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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, Zeichnung MiG

Nebenan

Alles ist käuflich, alles muss raus

Umfrage: Was ist uns lieber? Ein US-Präsident, der Stimmen hört, die er für Gott hält oder Abschiebung von Kängurus nach Australien - immerhin gibt es ja Flecken, die nicht brennen.

Von Dienstag, 14.01.2020, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 12.01.2020, 22:41 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Die letzte Woche war für mich die der Umfragen. Die sind im Krieg ohnehin immer wichtiger als Fakten. Während im Nahen also zwei religiös-fundamentalistische Regime aufeinanderprallen und sich der besonnene Beobachter noch fragt, ob es nun eigentlich besser ist, wenn der Präsident der USA Stimmen hört, die er für Gott hält und die ihm befehlen, einen anderen Staat zu überfallen (wie vor 17 Jahren), oder wenn der Präsident der USA auf gar niemanden hört, seine eigenen Experten eingeschlossen, weil er selber „the best abrain“ [sic!] habe, gab es auch einige Interessante Umfragen.

Da hat zum einen das Pew (was nach allem was ich gehört habe, wohl nichts mit kleinen Jungs und Spielzeugpistolen zu tun hat) Research Center in den USA herausgefunden, dass die Welt einen verschimmelten Laib Brot eher in der Lage sieht, international vernünftig zu handeln, als Donald Trump. Auch Wladimir Putin und Xi Jinping sind demzufolge bessere Garanten für Frieden als das Phantom von Mar-a-Lago. Ganz oben in der Liste steht übrigens eine Frau, die viele hierzulande schon lange nicht mehr mit Politik in Verbindung bringen: Angela Merkel. Der Unterschied zwischen Umfrage und Realität war selten so fassbar.

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Zum anderen haben die professionellen Meinungsverschieber von Infratest dimap im Deutschlandtrend herausgefunden, dass der Trend eher negativ ist. Jedenfalls für die „Volksparteien“ – wobei das Prädikat „Volks-„, wenn man Deutschlands größtes Gossenblatt hier mal konsultieren darf, bekanntlich auch nur für billigen Ramsch steht. Volksbibel, Volkswaschmaschine, Volkspartei – alles ist käuflich, alles muss raus. Kein Wunder, dass die Volks-Partei diese Korruption auf die Spitze treibt: AfD, Ausverkauf fon Deutschland (ja, ich weiß: „[sic!]“, aber dem durchschnittlichen AfD-Wähler wäre das nicht aufgefallen).

Die Prozentzahl derer jedenfalls, die CDU und SPD dieser Umfrage zufolge eine Lösungskompetenz für die großen Fragen unserer Zeit (Migration, Klimawandel, Bundesliga) zugestehen, befand sich darin nur knapp über null – Messfehler nicht ausgeschlossen.

Zum dritten ist da noch eine ganz persönliche Umfrage zum Thema Glaubwürdigkeit der Medien – wobei ich eigentlich niemanden gefragt habe, ich habe nur mitgehört. Aber um Fakten geht es ja schließlich nicht, sondern um Meinungen, das dürfte mittlerweile klar sein.

„Mal schauen, wann erste Vertreter von CSU, FDP und AfD fordern, auf Kängurus zu schießen, die es sich in der spätrömischen Dekadenz deutscher Zoos gemütlich machen wollen, unsere Jobs vergewaltigen und unsere Frauen klauen, statt zu helfen, ihre Heimat wieder aufzubauen – immerhin gibt es ja Flecken, die nicht brennen.“

Es begab sich also zu der Zeit, dass ein großer deutscher Privatsender eine mir unbekannte Menge sozial verwahrloster Gestalten mit Medienhintergrund in ein Land schickte, das derzeit vor unseren Augen verbrennt – woran selbstverständlich nicht der Klimawandel schuld ist, sondern die Koalas, die über ihre Verhältnisse gelebt haben und nun endlich mal die Gürtel enger schnallen müssen. Mal schauen, wann erste Vertreter von CSU, FDP und AfD fordern, auf Kängurus zu schießen, die es sich in der spätrömischen Dekadenz deutscher Zoos gemütlich machen wollen, unsere Jobs vergewaltigen und unsere Frauen klauen, statt zu helfen, ihre Heimat wieder aufzubauen – immerhin gibt es ja Flecken, die nicht brennen.

Doch nun zur Glaubwürdigkeit der deutschen Medien: Denn wieso sollte ein Sender einen Haufen Prominenzdarsteller um die halbe Welt karren, nur um sie dann mit Dreck und Scheiße zu füttern?, so die Hypothese jedenfalls der unfreiwillig überhörten Diskussion. Dass dieser Sender seine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Journalismusimitatoren zur Befüllung von Zeitungsattrappen seit jeher tatsächlich Down Under veranstalten könnte, dass war unter den kaum weniger verwahrlosten Fans des Formats nämlich unbegreiflich: Das wird doch alles im Studio in irgendeinem von der Zivilisation bisher weitgehend verschonten Kaff in der deutschen Provinz gedreht. Alles Kulisse. Alles Verarsche. So wie die Behauptung, es seien „Stars“ anwesend.

Vielleicht steht es ja schlechter um diese Republik, als wir alle denken.

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