Deutschland ist ein politisches Framing des sichtbaren Islam als „Gefahr“ schon lange etabliert. Es ist ein starkes Mittel, um „Gegnern“ die Bedeutungsgrundlage zu entziehen – pauschal, diffamierend, rufmordend.

Von Mittwoch, 18.11.2020, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 17.11.2020, 12:50 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |   Drucken

Mit Begrifflichkeiten und Bildern kann man sehr gut einzelne Menschen und Gruppen Kategorien zuordnen und damit verbunden mit Behauptungen und Lügen einrahmen (framen). Das ist ein starkes Mittel, das vor allem Medien und Politik als Instrument benutzen, um ihren Gegnern die Bedeutungsgrundlage zu entziehen.

Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit Islam werden häufig verwendet, mit oder ohne Absicht, mit dem Ziel, sich von einer bösen Macht, in diesem Fall die Macht des Fanatismus, zu befreien. Jede Form von Fanatismus und Radikalität bezieht sich auf politische Ideologien, religiöser, wie auch nichtreligiöser Art.

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In Deutschland ist im Zusammenhang mit dem sichtbaren Islam ein politisches Framing schon lange etabliert. Aus persönlicher Erfahrung und Auseinandersetzung mit Politik, Medien und vielen Akteur:innen unserer Gesellschaft weiß ich, dass es ein Teufelskreis ist, aus dem vor allem „Muslime“, die sich zum Islam öffentlich bekennen, nicht herauskommen. Ich empfinde es vor allem für die junge Generation als sehr belastend, vor allem im Kontext mit Schule, Ausbildung und im Bildungssektor allgemein.

Wenn es so weitergeht mit der Kategorisierung von bekennenden Muslim:innen als „Gefahr“ und „tendenziös gefährliche“ Gruppe, sobald sie sich gesellschaftlich engagieren, sich gegen Missstände wehren und aktiv ihre Stimme erheben, müssten in näherer Zukunft viele Betroffene dann offensiver vor Gericht gehen.

Zumal es für die Vorwürfe überwiegend keine Anhaltspunkte gibt, sondern diese vielmehr als Generalverdacht geäußert und für Diffamierungen und Rufmord genutzt werden. Unsere Gesellschaft ist als Ganzes für einen sensiblen und fairen Umgang mit Muslimen als religiöse Minderheit und ihre öffentliche Diffamierung mitverantwortlich. Vor allem in diesen Zeiten.

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