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Mulit-Kulit ist tod © infomatique auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Multikulti

Noch lange nicht gescheitert

Bereits 2010 hat Angela Merkel Multikulti für gescheitert erklärt. Dabei haben wir Multikulti nie versucht, uns für unsere Vielfalt interessiert, uns nie angestrengt. Und so lange wir es nicht versucht haben, sind wir nicht gescheitert. Von Aseman Bahadori

Von Donnerstag, 29.03.2018, 6:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 24.04.2018, 12:19 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Es heißt immer, die AfD sei deshalb so erfolgreich, weil sie unausgesprochene Ängste und Sorgen der Menschen in Deutschland zum politischen Thema macht. „Mutter Merkel kümmert sich halt um fremde Kinder zuerst und lässt die eigenen verhungern“, meint eine ehemalige Arbeitskollegin, als wir über die „Flüchtlingskrise“ und die damals bevorstehende Bundestagswahl sprechen. Auf diese sogenannten besorgten Bürger, so folgern und beschließen es Politik und Gesellschaft, müsse man eingehen und ihre Ängste endlich ernst nehmen.

Endlich?

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Es ist der 16. Oktober 2010 als Angela Merkel Multikulti für gescheitert erklärt: endlich. Man meint, große Teile der Bevölkerung erleichtert aufstöhnen zu hören. Endlich scheint es eine Erklärung dafür zu geben, warum so viele Dinge einfach nicht so laufen, wie sie sollten und endlich weiß man, woran es liegt: Multikulti! Es funktioniere nicht. Eine ganze Nation nickte eifrig und merkte nicht, wie es sich selbst das Leben um ein Vielfaches erschwerte.

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Dieselbe Politik, die sich jahrelang nicht mit der Vielfalt im eigenen Land befasste, und sich vehement wehrte, Deutschland als das zu bezeichnen, was es ist, nämlich ein Einwanderungsland, begann über Vielfalt und „Multikulti“ zu sprechen, als sie für gescheitert erklärt wurde. Das ist unlogisch. Denn Scheitern kann man nur, nachdem man sich zumindest bemüht hat.

Haben wir das? Haben wir es versucht, dafür gekämpft, oder uns auch nur ausreichend für unsere Vielfalt und Identität interessiert? Haben wir uns angestrengt, um zu einer solidarischen Mehrheitsgesellschaft zusammenzuwachsen? Nein.

Anstatt sich endlich mit den Belangen und Problemen der deutschen Migrationsgesellschaft auseinanderzusetzen, lenkte die Politik mit ihrem vernichtenden Urteil von ihren jahrzehntelangen Versäumnissen ab. Sie stellte pauschal allen „Migranten“ fehlenden Integrationswillen unter und kehrte unter den Teppich, dass sich Millionen Menschen erfolgreich integrierten, obwohl die Politik sich jahrelang überhaupt nicht für sie interessierte.

Deutschland, obgleich seit bereits so vielen Jahren ein Einwanderungsland, steckt noch in den Kinderschuhen, wenn es darum geht sich kritisch mit seiner Identität und Diversität auseinanderzusetzen. Gescheiterte Einwanderungsgesellschaft? Not in my name. Die Reise hat erst begonnen, endlich scheitern kann man auch immer noch später.

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