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Jüdisches Museum Berlin, Juden, Museum, Berlin
Außenansicht Jüdisches Museum Berlin, Altbau und Libeskind-Bau, frontal © Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe, Berlin

Jüdisches Museum Berlin

Weiter Rückendeckung für Ex-Museumsdirektor Schäfer aus Israel

Nach scharfer Kritik des Zentralrats der Juden trat der Direktor des Jüdischen Museums Berlin, Peter Schäfer, zurück. Seitdem steht der Zentralrat selbst in der Kritik - und die reißt nicht ab. Danach geht es auch um die Meinungsfreiheit in Deutschland.

Dienstag, 25.06.2019, 5:21 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 26.06.2019, 15:51 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Der nach Kritik des Zentralrates der Juden zurückgetretene Direktor des Jüdischen Museums Berlin, Peter Schäfer, bekommt weiter Rückendeckung aus Israel. Die israelische Soziologin Eva Illouz von der Hebräischen Universität in Jerusalem sagte der „Berliner Zeitung“, Schäfer sei ein großer Gelehrter des Judentums und eine wichtige moralische Stimme. Sie bedaure deshalb Schäfers Rücktritt sehr. Als Direktor des Jüdischen Museums sei es seine Pflicht gewesen, sich an der Debatte zu der israelkritischen BDS-Bewegung zu beteiligen. Der Boykott-Bewegung wird Antisemitismus vorgeworfen.

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Schäfer hatte Mitte Juni nach harscher Kritik des Zentralrates der Juden seinen Rücktritt erklärt. Aktueller Auslöser der Kritik von Zentralratspräsident Josef Schuster am Museum war eine Leseempfehlung der Museums-Pressestelle. Darin wurde auf einen Zeitungsartikel über eine Erklärung israelischer und jüdischer Wissenschaftler verwiesen, die gegen einen Beschluss des Bundestages Stellung bezogen. Darin hatte der Bundestag die Israel-Boykott-Bewegung BDS („Boycott, Divestment, Sanctions“) als antisemitisch bezeichnet.

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Einschränkung der Meinungsfreiheit

Am Wochenende hatte sich bereits der Verband der Judaisten Deutschlands hinter Schäfer gestellt. Auch der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, und der israelische Historiker Moshe Zimmermann kritisierten in der vergangenen Woche den Umgang mit dem Jüdischen Museum Berlin und warnten vor einer Einschränkung der Meinungsfreiheit in Deutschland.

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Dem Verband der Judaisten Deutschlands zufolge zählt Schäfer zu den herausragendsten Persönlichkeiten der deutschen Universitätslandschaft. Er habe das Studium des Judentums wie kein anderer geprägt. Viele seiner ehemaligen – jüdischen wie nicht-jüdischen – Studierenden seien heute in leitenden Positionen, als Professoren und Wissenschaftler auf der ganzen Welt aktiv. Viele seiner wegweisenden Ideen bestimmten den aktuellen akademischen Diskurs.

Israelische Politik bestimmt Diskussion

Illouz betonte, der Vorgang um Schäfer sei ein Beleg dafür, „wie die israelische Politik die Diskussionen in der gesamten jüdischen Welt bestimmt“. Demnach dürfe man Kritik an Israel nur äußern, wenn man nicht im Verdacht stehe, Antisemit zu sein, sagte Illouz: „Aber äußert man Kritik an Israel, steht man von vornherein unter Antisemitismus-Verdacht.“

Illouz gehört den Angaben zufolge zu den 240 jüdischen und israelischen Intellektuellen, die in einer Erklärung den Bundestag kritisiert haben. Die Soziologin ist derzeit Gastprofessorin an der Universität Bielefeld. (epd/mig)

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