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Licht (Symbolfoto) © Pexels @ pixabay.com (License), bearb. MiG

Licht bietet Sicherheit

„Elektriker ohne Grenzen“ bringt Strom in die ärmsten Regionen der Welt

1,5 Milliarden Menschen weltweit haben kaum Zugang zu Strom. Sie können nachts kein Licht einschalten und keine Medikamente kühlen. Die "Elektriker ohne Grenzen" stemmen sich dem entgegen: Der Verein baut in armen Regionen Stromversorgungen aus.

Von Donnerstag, 16.01.2020, 5:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 15.01.2020, 16:03 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Sylvain Volpp hatte seinen ersten Einsatz nach dem schweren Erdbeben auf Haiti 2010. Er errichtete in Flüchtlingscamps Laternen. „Licht bringt Sicherheit“, erklärt der 37-jährige Karlsruher mit leichtem französischen Akzent. Vergewaltiger und Diebe seien nicht mehr ganz so skrupellos, wenn die Wege beleuchtet seien.

Volpp ist Vorsitzender der Organisation „Elektriker ohne Grenzen„. Der bundesweite Verein mit Sitz in Karlsruhe baut Photovoltaikanlagen, Wasserkraftanlagen oder elektronische Brunnenpumpen in den ärmsten Regionen der Welt. „Wobei der Strom nur Mittel zum Zweck ist“, sagt der Maschinenbau-Ingenieur. Ziel sei es, mehr Bildung, Gesundheit, Sicherheit und leichteren Zugang zu Trinkwasser zu ermöglichen. Nach eigenen Angaben haben die Helfer seit der Gründung 2012 knapp 5.000 Menschen erreicht, unter anderem in Tansania, Nepal und Vietnam. Derzeit sind sie für den Deutschen Engagementpreis 2019 nominiert, der im Dezember in Berlin verliehen wird.

Licht fördert sozialen Austausch

Der Franzose Volpp hatte sich zunächst bei den französischen „Elektrikern ohne Grenzen“ in Vichy engagiert. Die Organisation „Electriciens sans frontières“ (ESF) besteht bereits seit 1986 und hat nach eigenen Angaben Projekte im Wert von über drei Millionen Euro umgesetzt. Als er 2012 für sein Studium nach Karlsruhe ging, erschien es ihm nur logisch, einen deutschen Ableger zu gründen. Grund für sein Engagement sei, dass ihn die Nöte anderer Menschen stark berührten. „Ich leide wohl unter dem Helfersyndrom, an Weihnachten Geld zu spenden, reicht mir nicht“, erzählt er mit einem Augenzwinkern.

Bei einem Einsatz in Nepal 2014 hatte Volpp nach der Elektrifizierung einer Schule noch ein anderes Projekt im Nachbardorf geprüft. Dort schlief er in einem Haus der Einheimischen, in dem bis dahin täglich ein Feuer gebrannt hatte. „Wenn da plötzlich eine LED-Lampe hängt statt Rauch, das bringt ganz viel für die Gesundheit“, sagt er. In Orten, in denen es Licht gebe, finde auch ein viel stärkerer sozialer Austausch statt.

Geld für Ausbildung statt Strom

In Südindien errichteten Vereinsmitglieder gemeinsam mit einer indischen Solarfirma 2015 eine Photovoltaikanlage inklusive Batteriespeicher für ein Mädchen- und Frauenzentrum. „Sie hatten zwar zuvor schon Strom, bezahlten dafür aber unverhältnismäßig viel Geld“, erklärt Volpp. Durch die neue Solaranlage könne das eingesparte Geld für die Ausbildung der misshandelten Mädchen und Frauen verwendet werden.

2018 und 2019 bauten die Techniker mit der französischen Schwesterorganisation Photovoltaik-Systeme in Bergdörfern in Laos. Zudem wurden Sanitärstationen errichtet, in denen durch den Solarstrom Medikamente und Impfstoffe kalt gehalten werden können. In Vietnam wurde die Stromversorgung für eine Dorfgemeinschaft von Menschen mit Behinderung aufgebaut.

Mehr als 100 Mitglieder

Inzwischen zählt der deutsche Ableger mehr als 100 Mitglieder. Nicht alle sind Elektriker, es gebe auch zahlreiche Ingenieure und Lehrer, sagt Volpp. „Mir ist es wichtig, dass die Leute Lust haben sich einzubringen, das kann auch beim Fundraising oder in der Verwaltung sein“, erklärt er. Technisches Know-how könne man immer noch vermitteln.

Bei ihren Projekten arbeiten die Entwicklungshelfer mit Partnern vor Ort zusammen, die sich später um die Wartung kümmern oder den Verein informieren, wenn es größere Probleme gibt. Die Gesamtkosten eines üblichen Projektes betragen rund 25.000 Euro, die Materialien stammen in aller Regel aus der Region.

Von der Kanzlerin ausgezeichnet

Bei ihren Projekten achteten die Entwicklungshelfer darauf, die Strukturen der Einheimischen zu bewahren, erklärt Volpp. Wenn Frauen beispielsweise jeden Tag eine Stunde zu einem Brunnen gehen, sollte man keinen neuen Brunnen mit einer elektrischen Pumpe mitten im Dorf errichten, sagt Volpp. „Dadurch würde man den Frauen einen Rückzugsort nehmen“, führt er aus. Besser wäre es, einen Brunnen in der Nähe des Dorfes zu bauen.

Im Juni 2019 wurden die „Elektriker ohne Grenzen“ von der Bundeskanzlerin mit dem Sonderpreis des Wettbewerbs „Start Social“ ausgezeichnet. Im Oktober und November folgten weitere Projekte in Indien und Ruanda. Der Verein wächst rasant. Volpp sagt, dass die Mitglieder ganz viele Ideen und Pläne haben. „Aber wir müssen auch schauen, dass wir uns nicht übernehmen“, betont er. Davon habe niemand etwas. (epd/mig)

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