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facebook, social media, Internet, soziale Medien
Facebook © Simon @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Corona-Krise

Hass und Hetze erreichen neue Dimension

Hass- und Hetzkampagnen im Netz haben mit der Corona-Krise eine neue Dimension erreicht. Das zeigen Medien-Recherchen und Einschätzungen von Extremismusforschern. Polizeiangaben zufolge gibt es bereits eine Reihe rassistischer Übergriffe auf Menschen mit ausländischen Wurzeln.

Mittwoch, 25.03.2020, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 24.03.2020, 19:53 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Dass Hass- und Hetze im Netz sich immer wieder in Gewalt im realen Leben umschlägt, ist bekannt. Auch in Corona-Zeiten bleiben Menschen offenbar nicht vor rassistisch motivierten verbalen und tätlichen Angriffen verschont. Wie Recherchen des ARD-Politmagazins „Report Mainz“ und Polizeiangaben belegen, gibt es bereits eine Reihe rassistischer Übergriffe auf Menschen mit ausländischen Wurzeln.

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Einige Beispiele: In München wird eine asiatisch aussehende Frau von ihrem Wohnungsnachbarn mit dem Ruf „Corona“ bedroht und mit Desinfektionsspray angegriffen. In einem kleinen Dorf im Landkreis Rosenheim wird das dortige italienische Restaurant mit der Parole „Corona“ beschmiert. In Bielefeld finden die Bewohner einer Straße, in der viele Migranten leben, rechtsradikale Flugblätter in ihren Briefkästen. Darauf steht: „Asylanten und Flüchtlinge und Migranten und Muslime und Nigger – in den Ofen!“

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Hass im Netz erreicht neue Dimension

Der Hass im Netz hat Einschätzungen von Extremismusforschern zufolge sogar eine neue Dimension erreicht. So heißt es in aktuellen Kommentaren auf Facebook über Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Todesstrafe“, „Hinrichten“, „Die Merkel endlich aufhängen, bevor sie noch mehr anrichtet“, „Ich hoffe, sie verreckt gaaaanz langsam“. Als bekannt wird, dass die Bundeskanzlerin nicht mit Corona infiziert ist, wird das z. B. so kommentiert: „Sehr schade, dachte sie verreckt endlich.“ Diese Kommentare stammen aus geschlossenen Gruppen von denen manche 20.000, andere sogar 30.000 Mitglieder haben.

„Wir haben nicht nur eine Corona-Pandemie, wir haben auch eine ‚Hass‘- oder ‚Rassismus-Pandemie‘ in Deutschland“, sagte der Rechtsextremismusexperte Matthias Quent im Interview mit dem ARD-Politikmagazin „Report Mainz“, das am Dienstagabend ausgestrahlt wurde. Prof. Hans-Gerd Jaschke von der Hochschule für Wirtschaft und Recht meint, das habe mit politischer Auseinandersetzung überhaupt nichts mehr zu tun: „Das ist strafbar und müsste natürlich von den Strafverfolgungsbehörden aufgegriffen werden.“

Facebook-Gruppe: „DieInsider“

Die Facebook-Gruppe „DieInsider“ hat diese massive Hass- und Hetzkampagne zwei Wochen lang recherchiert. „DieInsider“ ist eine kleine Gruppe von Menschen, die aus Sorge um die Demokratie ehrenamtlich die Hass-Kriminalität auf Facebook dokumentiert. In ihrer Freizeit sind die Aktivisten in rund zweihundert Gruppen unterwegs, darunter viele geschlossene.

In einem weiteren Kommentar über die Kanzlerin heißt es: „Vor Merkels ‚Wir schaffen das!‘ muss man sich inzwischen mehr fürchten, als vor Goebbels Frage nach dem ‚totalen Krieg‘!“ Matthias Quent bezeichnet das als „Verherrlichung des Nationalsozialismus“.

Experte: Anschlagsgefahr relativ groß

Über den an Corona erkrankten Cem Özdemir ist aktuell zu lesen: „Die beste Nachricht des Tages. Ich bin so glücklich, dass es endlich den Richtigen erwischt hat. Hoffentlich stirbt er.“ Und über den ebenfalls erkrankten Friedrich Merz heißt es: „Hoffentlich rafft es ihn dahin.“ Ein anderer schreibt: „Ab in die Urne.“ Oder: „Na dann ham‘ wa das Dreckige Dutzend ja bald voll“. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will man aufhängen. Das sei „Staatsbürgerpflicht“. Viele Hasskommentare gibt es auch zu Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Vor dem Hintergrund dieser Recherchen spricht Prof. Jaschke von einem massiven Mobilisierungsversuch auch der gewaltbereiten rechtsextremen Szene: „Von daher ist die Gefahr, dass es zu militanten Anschlägen kommen wird, meines Erachtens relativ groß.“ (mig)

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MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)

  1. Karola sagt:

    „Hass und Hetze erreichen neue Dimension“ finde ich nicht, denn dieser Hass und die Hetze dieser Menschen, die hier angesprochen sind, reagieren situationsbezogen, wie immer, wenn es irgendeinen Anlass gibt. Man könnte dieses Verhalten auch als fokussiertes oder eingeengtes spiegelbildliches Verhalten der Politik sehen. Denn ist diese nicht ebenfalls überaus feindlich und zerstörerisch wenn man mals das große Ganze lupenhaft verkleinert?! Die Agenda 2010 – seit Jahren Quälerei und Dauerdruckmittel gegen Arbeitnehmer und Arbeitslose. Die völkerrechtswidrigen Kriege, an denen sich unsere Bundeswehr beteiligen muss – ist reine, nackte Gewalt gegen unschuldige Menschen in anderen Ländern. Die Massentierhaltungen ist Gewalt gegen Tiere und Menschen, denn die essen das mit Medikamenten verseuchte Fleisch und die Umwelt wird auch noch geschädigt. Das Beibehalten von Glyphosaat, was mehr als nur Unkraut vernichtet – alles Gewalttaten im großem Stil! Sogar die Weigerung, Tempo 120 auf den Autobahnen einzuführen, ist eine Form von Gewalt, weil zugelassen wird, dass Raser ungehindert rasen können. Auch die willkürlichen Schließungen von Krankenhäusern war eine Form von Gewalt, die man der Bevölkerung antat damit die Investoren und Aktienbesitzer befriedigt wurden. Der reine, von der Leine losgelassene Raubtierkapitalismus IST GEWALT.
    Also: Gewalt kommt nicht von Nichts!! Wenn Reiche mit Macht ausgestattete Menschen und Politiker eine Allianz eingehen, die zum kompletten Nachteil der Bevölkerung geht, entsteht Gewalt!

    Es ist wirklich nicht schön, die Beschimpfungen etc. im Netz lesen zu müssen – sie sind eine unreife, radikale,wütende, hilflose Re-Aktionen auf das, was politisch seit Jahren in Deutschland und der EU praktiziert wird: Gewalt! Sie wird nicht besser, wenn sie durch Parlamente geht – und das scheint den Parlamentariern die im Bundestag sitzen, nicht klar zu sein, wenn sie Gesetze genehmigen, die den größten Teil der Bevölkerung ausbeuten dürfen!!

  2. Dwayne Faulkner sagt:

    Bitte „verschleiert“ das im Text zitierte N-Wort. Es ist nicht angebracht, dieses auszuschreiben, vor allem, wenn die Publikation nicht von Schwarzen Menschen herausgebracht und kontrolliert wird. Vielen Dank, auch für de wichtige Arbeit, die ihr leistet. Lg.
    Dwayne