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Impfung © whitesession @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

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Corona-Impfstoff darf kein Exklusivrecht für Reiche sein

Die EU will Milliarden sammeln, um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs voranzutreiben. Allerdings ist keineswegs sicher, ob die Ärmsten auf der Welt berücksichtigt werden. Hilfsorganisationen sind besorgt.

Dienstag, 05.05.2020, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 04.05.2020, 19:01 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Ein künftiger Impfstoff gegen das Coronavirus muss nach Worten von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) weltweit günstig zur Verfügung gestellt werden. Vor einer von der EU-Kommission initiierten Geberkonferenz am Montag sagte Müller: „Egal wer den Impfstoff zuerst hat: Es muss sichergestellt sein, dass er überall auf der Welt und zu einem erschwinglichen Preis verfügbar ist. Denn Corona besiegen wir nur weltweit, sonst kommt es in Wellen zurück.“ Hilfsorganisationen befürchten, dass die Ärmsten vergessen werden könnten.

Minister Müller sagte der „Rheinischen Post“ (Montag), das Coronavirus sei ein Weckruf für eine bessere internationale Zusammenarbeit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) müsse gestärkt, Forschungsverbünde müssten aufgebaut werden. Deutschland gehe als Co-Gastgeber der Geberkonferenz und drittgrößter Geber im Gesundheitsbereich voran. „Für die Zeit, wenn ein Impfstoff vorhanden ist, bereiten wir daher mit der globalen Impfallianz GAVI eine weltweite Impfkampagne vor“, sagte der Entwicklungsminister.

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Gerechte Verteilung sicherstellen

Die Präsidentin des Hilfswerks „Brot für die Welt“, Cornelia Füllkrug-Weitzel, äußerte Zweifel, ob die EU die richtige Instanz zur weltweiten Koordinierung der Corona-Hilfen ist. Sie sagte dem Südwestrundfunk, die WHO sei die einzig globale Gesundheitsorganisation, die Mandat und Expertise habe und in der auch Menschen aus den ärmeren Ländern adäquat beteiligt seien. Zudem sei völlig unklar, was mit dem eingesammelten Geld der Online-Geberkonferenz geschehe. „Da fließen öffentliche Gelder, ohne dass es Mechanismen zur Rechenschaftslegung gibt. Das ist stark ungewöhnlich.“

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Nötig sei es, sicherzustellen, dass die Medikamente gerecht verteilt würden, alle Länder der Welt sich die Mittel leisten könnten und dass die Gesundheitsstrukturen mitgefördert würden. Das sei derzeit in keiner Form geregelt. Geld werde an private Pharmafirmen gegeben und es sei unklar, was sie hinterher damit machten. Füllkrug-Weitzel kritisierte ferner, dass bei der von der EU organisierten Konferenz nur wenige Menschen aus Entwicklungsländern beteiligt seien, und auch die Zivilgesellschaft sei nicht eingeladen worden. Dabei seien kirchliche Einrichtungen nun mal diejenigen, die an die 50 Prozent aller Gesundheitsstrukturen in Afrika betrieben. „Diejenigen, die sicherstellen, dass die Menschen auch wirklich geheilt werden, die sitzen alle nicht mit am Tisch. Es sitzen die am Tisch, die jetzt verdienen können.“

World Vision: Kein Exklusivrecht für Reiche

Auch die Hilfsorganisation World Vision mahnte, dass es kein „Exklusivrecht für Reiche auf Impfungen und Medikamente“ geben dürfe. Neben der Förderung der Impfstoff-Entwicklung sei es unabdingbar, gleichzeitig die Gesundheitssysteme in den ärmsten Ländern der Welt insgesamt zu stärken.

Die Geberkonferenz im Internet soll den Auftakt eines Spendenmarathons bilden und nach dem Willen der EU-Kommission zunächst Zusagen für 7,5 Milliarden Euro zusammenbringen. Damit sollen die Entwicklung und Einführung erschwinglicher Impfstoffe, Tests und Behandlungsmöglichkeiten unterstützt werden. (epd/mig)

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