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Supermarkt © Squirrel_photos @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Studie

Supermarktketten missachten Menschenrechte

Arbeiter werden bei der Produktion für den globalen Handel ausgebeutet. Inwiefern sich deutsche Supermärkte an Transparenz und Menschenrechte halten untersucht Oxfam in einer Studie - und fordert ein Lieferkettengesetz.

Dienstag, 30.06.2020, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 29.06.2020, 17:04 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Deutsche Supermarktketten achten einer Untersuchung zufolge zu wenig auf die Arbeitsbedingungen bei der Entstehung ihrer Produkte. Auch im internationalen Vergleich schnitten Lidl, Aldi, Rewe und Edeka schlecht ab, erklärte die entwicklungspolitische Organisation Oxfam am Dienstag in Berlin bei der Veröffentlichung eines entsprechenden Berichts. Lidl habe sich zwar auf den dritten Platz verbessert, Edeka bilde jedoch wie im vergangenen Jahr das Schlusslicht von 16 untersuchten Supermärkten in den USA, Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland. Edeka wies die Vorwürfe zurück.

„Konzerne tun zu wenig dagegen, dass die Menschen, die das Essen in den Supermarkregalen herstellen, ausgebeutet werden“, erklärte Oxfam-Expertin Franziska Humbert. Im dritten Jahr in Folge untersuchte Oxfam die Lieferketten der Supermärkte auf Transparenz, Arbeitnehmerrechte, den Umgang mit Kleinbauern und Frauenrechte.

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Kein Bericht über Menschenrechtspolitik

Dabei erhielt keiner der vier deutschen Konzerne mehr als ein Drittel der möglichen Punkte. Am besten schnitt Lidl mit 32 Prozent ab, am schlechtesten Edeka mit drei Prozent. Dies zeige, wie dringend es in Deutschland ein Lieferkettengesetz brauche. Dass die britischen Supermarktketten wie Tesco besser abschnitten, liege unter anderem daran, dass es in Großbritannien ein Gesetz gegen Sklaverei gebe. Das verpflichte Konzerne zu Berichten über ihre Menschenrechtspolitik.

Edeka kritisierte den Oxfam-Bericht. „Beim ‚Supermarkt-Check‘ handelt es sich um eine Kampagne, nicht um eine objektive Studie“, sagte Konzern-Sprecherin Andrea Ebert dem „Evangelischen Pressedienst“. Bewertet werde dabei nur die Außendarstellung eines Unternehmens, nicht das wirkliche Engagement. Edeka beteilige sich unter anderem an einer Arbeitsgruppe zu existenzsichernden Löhnen zusammen mit der staatlichen Entwicklungshilfeorganisation GIZ. Eine dauerhafte Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Lieferländern sei ein wichtiges Anliegen des Unternehmens.

Problem: Preiskampf

Das größte Problem sei der Preiskampf der Supermärkte, den die Arbeitnehmer weltweit mit Hungerlöhnen bezahlten. „Was uns Corona-Ausbrüche in deutschen Schlachtbetrieben vor Augen führen, ist auch in den internationalen Lieferketten menschenunwürdige Realität mit bitteren Folgen“, betonte Oxfam-Expertin Humbert. So habe im indischen Assam mehr als die Hälfte der von Oxfam befragten Arbeiter auf Teeplantagen nicht genug zu essen.

Edeka sei der einzige der untersuchten deutschen Supermärkte, der nicht eine Vereinbarung zu existenzsichernden Löhnen entlang der Lieferkette unterzeichnet habe, hieß es weiter. Lidl habe vor allem mit der Veröffentlichung der Zulieferer punkten können und sich von neun auf 32 Prozent gesteigert. „Dieser Schritt von Lidl zeigt: Supermärkte können – wenn sie denn wollen“, sagte Humbert. Auch Rewe, Aldi Süd und Aldi Nord hätten ihre Menschenrechtspolitik verbessert, jedoch höchstens ein Viertel der möglichen Punkte erreicht.

Lieferkettengesetz im Koalitionsvertrag

Auch das Hilfswerk Misereor kritisierte die Preispolitik der Handelsketten. „Viele Preise im Supermarkt spiegeln nicht die ökologischen und sozialen Folgekosten wider“, erklärte Geschäftsführer Thomas Antkowiak. „Derzeit bildet der Preis nicht ab, ob Lebensmittel zum Beispiel durch Kinderarbeit hergestellt, unfaire Löhne gezahlt oder unter welchen Umständen die Produkte hergestellt werden.“ Die scheinbar günstigen Preise hätten zur Folge, dass immer mehr Produkte erzeugt werden, die für das Gemeinwohl und die Umwelt schädlich sind.

Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag ein Lieferkettengesetz vereinbart, sollten nicht mindestens 50 Prozent der größeren Firmen freiwillige Selbstverpflichtungen vorlegen. Ziel eines Lieferkettengesetzes ist vor allem, ausbeuterische Arbeitsbedingungen bei Zulieferern im Ausland zu verhindern. (epd/mig)

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