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Fußgänger (Symbolfoto) © B_Me @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Überblick

Warum die Corona-Pandemie Zugewanderte stärker trifft

Die Corona-Pandemie führt zu wachsender Ungleichheit. Einer OECD-Studie zufolge sind Menschen mit Migrationsgeschichte sogar deutlich anfälliger für eine Covid-19-Infektion. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick:

Von Donnerstag, 22.10.2020, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 21.10.2020, 19:01 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Die Corona-Pandemie führt zu wachsender Ungleichheit. Dem Internationalen Migrationsausblick 2020 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge sind Menschen mit Migrationsgeschichte sogar deutlich anfälliger für eine Covid-19-Infektion. In vielen Staaten ist deren Infektionsrisiko demnach mindestens doppelt so hoch. Nachfolgend die wichtigsten Ergebnisse der am Montag vorgestellten Studie:

Arbeit

Die Wirtschaftskrise trifft Menschen mit Migrationsgeschichte aus verschiedenen Gründen stärker als andere: So sind viele von ihnen in unsicheren Arbeitsverhältnissen beschäftigt und gerade in den Branchen überrepräsentiert, die wegen der Pandemie die stärksten Einbrüche erleiden – zum Beispiel im Gastgewerbe, wo deren Anteil 40 Prozent beträgt. In allen Ländern, wo es Daten dazu gibt, ist die Arbeitslosigkeit unter den zugewanderten Männern und Frauen daher stärker gestiegen als in der alteingesessenen Bevölkerung.

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Auch die Möglichkeit zum Homeoffice gibt es für sie deutlich seltener, weil sie vor allem dort arbeiten, wo Präsenz am Arbeitsplatz nötig ist: zum Beispiel in Krankenhäusern, im Verkehrsbereich, im Reinigungsgewerbe oder in der Nahrungsmittelindustrie. Oft sind das Jobs, wo das Abstandhalten zum Schutz vor dem Coronavirus kaum möglich ist. Das trägt zu einem höheren Gesundheitsrisiko bei. Exemplarisch genannt werden in der Studien die Covid-19-Ausbrüche in der Fleischindustrie in Deutschland.

Armut

Rund 30 Prozent der Migranten in OECD-Staaten leben im Vergleich zu ihrem Umfeld in Armut. Bei den nicht im Ausland geborenen Menschen seien es hingegen 20 Prozent. Weil Zuwanderern häufig weniger Geld zur Verfügung steht, sei es wahrscheinlicher, dass sie auf engem Raum zusammenlebten – auch als Großfamilie. Sie lebten oftmals auch in Vierteln, in denen Wohnungen günstiger und die in der Regel dichter besiedelt seien. Diese Faktoren führten zu einem höheren Ansteckungsrisiko in der Pandemie. Außerdem gehörten Männer und Frauen mit Migrationsgeschichte eher zu der Gruppe, die auf Bus und Bahn angewiesen seien.

Gesundheit

Im Durchschnitt sind Migranten jünger als die übrige Bevölkerung – was in der Corona-Pandemie theoretisch ein Vorteil ist, da schwere Verläufe vor allem bei alten Menschen wahrscheinlich sind. Allerdings litten sozial Schwache mehr als andere unter chronischen Erkrankungen wie Diabetes, die das Virus noch gefährlicher machten. Ferner seien gerade jene Zuwanderer, die noch keinen sicheren Status hätten, weniger geneigt, sich in einem Krankenhaus testen zu lassen. Vermutlich seien sie auch nicht ausreichend versichert. Auch Sprachbarrieren erschwerten den Zugang zu Information. Hier wird Deutschland als gutes Beispiel genannt, weil sehr viel in mehrsprachige Informationen investiert worden sei.

Unterkunft

Gerade Sammeleinrichtungen, wo Menschen dicht an dicht leben müssen, bergen in der Pandemie große Gefahren. Das betrifft insbesondere auch Flüchtlinge, die zum Beispiel in Asylbewerberheimen untergebracht sind. (epd/mig)

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