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Ditib Moschee in Köln © Jan Maximilian Gerlach @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Corona

Ramadan ist dieses Jahr „betrübter denn je“

Christen mussten auf Familienfeiern an Ostern verzichten. Die Muslime in Deutschland müssen während des Fastenmonats Ramadan, der am Freitag beginnt, ohne ein gemeinsames Fastenbrechen auskommen. Das werde man schmerzlich vermissen.

Freitag, 24.04.2020, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 26.04.2020, 14:00 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |   Drucken

Ostern ohne Familie, Pessach ohne Besuch in der Synagoge – nun müssen auch die Muslime in Deutschland eine ihrer bedeutendsten religiösen Traditionen mit Einschränkungen zelebrieren. Gemeinsames Beten in der Moschee und Fastenbrechen während des Ramadan im großen Familienkreis wird wegen der geltenden Kontakteinschränkungen nicht möglich sein. Den segensreichen Ramadan empfingen die Muslime in diesem Jahr „betrübter denn je“: „Muslime werden die gemeinschaftlichen Fastenbrechen schmerzlich vermissen“, schreibt die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) in einer Erklärung, die am Donnerstag in Köln veröffentlicht wurde.

Der Ramadan ist laut Ditib eine Möglichkeit, im Glauben Hoffnung und Kraft zu schöpfen. Deshalb habe der Islamverband seit Beginn der Einschränkungen alternative Angebote für die Gemeindemitglieder entwickelt.

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Vorsitzender der Bischofskonferenz wünscht gesegneten Ramadan

Die Religionsgemeinschaft will im Ramadan außerdem bedürftigen Menschen in der Region und weltweit – insbesondere in Krisengebieten – Hilfsangebote und Spenden zukommen zu lassen. „Die Pandemie hat die humanitäre Notlage in vielen Teilen der Welt weiter verschärft, was uns dazu auffordert, solidarisch zu handeln“, erklärte die Ditib. Im Ramadan sind Muslime aufgerufen, von Sonnenaufgang bis -untergang unter anderem auf Essen und Trinken zu verzichten. Normalerweise kommen viele Muslime allabendlich mit ihrer Familie, Freunden und Nachbarn zum gemeinsamen Fastenbrechen zusammen. Auch Spenden gehören zur Praxis des heiligen Fastenmonats.

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Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, wünschte den Muslimen in Deutschland einen gesegneten Ramadan. Er erinnerte daran, wie wichtig die Gottesdienststätten – Moscheen, Synagogen, Kirchen – für das geistliche Leben seien. „Ohne Gottesdienststätten ist das religiöse Leben von Muslimen, Juden wie Christen ein anderes, da die Zusammenkunft der Gläubigen in unseren Religionen ein zentrales Element darstellt“, schreibt der Limburger Bischof in seiner am Donnerstag in Bonn veröffentlichten Grußbotschaft.

Verantwortung übernehmen

Der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) schloss sich den Wünschen an und bedauerte, dass das muslimische Leben in diesem Jahr anders sein werde. „Die Gesundheit, der Schutz des Körpers und des Lebens gehen vor und sind wichtige islamische Grundpfeiler“, betonte der Verband.

Info: Für die Muslime beginnt der Fastenmonat Ramadan in diesem Jahr am 24. April und endet am 23. Mai. Wegen der Corona-Pandemie bleiben die Moscheen zu Beginn des Fastenmonats geschlossen. Das Fasten gehört wie das Glaubensbekenntnis, die täglichen Gebete, die Armensteuer und die Pilgerfahrt nach Mekka zu den fünf Säulen des Islam. Im Ramadan sind die Gläubigen aufgerufen, von Sonnenaufgang bis -untergang auf Essen, Trinken und Rauchen zu verzichten. Das Fastengebot gilt in gleicher Weise für Männer und Frauen. Befreit vom Fasten sind Alte und Kranke, Kinder, Schwangere und Reisende. Der Ramadan ist auch der Monat der guten Taten und der Läuterung von Körper und Seele. Mitmenschlichkeit und Versöhnung stehen im Mittelpunkt, die Gläubigen entrichten die Armensteuer Zakat oder unterstützen Bedürftige. An den Ramadan schließt sich das Fest des Fastenbrechens an, das äußerlich dem christlichen Weihnachtsfest ähnelt. Die meisten Religionen kennen Fastenzeiten. Christen fasten von Aschermittwoch bis Ostern.

Ähnlich betont auch die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), dass der Islam gebietet, „Verantwortung zu übernehmen für uns selbst, für unsere Familien, für unsere Mitmenschen und für unsere Gesellschaft.“ In dieser Verantwortung liege gleichzeitig auch eine Chance, den Fastenmonat in einer ganz besonderen Art zu begehen. Man werde zwar nicht Schulter an Schulter gemeinsam beten können in den Moscheen, man werde sich im Gebet und im Herzen nah sein. Auch das sei ein Verzicht, passend zum Ramadan. „Wir werden noch stärker als je zuvor in uns gehen und mehr Zeit mit unseren Familien verbringen. Nutzen wir diese kostbare Zeit, so gut es geht. Auch das ist ein Gebot“, so IGMG-Vorsitzender Kemal Ergün.

Gelegenheit für Besinnung und Einkehr

Auch der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Uwe Becker, sieht laut einer Mitteilung vom Donnerstag in diesen Wochen „eine gute Gelegenheit für Besinnung und Einkehr“. Eine solche Zeit der Einkehr, wie es sie bei vielen Religionen gibt, sei eine Bereicherung, die Kraft verleihe, um auch schwierige Zeiten durchzustehen, schrieb er an die Muslime gerichtet. Das Fasten sei ein gemeinsames Element der monotheistischen Weltreligionen.

Der Monat Ramadan, der neunte im islamischen Mondjahr, wandert durch das Kalenderjahr. Der Ramadan beginnt und endet, wenn die Mondsichel nach Neumond erstmals wieder sichtbar ist. Der Beginn kann von Land zu Land unterschiedlich sein. In Deutschland einigen sich die Islamverbände seit 2008 auf gemeinsame Daten. (epd/mig)

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