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Rettungsschiff Alan Kurdi im Mittelmeer © Sea Eye/Fabian Heinz

Seenotrettung gestoppt

Italien legt Rettungsschiff „Alan Kurdi“ fest

Italien hat das Rettungsschiff "Alan Kurdi" festgesetzt. Begründung: technische Mängel. Sea-Eye wirft der italienischen Küstenwache Schikane vor, um die Seenotrettung zum Erliegen zu bringen. Das sei politisch motivierter Missbrauch dienstlicher Machtbefugnisse.

Donnerstag, 07.05.2020, 5:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 06.05.2020, 19:06 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Das deutsche Seenotrettungsschiff „Alan Kurdi“ der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye liegt im Hafen von Palermo fest. Weil die italienische Küstenwache bei einer Untersuchung technische und betriebliche Mängel festgestellt habe, dürfe das Rettungsschiff „bis auf weiteres“ den Hafen nicht verlassen, teilte Sea-Eye am Mittwoch mit.

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Die „Alan Kurdi“ hatte bei ihrem letzten Einsatz 146 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet und nach tagelangem Ausharren auf behördliche Anweisung einer italienischen Fähre übergeben, auf der die geflüchteten Menschen wegen des Corona-Pandemie in Quarantäne gekommen waren. Die Crew musste an Bord der „Alan Kurdi“ in Quarantäne bleiben. Am Montag durften beide Schiffe in Palermo einlaufen.

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„Reine Schikane“

Sea-Eye Sprecher Julian Pahlke bezeichnet die Festsetzung als „reine Schikane, um die zivile Seenotrettung stückweise zum Erliegen zu bringen“. Das Schiff sei vor dem letzten Einsatz einer fünfwöchigen Werftzeit unterzogen worden, die im März endete. Hierbei sei das Schiff in vielen Bereichen grundlegend überholt worden. „Das einzige Ziel dieser Blockade ist, uns aktiv an der Seenotrettung zu hindern. Statt Menschenrechte zu schützen, werden diejenigen, die es tun, an allen Stellen aufgehalten“, erklärte Pahlke.

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Die Argumentation der italienischen Behörden, dass man um die Sicherheit der Crew und der Geretteten besorgt sei, wirke grotesk. „Wenn man um die Sicherheit der Geretteten tatsächlich besorgt gewesen wäre, dann hätte man sie zuvor nicht 12 Tage an Bord der ‚Alan Kurdi‘ festhalten dürfen“, Sea-Eye Vorsitzender Gorden Isler. Tatsächlich wird das Handelsschiff „MV Marina“ eines Hamburger Reeders weiter vor Lampedusa blockiert, weil es 78 Menschen gerettet hat. Der Reeder weist auf die Notlage der geretteten Menschen hin und erhält bisher keine Unterstützung.

Sea-Eye: „Missbrauch dienstlicher Machtbefugnisse“

„Der politisch motivierte Missbrauch dienstlicher Machtbefugnisse durch die italienische Küstenwache verhindert unseren geplanten Einsatz im Mai. Das ist unverantwortlich“, erklärt Isler weiter. Sea-Eye stehe im Austausch mit den deutschen Behörden. Dort sei man um eine schnelle Klärung der Situation bemüht.

Zivile Rettungsschiffe sind nach Einschätzung von Sea-Eye die „häufigst kontrollierten Schiffe“ im zentralen Mittelmeer. Während an sich nur eine „Hafenstaatkontrolle“ im Jahr üblich sei, sei die „Alan Kurdi“ in den letzten 16 Monaten viermal in Spanien und Italien überprüft worden. Die letzte Kontrolle durch den Flaggenstaat Deutschland in Tarent habe ergeben, dass die „Alan Kurdi“ korrekt registriert und zertifiziert sei und sich rechtskonform verhalte, teilte die Regensburger Organisation mit. (epd/mig)

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